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Periodical volume 17. und 18.Dezember 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 18. Dezember 1912 489
höre, soll nachher noch ein Amendement dafür einge­ licher Höhe zu belasten, da unsere S ta d t ja an, meisten 
bracht werden, daß der Schnellverkehr in schneller dabei interessiert ist. W enn w ir dagegen dieser V or­
Folge auch bis in das In n e re  der S ta d t geführt wird, lage zustimmen, so werden w ir a ls  Vertragschließende 
dam it die S ta d t C harlottenburg gewissermaßen auch imstande sein. unsere Wünsche zu form ulieren und 
einen direkten V orteil von der Sache hat. D ie unsere Bedingungen, wie w ir sie im  Ausschuß nieder­
Uebungs- und Probefahrten sollen auf die M orgen­ gelegt haben, zur E rfüllung zu bringen.
stunden beschränkt werden; im  S om m er ungefähr um Ich  halte diese Bedingungen im  Interesse unserer 
% 8  und im W inter um  Vß Uhr hätten die Chauf­ S ta d t  für außerordentlich vorteilhaft. Ich  möchte 
feure, die dort ihre W agen probieren, von der B ild ­ nur das eine hervorheben, w as auch der H err Referent 
fläche zu verschwinden. gestreift hat und w as ich für unsere S ta d t für unbe­
E s  war im P lenum  das vorige M a l große B e­ dingt wichtig halte: das ist dieser Autoomnibusverkehr. 
fürchtung darüber geäußert worden, daß die Renn- S ie  werden aus E rfahrung wissen, daß die Wagen 
fahrren einen großen R um m el nach Charlottenburg der S tad tbahn , wenn sie C harlottenburg, d. h. den 
ziehen könnten und dadurch zeitweise viel Lärm  vor Zoologischen G arten  erreichen, meist überm äßig gefüllt 
unseren Toren gemacht würde. S ie  finden unter e sind, so daß es vielen Leuten kaum möglich ist, den 
angegeben, daß die A utow ettfahrten auf zweimal im Weg in s  Freie, d. H. den Weg nach dem Westen, zu 
J a h re  beschränkt werden. E s  ist das m it Zustim m ung finden. E s  herrscht dort eine unbegrenzte Fülle, so 
der Gesellschaft hier eingesetzt worden. daß einem, ich möchte sagen, der Atem dabei au s­
E s  ist dann noch un ter f  von der Anteilnahm e gehen könnte. Diesem Uebelstand wird zum großen 
der Stadtgem einde an  der Verw altung des U nter­ T eil durch die Anlage eines Schnellautoom nibusver­
nehmens gesprochen. I n  welcher F o rm  dies gemacht kehrs unoedingt abgeholfen. D a  außerdem in  dem 
werden sollte, wollte der Ausschuß dem M agistrat V ertrag festgesetzt w ird, daß er zu so niedrigen Sätzen 
überlassen. U nter g  finden S ie  noch, daß Ih n e n  eingerichtet w ird, wie die S tad tbahn  in  der 
natürlich von dem V ertrag nach seinem Abschluß dritten Klasse befördert, so w ird  es gerade der ärm e­
K enn tn is  gegeben werden soll. ren Bevölkerung und dem M ittelstände möglich wer­
T a n n  sind so ziemlich dieselben F ragen für und den, in schneller F a h r t nach dem Westen, nach den 
w ider wie in der vorigen Stadtverordnetenversam m ­ Erholungsstätten an der Havel, am Wannsee usw. 
lung auch im Ausschüsse aufgetaucht, so daß ich über zu gelangen.
alle Einzelheiten wohl nicht zu sprechen brauche. A n Aber, meine Herren, w ir sollten u ns hierbei 
neuen Gesichtspunkten ist hauptsächlich von unserem auch von allgemeinen Interessen etwas leiten lassen. 
neuen H errn  Bürgerm eister darauf hingewiesen wor­ T e r  Automobilverkehr —  das ist unstreitig —  steigt 
den, w as wohl ausschlaggebend gewesen ist, daß von Tag zu Tag, und unsere A usfallstraßen im Westen 
m an auch i n  d i e  Z u k u n f t  s c h a u e n  und darauf können diesen Automobilverkehr kaum m ehr auf­
sehen sollte, sich auch A u s f a l l s  st r a ß e n  d u r c h  nehmen. Ich finde es sogar gerade sehr vorteilhaft, 
d e n G r u n e w a l d  n a c h  W a n n  s e e  zu schaffen, daß die Bismarckstraße den Anfangsverkehr auf­
die man sicher einmal brauchen würde. W enn später nehmen w ird; sie ist gewissermaßen dazu prädestiniert, 
der Zweckverband die S tra ß e n  bauen sollte, würden sie hat einen breiten Fahrweg, während das bei den 
für un s nach unserer statutenm äßigen Beteiligung anderen A usfallstraßen wie dem Kurfürstendam m , 
am Zweckverband mindestens noch io %  an Kosten der Kantstraße usw. nicht der F a ll ist. Und, meine 
entstehen. W ir würden das Gelände dann nicht Herren, wer Gelegenheit hatte, zu beobachten, wie 
pachtfrei erhalten, sondern käuflich erwerben müssen, gefahrvoll es heute schon ist, bei regem A utom obil­
und es wäre nach den S ta tu ten  des Zweckverbandes verkehr z. B . den Kurfürstendamm  zu überschreiten, 
sogar möglich, un s noch größere Lasten als 10%  auf­ wo es den Leuten, die in die elektrische B ahn  ein­
zuerlegen. E s  wäre für uns, wenn w ir u n s  a n  der steigen oder aus derselben aussteigen wollen, kaum 
Sache beteiligten, die S tra ß e  a u g e n b l i c k l i c h  möglich ist, über den D am m  zu kommen, weil sie G e­
w o h l f e i l e r  z u h a b e n a ls  je in späteren Jah ren . fahr laufen, dabei von den A utos überfahren zu wer­
Außerdem hätte sich Charlottenburg schon im Laufe den, der wird m ir zugeben, daß es für u ns von außer­
der Ja h re  a ls eine Automobilstadt ausgebildet, wie ordentlichem V orteil ist, wenn sich gerade in  der B is ­
sich durch die Z ählung der Garagen und an Hand der marckstraße dieser Automobilverkehr sammelt.
S ta tistik  der vielen Automobile, die in  C harlotten­ E s  werden aber außerdem wie bei jedem größeren 
burg verkehren, leicht nachweisen läßt. Verkehr Vorteile für die Bewohnerschaft heraus­
Ich empfehle Ih n e n  im Nam en des Ausschusses springen. Ich  erinnere an  die wahrscheinliche Anlage 
die Annahm e der Vorlage. von G aragen, an den Handel m it Ersatzteilen, kurz­
S tad tv . B ergm ann: M eine Herren! D ie B e­ um, es w ird unbedingt durch den regen Verkehr 
urteilung der Vorlage sollte nicht zuletzt von dem Handel und W andel in den S tad tte ilen  außerorden t­
Gesichtspunkte au s  geschehen, ob die B ahn auch ohne lich belebt werden.
den Zuschuß unserer S ta d t  angelegt wird. D ie Ver­ Und nun, meine Herren, die finanzielle S e ite  
handlungen im Ausschuß haben mich davon überzeugt, der Vorlage! W ir haben zwar im M om ent keine 
daß die Bahn in jedem F alle, ob m it oder ohne Z u ­ A nhaltspunkte dafür, ob ein derartiges Unternehmen 
schuß der S ta d t, angelegt w ird. D ie Herren, die in rentieren wird oder nicht, iveil die Anlage etwas 
der Verw altung der Gesellschaft sitzen, werden keines­ Neues, etwas, was noch nie da war, darstellt. Aber. 
falls den P la n  fallen lassen. S ie  werden am letzten meine Herren, fast alle V erkehrsunternehm ungen ren­
Ende an den Zweckverbänd herantreten, wie es auch tieren, und dabei glaube ich. daß die Belastung der S ta d t im ungünstigsten F alle n u r m inim al sein wird. 
der H err Referent betont hat, und der Zweckvrband E s  ist sogar eher anzunehmen, daß bei dem steigenden 
wird eben einfach dekretieren. D ann  aber, meine Verkehr und den für die Benutzung der A utostraße 
Herren, ist unser M itbestimmungsrecht vollständig festgesetzten Gebühren die E innahm en eine solche Höhe 
ausgeschaltet. Dem  Zweckverbänd steht es frei, u n s im erreichen werden, daß von einem Zuschuß unsererseits 
Umlageverfahren wahrscheinlich in ziemlich beträcht­ kaum die Rede sein wird. Ich  erinnere S ie  daran.
        
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