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Periodical volume 31. Januar 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 3 .. Januar 1912 43
uns geholfen, wie wir konnten: wir haben die uns zu erfreuen haben, können mich die theoretischen 
Schwindsüchtigen in andere Krankenhäuser wegge­ und in gewissem Maße mechanischen Berechnungen 
geben usw. Wenn wir dieses (Stiftern abstellen und des Herrn Kollegen Dr. Stadthagen in keiner Weise 
mit den umfassenden Abweisungen endlich einmal von dem Eindruck befreien, daß es eine schwere Ver­
brechen wollen, so sind wir durch die Neueinstellung antwortung wäre, die Baracke abzulehnen.
bis zur zulässigen Belegungsgrenze gegangen. Wir 
haben dadurch aber genügend getrennte Jsolierabtei- (Sehr richtig!)
lungen verloren: wir können ja doch Masern und 
Scharlach nicht zusammenlegen, sondern müssen sie in Es ist möglich, daß wir sie nicht so nötig brauchen; 
verschiedenen Pavillons unterbringen: selbst wenn der ich gebe aber lieber das Geld für die Baracke aus und 
Masernpavillon nur mit 30 % belegt ist, können wir riskiere es, daß sie nicht so dringend nötig ist, als 
die übrigen 70 % nicht für andere Abteilungen als daß ich es riskiere, daß wir vor einer Not in dieser 
freie Betten einrechnen. Also wenn wir die Jnfek- Beziehung stehen.
tionsfälle nicht isolieren können, wenn wir für Kata­
strophen nicht eine Reserve haben, so sind wir in Not. (Sehr richtig!)
W ir wollen hoffen, daß die Tat sache selbst nie­
mals auftritt: aber die M ö g l i c h k e i t  besteht, und Ich bitte Sie dringend, meine Herren, die Baracke zu 
mir sind verpflichtet, an diese Möglichkeit zu denken genehmigen.
und für sie vorzusorgen. (Bravo!)
Stabtrat Dr. Nöthig: Meine Herren! Ich hatte Vorsteher Kaufmann: Es ist von Herrn Kolle­
vom Magistrat aus Gelegenheit, die Verhältnisse in gen Vogel mit genügender Unterstützung der Antrag 
Westend an Ort und Stelle zu sehen, und kann er­ auf namentliche Abstimmung über Nummer b gestellt 
klären, daß die Einfügung der 86 Betten vollkommen worden.
den hygienischen Forderungen entspricht, daß aber 
nach der Einfügung der 86 Betten der verfügbare (Unruhe.)
Raum im Krankenhause fast bis zur Grenze aus­
genutzt ist. Wenn dann also irgendwelche dringenden Stadtv. Dr. Landsberger: Meine Herren! Die 
Momente eintreten sollten, die eine weitere Unter­ Schwierigkeiten, in die wir geraten sind, und für die 
bringung infektiöser Kranker notwendig machen, dann ein ausgezeichnetes Symptom dadurch gegeben ist, 
fehlt es dem Krankenhause tatsächlich an dem so un­ daß jetzt ein Antrag auf namentliche Abstimmung 
bedingt notwendigen Sicherheitsventil, und dieses eingegangen ist, als wenn es sich darum handelte, 
Sicherheitsventil soll durch die beantragte Baracke daß der eine Teil der Stadtverordnetenversammlung 
geschaffen werden. Dafür kommt es nicht in Betracht, humaner und der andere weniger human dächte — 
ob die Baracke nur 20 oder nur einige Betten hat. die Schwierigkeiten unserer Situation sind dadurch 
Es ist bei einer plötzlich auftretenden Epidemie un­ entstanden, daß der Magistrat so sehr von dem Stand­
bedingt notwendig, daß die ersten Fälle schnell isoliert punkt seines Organs, nämlich der Krankenbaus- 
werden können, und wenn der übrige Teil des Kran­ deputation, abgewichen ist.
kenhauses, wie es dann tatsächlich der Fall sein wird, 
stark ausgenutzt wird, so haben wir keine Reserve; (Stadtv. Dr. Stadthagen: Sehr richtig!)
denn die bisher bestehende Döckersche Baracke ist un­
brauchbar, wie von vielen Seiten hervorgehoben wird. Die Krankenhausdeputation hatte nach sorgfältiger 
Es ist also, soweit es sich um die Bewilligung der Erwägung und unter vollständiger Anerkennung der 
Baracke handelt, nur die Frage zu entscheiden, ob Sie Notlage, die vorübergehend geherrscht hat, eine Ver­
meinen, die Verantwortung tragen zu können, daß mehrung der ständigen Bettenzahl um 30 beschlossen, 
keine besonders schwierigen Fälle der Krankenhaus- von denen nachgewiesen war, daß sie ohne Schädigung 
verwaltung in der nächsten Zeit erwachsen werden. des Krankendienstes in die bestehenden Räume ein­
Diese Frage kann man weder bestimmt bejahen noch gefügt werden könnten, und sie hat ferner die Auf­
bestimmt verneinen. Man muß aber, finde ich, in ge­ stellung von zwei Döckerschen Baracken, d. h. trans­
sunden Verhältnissen für ungünstige Verhältnisse Vor­ portablen, leicht abreißbaren Baracken beschlossen — 
sorge treffen. von denen heute zu Unrecht behauptet ist, daß sie für 
den .Krankenhausdienst nicht brauchbar sind; die 
(Sehr richtig!) Döckerschen Baracken sind im Militärdienst bewährt;
Diese Vorsorge wird getroffen durch die beantragte (Sehr richtig!)
Baracke. Dabei kommt für mich weniger in Betracht, 
ob wir gesetzlich dazu verpflichtet sind; das ist aber jeder Sachverständige wird Ihnen sagen, daß man in 
noch dazu der Fall. W ir müssen daher für solche Ver­ Döckerschen Baracken zu jeder Jahreszeit Kranke gut 
hältnisse sorgen und müssen in gesunden Verhältnissen aufnehmen und unterbringen kann. Gewiß, in einem 
für die Zeit der Not Vorsorgen. Ich kann Sie nach nicht feststehenden Hause ist die Unterbringung von 
meiner Kenntnis der Verhältnisse nur dringend Kranken nicht gerade ideal, aber auch feste Baracken 
bitten, die beantragte Baracke zu bewilligen. können nicht leicht die Unterbringung in einem 
Krankenhause ersetzen. Das sind Dinge, über die gar 
(Bravo!) nicht gesprochen zu werden braucht. Hier handelt es 
ich aber um die Abstellung einer Notlage.
Stadtv. Giittmann: Meine Herren! Nach den M it den.Argumenten, mit denen Herr Stadtrat 
Ausführungen des Herrn Stadtrats Dr. Nöthig kann Nöthig gekommen ist und denen Herr Kollege Gutt- 
ich mich kurz fassen. Nach den überzeugenden Aus­ mann sich angeschlossen hat, kann man alles beweisen.
führungen des Herrn Stadtrats Dr. Gottstein, dieses 
ausgezeichneten Fachmannes, dessen Mitarbeit wir (Sehr richtig!)
        
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