Path:
Periodical volume 31. Januar 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung born 3 . Januar 1912 51
1908 ab eintreten sollte, weiter zu zahlen. Das ist einzigen verhindert ist, an einer Sitzung teilzu­
der Verlauf der letzten Teuerungszulage gewesen, die nehmen. Wenn es sich dann noch dazu um die Be­
wir hier mit Ihnen zusammen bearbeitet haben, und ratung eines Antrages handelt, der von derselben 
es heißt den Kopf in den Sand stecken, wenn man Fraktion ausgegangen ist, dann ist das doppelt und 
glaubt, mit einer einmaligen Zahlung von 40 cä  die dreifach zu bedauern. Gewiß kann es passieren, daß 
behauptete Lebensmirtelteuerung bekämpft zu haben. plötzlich 5 oder 6 Herren verhindert sind; aber wenn 
Man muß mit klaren Blicken und nüchternem Ab­ uns das passiert, dann würden wir rechtzeitig davon 
messen die Entwicklung der Dinge verfolgen und im Mitteilung machen und bitten, daß die Sitzung der 
geeigneten Augenblicke die Teuerungsaktion auch Deputation aufgehoben und auf einen anderen Tag 
wirklich zu einer Hilfsaktion ausgestalten. Aber die verlegt wird. Das hätte von den Freunden des 
Maßnahme, die hier angeregt worden ist, konnte Herrn Kollegen Meyer auch geschehen können. Herrn 
weder ixt der Deputation noch im Magistrat irgend­ Kollegen Meyer selbst mache ich natürlich keinen Vor­
welche Gegenliebe finden, und das ist der tatsächliche wurf; er ist der einzige, der seine Pflicht erfüllt und 
Grund, weshalb wir Ihnen mit einer Vorlage im sogar mit uns zusammen gestimmt hat. Meine Vor­
Sinne Ihres Beschlusses vom 20. Dezember nicht auf­ würfe richten sich gegen diejenigen, die nicht da waren. 
warten können. Ich finde es ja sehr ritterlich, wenn sich Herr Kollege 
Meyer seiner Fraktionsfreunde annimmt; aber das 
Stadtv. Hirsch: Selbstverständlich wird es nie­ ändert nichts an den Tatsachen, die ich angeführt habe. 
manden unter uns geben, der der Meinung ist, daß Sachlich stimmen wir ja ganz überein: Herr Kollege 
man mit einer einmaligen Zulage von 40 dl die Meyer stellt auch in Aussicht, daß seine Freunde etwas 
Lebensmittelteuerung bekämpfen kann. Aber anderer­ tun werden. Ich kann also meine Ausführungen da­
seits wird man auch nicht bestreiten können, daß für mit schließen, daß ich den Mitgliedern der Deputation 
Beamte und Arbeiter mit einem Einkommen von von Herzen gute Besserung wünsche, damit sie wieder 
1200 dl, ja noch weniger, eine Zulage von 40 dl ihren Geschäften nachgehen können.
schon immerhin etwas ausmacht, daß es eine Summe 
ist, mit der sie wenigstens in etwas die Ausgaben Stadtv. Meyer: Es gehört ja zu den Eigen­
wettmachen können, die ihnen durch die Höhe der tümlichkeiten des Herrn Kollegen Hirsch, daß, wenn 
Lebensmittelpreise erwachsen sind. Man darf die wir sachlich übereinstimmen, er doch eine sachliche Zu­
Sachlage nicht verschieben. Der Herr Bürgermeister sammenarbeit durch persönliche Angriffe zu ver­
spricht von einer eventuellen Revision des Normal­ hindern weiß. Er hat das auch jetzt wieder bewiesen 
etats, und er fürchtet, daß die Annahme des Antrages mit der Bemerkung, ich wäre der einzige unter den 
Meyer und Genossen eine Revision des Normaletats liberalen Deputationsmitgliedern gewesen, der seine 
zur Folge haben würde. Aber das ist ja noch gar Pflicht nicht verletzt hat. Darin liegt der Vorwurf 
nicht gesagt. Der Antrag verlangt nur, daß den der Pflichtverletzung gegen die übrigen, und diesen 
Beamten mit einem Gehalt bis zu 2000 dl und den Vorwurf hat Herr Kollege Hirsch wiederholt dadurch, 
Arbeitern eine einmalige Zulage von 40 dl gegeben daß er sagte: wie merkwürdig es ist, daß alle krank 
wird, und soviel Entgegenkommen hätte der sind! Nun, meine Herren, „alle" sind im ganzen 
Magistrat und die Deputation wohl zeigen können, 4 Herren gewesen. Das ist eine Anzahl, die nicht so 
sich mit uns über diesen Antrag zu verständigen. Der überwältigend ist.
Meinung bin ich natürlich nicht — darin stimme ich 
dem Herrn Bürgermeister vollkommen bei —, daß (Stadtv. Hirsch: Von 5!)
es sich hier um eine Maßnahme handelt, die irgend­
wie w e s e n t l i ch zur Bekämpfung der Lebensmittel­ Zweitens sind nicht alle krank gewesen, sondern nur 
teuerung dient. Was wir verlangen, um der Teue­ zwei; einer ist verreist gewesen, ein anderer hat wohl 
rung entgegenzutreten, haben wir ja in der Depu­ eine berufliche Verhinderung gehabt. Herr Kollege 
tation und hier im Plenum wiederholt ausführlich Hirsch maßt sich nun ein Urteil darüber an, ob die 
erörtert; ich kann darauf heute verzichten. Aber Herren sich früher hätten abmelden können, vergißt 
nachdem alle unsere Anträge abgelehnt sind, hätten aber ganz, daß derartige Verhinderungen im letzten 
wir wohl erwarten können, daß der Magistrat wenig­ Moment entstanden sein können, wobei ihm offenbar 
stens diesem verhältnismäßig unbedeutenden Antrage, ein sehr schwaches Gedächtnis für die Fälle eigen ist, 
der auch nicht so riesige Summen erfordert, zustimmen wo seine Kollegen sich entweder gar nicht oder im 
würde. letzten Moment entschuldigt haben.
Nun, meine Herren, hat Herr Kollege Meyer 
mir einen Vorwurf daraus gemacht, daß ich mitgeteilt (Stadtv. Wilk: Kommt aber sehr selten vor!)
habe, wie die Deputation zusammengesetzt gewesen ist.
— Gewiß; es kommt bei uns auch sehr selten vor. 
(Stadtv. Meyer: Nicht daß Sie, sondern w i e Es ist aber eben merkwürdig, daß Sie uns deswegen 
Sie es mitgeteilt haben!) denunzieren.
Ja, höflicher kann ich doch nicht sein, als daß ich hier (Stadtv. Hirsch: Ist keine Denunziation!)
aufrichtig bedaure, daß so viele Ihrer Freunde an 
dem Tage krank gewesen sind. Herr Kollege Meyer — Gewiß ist das eine Denunziation.
sagte, er könnte uns auch nachweisen, daß meine 
Freunde manchmal in Kommissionen gefehlt haben. (Stadtv. Wilk: Sehen Sie die Berichte doch nach!)
Ja gewiß, wann gibt es denn das nicht, daß das eine 
oder andere Mitglied verhindert ist, einer Sitzung, Sehen S ie  sich doch die Berichte nach! Dann wer­
sei es nun im Plenum oder in einer Kommission, bei­ den Sic finden, daß ich recht habe.
zuwohnen! Aber es ist doch etwas ganz anderes, ob Ich weise es nochmals aufs entschiedenste 
einmal ein einzelnes Mitglied in einer Sitzung fehlt, zurück, daß hier solche Dinge wiederholt behauptet 
oder ob plötzlich eine ganze Fraktion bis auf einen werden, und ich glaube, das frühere Verhalten der
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.