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Periodical volume 31. Januar 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

42 Sitzung vom 3 . Januar 1912
nicht, daß diese Vermehrung um 86 Betten eintritt Krankenhause bleiben. Wie m ir vom Magistrat ge­
durch eine Ucberbelegung, und daß in dem Moment, sagt wird, ist diese Zahl 25 bis 30 —  ich habe früher, 
wo eine Vermehrung um 120 Betten eintritt, im glaube ich, eine niedrigere Zahl gehört. .Wenn ich 
Oktober, diese Ueberbelegung von 86 Betten natürlich aber selbst 30 rechne, dann komme ich auf die Zahl 
zurückgezogen werden wird. von 51 000 Tagen. Wenn w ir daraus die Bettenzahl 
entnehmen, so kommen wir auf 140 Betten, die even­
(Widerspruch.) tuell gefehlt haben. Im  Herbst dieses Jahres haben 
w ir aber 206 Betten mehr, d. h. über diese Fehlzahl 
— Wenigstens teilweise, wird m ir vom Magistrats- noch 66 Betten weiter.
tisch zugerufen. Ich halte es auch für selbstverständ­ Nun wird immer darauf hingewiesen: w ir haben 
lich, daß, wenn aus Boi eine Ueberbelegung eintritt, aber keine Reserve. Meine Herren, wenn w ir die 
dann, wenn diese Not nicht mehr vorhanden ist, wenn Reserve, eine besondere Baracke, jetzt 10 Jahre lang 
sie durch diese 120 Betten erleichtert wird, diese Ueber­ nicht gehabt haben, dann kann ich absolut nicht ein­
belegung aufhört. Allerdings, meine Herren, muß sehen, warum w ir nun für ein halbes Jahr diese Re­
ich sagen: wenn ich höre, daß 1700 Kranke im Jahr serve bauen sollen.
abgewiesen werden, dann habe ich zu dem Zurück­
ziehen der Ucberbelegung sehr wenig Zutrauen, und (Sehr richtig!)
dann, glaube ich, wird möglicherweise auch noch nach 
dem Oktober die Ueberbelegung notwendig werden. Tie können leicht sagen: Sie übernehmen damit eine 
Aber weiter, meine Heran, hat Herr Stadtrat große Verantwortung. Da muß ich nur sagen: dann 
I)r. Gottstein Ihnen ausgeführt, daß wir nach dem übernimmt der Magistrat auch die Verantwortung, 
Neichsseuchengesetz verpflichtet sind, eine Reserve be­ daß, wenn eine größere Epidemie ausbricht, er mit 
reit zu stellen, und daß er auf Anfrage vom Polizei­ 20 Betten diesem Bedürfnis absolut nicht abgeholfen 
präsidium aus nicht in der Lage sein würde, zu sagen: hat. Wenn Sie dieses Bedürfnis befriedigen wollen 
w ir haben eine Reserve. Meine Herren, was dann? mit 20 Betten, dann können Sie genau so in dem 
Wollen Sie die Verantwortung auf sich nehmen, daß Krankenhause, das w ir jetzt haben, ein oder zwei 
im M ai dieses Jahres der Polizeipräsident anfragt, Zimmer abschlagen —  w ir bekommen ja jetzt 86 Betten
wie es m it der Reserve steht, daß dann vom Ma­ —  einen Raum abschlagen und nur für den Notfall
gistrat aus erklärt werden muß: eine Reserve ist nicht —  es wird davon geredet: wenn einmal ein Pestfall 
vorhanden, und daß dann vom Polizeipräsidium an­ auftritt —- für diesen Notfall reservieren. W ir haben 
geordnet wird: djs Baracke, die Reserve, die die auch früher derartige Fälle gehabt —  bei den aus­
Stadtverordnetenversammlung ablehnt, muß auf An­ wandernden Russen,, erinnere ich mich — , da ist auch 
ordnung "im Aufsichtswege gebaut werden? Meine dafür gesorgt worden: da steht eine Schulbaracke zur 
Herren, eine derartige Verantwortung möchten wir Verfügung, die natürlich nachher nicht mehr für die 
nicht auf uns nehmen. Meine Freunde werden daher Schule gebraucht werden kann. Derartige Hilfsmittel 
für die Magistratsvorlage stimmen, und ich bitte Sie, haben w ir also.
das Gleiche zu tun. Eins hat mich aber besonders an den Ausfüh­
rungen des Herrn Stadtrats Boll gewundert und mich 
(Bravo!) sehr stutzig gemacht, und ich möchte Herrn Stadtrat 
Boll, an den ich mich eben persönlich wende, auch 
Stadtrat Boll: Meine Herren! Ich möchte doch bitten, jetzt zuzuhören. Herr Stadtrat Boll hat vor­
richtig stellen, damit es keine Mißverständnisse gibt: hin erklärt, das K r a n k e n h a u s  z w e i t e r  
w ir werden keine Ueberbelegung durch diese 86 Betten K l asse würde ja erst in mehreren Jahren fertig 
schaffen. Der Direktor des Krankenhauses, Herr Kol­ sein. Diese Aeußerung hat mich außerordentlich er­
lege Gottstein, Herr Kollege Nöthig und ich sind durch staunt. Seit Jahren hat die Stadtverordneten­
die einzelnen Pavillons gegangen und haben festge­ versammlung den Wunsch gehabt, daß ein Kranken­
stellt, daß noch gut in der gesetzmäßigen Anzahl diese haus für den M i t t e l s t a n d  gebaut wird: w ir 
Betten untergebracht werden können. Allerdings haben vor längerer Zeit —  es ist wohl über ein halbes 
unter Zunahme einiger Tagesräume. Wieviel wir Jahr her —  der Magistratsvorlage zugestimmt, und 
später, wenn w ir die 120 Betten haben, wegnehmen jetzt hören w ir auf einmal: es kann noch jahrelang 
können, wissen w ir noch nicht: jedenfalls werden wir, dauern. I n  der Anleihe steht das Krankenhaus. Da 
sobald w ir mehr Platz haben, die Tagesräume wieder kann ich nur den Magistrat auf das dringendste bitten, 
als solche benutzen. Aber es ist auch m it den 86 Betten diesen • Bau des Pavillons zweiter Klasse zu be­
noch der vorgeschriebene Luftraum für jeden Kranken schleunigen, der dem Bedürfnis des Mittelstandes 
vorhanden. Also dem möchte ich entgegentreten, daß entgegenzukommen berufen ist.
w ir jetzt eine Ueberbelegung geschaffen haben.
Stadtrat Dr. Gottstein: Meine Herren! Durch 
Stadtv. Dr. Stadthagen: Meine Herren! Meine Ablehnung der Baracke bringen Sie uns tatsächlich in 
Freunde lehnen es selbstverständlich ab, irgendwie eine Verlegenheit. So schematisch, wie Herr Stadtv. 
Krankenhausnot herbeiführen zu wollen, sondern im Stadthagen rechnet, daß man sagt: so und so viel 
Gegenteil, w ir sind aufs dringendste dafür, daß der Tage ist der Kranke im Krankenhaus, so und so viel 
Krankenhausnot abgeholfen wird. Diese Vorlage Betten haben wir, diese Zahl von Krankheitstagen 
ohne b würde aber nach unserer Ansicht, nach Ansicht rechne ich heraus —, so schematisch kann man nicht 
der Majorität meiner Freunde, der Krankenhausnot vorgehen. Man kann nicht alle Kranken durchein­
abhelfen. Wenn Herr Stadtrat Gottstein eben gesagt ander legen; man muß Frauen und Kinder scheiden, 
hat: 1700 Kranke sind im letzten Jahre abgewiesen — ansteckende und nicht ansteckende Krankheiten; man 
nun, so bitte ich — von der Frage, aus welchen Grün­ muß auch einmal die Möglichkeit haben, eine ganze 
den die Abweisung erfolgt ist, ganz abgesehen Station für eine kurze Zeit leer zu legen, um sie des­
diese Zahl einmal zu multiplizieren m it der Höchst­ infizieren zu können, und diese Möglichkeit war seit 
zahl der Tage, die die Kranken durchschnittlich im 1904 in Westend überhaupt nicht gegeben. W ir haben
        
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