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Periodical volume 14. Februar 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

60 Sitzung vom 1 Februar 1912
und die andere nach links verschoben. Es handelt zen Städtebaubewegung einen lebhaften Anstoß und 
sich um die Koburg- und die Meininger Allee. Das lebhafte Förderung gegeben hat. An der Spitze stehen 
bedeutet keine Kosten für uns. Sie sehen, daß die der Geheime Oberbaurat March, Exzellenz Hinckel- 
Aenderung stattgefunden hat, um Anschlüsse zu deyn, der Geheime Oberhofbaurat von Ihne, der Ge­
geben, die die Straßen von dem älteren Teil von heime Oberregierungsrat Dr. Münchgesang, der Re­
NeuwesteNd m it dem Nordteil direkt verbinden, so gierungsrat Kemmann, der Gartenbaudirektor Bro- 
daß hier also Kommunikationswege geschaffen sind, dersen, der Geheimrat Dr. Muthesius, der Geheime 
die von Norden nach Süden durchlaufen. Das be­ Baurat Saran. Nun, meine Herren, Sie sehen, es 
dingte nach meiner Ansicht selbstverständlich das Ver­ sind die bedeutendsten Leute, die w ir heute im Städte­
legen der Straßen auf der Südseite. Das ist eine bau haben, und diese Herren haben m ir zugesagt, daß 
Frage von ganz untergeorneter Bedeutung; sie ver­ sie mich beraten wollen — natürlich im Ehrenamt; 
bessert die Lage im Süden, kostet nichts, da sich die die Namen der Herren sind ja darüber erhaben, daß 
Adjazenten, weil es zu ihrem Besten ist, dazu bereit sie irgendwie Sonderzwecke in der Beratung meiner 
erklärt haben. Das ist also etwas, was hier nicht Person verfolgen könnten; sie tun es aus redlichem 
sehr ins Gewicht fällt. Wollen, um dazu beizutragen, daß wirklich etwas 
Ich bitte also noch einmal um Einsetzung eines Gutes geschaffen wird.
Ausschusses von 15 Mitgliedern und hoffe, daß dieser Und nun, meine Herren, können Sie mit mir 
Ausschuß so schnell arbeitet, daß w ir eben in sechs empfinden, daß es mein Wunsch ist, m it diesen 
Wochen uns darüber klar sind, daß wir, vielleicht mit meinen Beratern von dieser Vorlage Kenntnis zu 
kleinen Aenderungen, uns für die Annahme dieses nehmen, mit ihnen die Sache zu besprechen, bevor 
Projektes entscheiden. die endgültige Entscheidung getroffen ist. Denn es 
ist ja leicht möglich, daß die Herren auf den einen 
Stadtv. Becker: Meine Herren! Es ist oder andern Punkt aufmerksam machen und die 
selten vorgekommen, daß einer Stadverordnetenver- Stadt Charlottenburg schließlich dankbar sein muß 
sammlung eine Vorlage von solcher Bedeutung, von und sein kann, wenn eine Verbesserung noch vorge­
so tiefem' Eingreifen in den persönlichen Besitz ein­ schlagen wird. Ob das der Fall sein wird, weiß ich 
zelner Besitzer gemacht wird, als es hier geschehen nicht. Ich habe also an den Herrn Oberbürgermeister 
ist. Die Aufgabe, die hier zu lösen war, ist außer­ heute ein Schreiben gerichtet und gebeten, daß er mir 
ordentlich schwierig gewesen, die verschiedensten Ge­ und meinem Beirat Gelegenheit geben möchte, von 
sichtspunkte haben in Rechnung gezogen werden dieser Sache Kenntnis zu nehmen. Im  übrigen hoffe 
müssen. Im  allgemeinen habe ich den Eindruck, als ich, daß die Herren hier die Güte haben werden, mich 
ob die Sache recht gut und zweckmäßig geworden in den Ausschuß von 15 Personen m it hineinzu­
wäre. Natürlich werden viele und auch ich das Be­ wählen, damit ich auch da Gelegenheit habe, meine 
dürfnis haben, daß die Einzelheiten in dem Ausschuß Sache zu vertreten.
eingehender beraten werden, als es hier im Plenum 
möglich ist. Stadtv. Braune: Meine Herren! Auch ich stehe 
Nun, meine Herren, habe ich neben dem In te r­ auf dem Standpunkt, die Vorlage einem Ausschuß zu ' 
esse als Stadtverordneter und neben dem Interesse überweisen. Ich möchte aber in dieser Beratung des 
als Bewohner von Westend, wie Ihnen ja wohl allen Ausschusses besonders eine bessere Ausnutzung des 
bekannt ist, ein ganz spezielles Interesse. Das ergibt Terrains zum Ausdruck gebracht sehen. Ich meine, 
sich aus meinem Amte als Vorsitzender des einge­ daß eine Stadtverwaltung neben idealer Boden- und 
tragenen Vereins „Bismarckwarte", dem Sie ja wohl Wohnungspolitik diese Politik auch praktisch zu betrei­
schon jetzt nachrühmen werden, daß er zur Entwick­ ben hat. Die Lage des dortigen Terrains, vielfach 
lung dieses Bauplanes wesentlich m it beigetragen eingeschlossen von Fabrikunternehmungen und von 
hat. Schon der Gedanke, daß w ir eine Warte bauen zwei Kirchhöfen, und die Aussicht, daß Spandau seine 
wollen, hat seine Frucht getragen. Meine Herren, am Fuße des Westendplateaus gelegenen Terrains 
ich bin in der angenehmen Lage, Herm Stadt­ weiter zu Fabrikanlagen zu verwerten sich bestreben 
baurat Bredtschneider noch mein ganz besonderes wird, läßt nicht darauf schließen, daß w ir einen klei­
Kompliment zu machen; denn er ist derjenige ge­ nen Teil desselben auch nur zu Villen verwerten wer­
wesen, der zuerst auf diesen Platz als Bauplatz für die den. Ganz anders würde dies bei teilweise annähernd 
Bismarckwarte aufmerksam gemacht hat, und dafür großstadtmäßiger Bebauung, wie früher projektiert, 
schulden w ir ihm Dank. der Fall, auch zum Vorteil der Stadt sein. Ich 
Nun aber, meine Herren, trage ich als Vor­ wünsche also, daß, um die vom Herrn Referenten an­
sitzender eine große Verantwortung dafür, daß die gedeutete drohende teilweise Konfiskation dieser 
Gelder, die zum großen Teil pfennigweise gesammelt Grundstücke möglichst zu vermeiden, die Etagen vieler 
worden sind, auch in einer Weise Verwendung finden, Gebäude dort im Durchschnitt tunlichst um ein Stock­
daß das Beste, was erreicht werden kann, auch wirk­ werk vermehrt werden möchten.
lich erreicht wird. Und bei den schwierigen baulichen 
Verhältnissen, die hier obwalten, habe ich das Be­ (Widerspruch.)
dürfnis gehabt, m ir Berater zu suchen, weil ich mir 
nicht zutraue, diese Verhältnisse in der Weise sach­ Stadtv. Wolffenstein: Ich möchte mir die An­
verständig so zu beurteilen, wie man es von dem­ frage erlauben, wieweit die Verhandlungen mit den 
jenigen, der für die Verwendung der Geldmittel ver­ Behörden gediehen sind, ob überhaupt Aussicht vor­
antwortlich ist, die öffentlich gesammelt worden sind, handen ist, daß dieser Bebauungsplan genehmigt 
erwarten muß. Ich habe die Berater, die ich mir ge­ wird. Ich habe meine starken Bedenken, daß die Re­
wählt habe, in einen Beirat formiert. Diesem Beirat gierung der Sache näher treten wird, in Hinsicht auf 
gehören die bedeutendsten Städtebauer an, die wir den Zweckverband.
heute haben, diejenigen Herren, die vor zwei Jahren Dann möchte ich Herrn Kollegen Becker darin 
unsere Städtebauausstellung hier in Charlottenburg unterstützen, daß es wohl wert ist, bei dieser großen 
arrangiert haben, eine Ausstellung, die unserer gan- Aufgabe auch Städtebaukünstler zur Beurteilung des
        
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