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Periodical volume 31. Januar 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

<58 Sitzung vom 3 . Januar 1912
das; w ir zu einem Resultat nicht kommen würden. maligen Bevölkerungsziffer ergab die Zahl der Betten 
Ich möchte deshalb beantragen, die Vorlage an einen ungefähr 1 Bett auf 300 Einwohner. Unterdessen 
Ausschuß von 15 Mitgliedern zu verweisen. ist die Einwohnerzahl bedeutend gestiegen, so daß 
dieses Verhältnis lange Überschritten worden ist, und 
Stabtu. Klick: Meine Herren! Bei der letzten auch durch die Einrichtung von 62 Betten im Frauen­
Vergebung im Jahre 1908 Helten meine Freunde be­ pavillon und durch alle möglichen anderen H ilfs ­
reits den Antrag gestellt, die Vorlage einem Aus­ mittel, die man angewendet hat, noch nicht auf den 
schüsse zu überweisen. Leider lehnte die Ttadtver- alten Stand hat zurückgebracht werden können. Es 
ordnetenversammlung diesen Antrag ab. Ter Trabt- sind jetzt durch Einschiebsel und durch Belegung ein­
säckel ist infolgedessen um eine bedeutende Summe ge­ zelner Pavillons über das damals geplante Maß hin­
schädigt worden, mindestens um die Differenz zwischen aus 734 Betten verfügbar. Es ist in jedem Winter, 
dem neuen Angebot und dem, was der jetzige Pächter namentlich wenn größere Epidemien vorkamen, 
zahlt, also 10 000 Ji pro Jahr. — Herr Grewolds schwierig gewesen, alle Kranken unterzubringen, und 
zahlte anfänglich nicht 55 000 Ji, sondern nur es find wiederholt in der Versammlung und auch 
52 500 Jt. draußen unter meinen Kollegen Klagen laut gewor­
den, daß nicht alle Kranken untergebracht werden 
(Stadtu. Tunis: Der Betrag ist nachträglich erhöht konnten, die der Arzt der Krankenhausbehandlung 
worden!) für bedürftig hielt. Akut ist die Frage geworden 
■— Ter Betrag ist nachher auf Beschluß der Stadt­ durch die in diesem Herbst und Winter ziemlich stark 
verordnetenversammlung erhöht worden. —  Jetzt hat auftretende Diphtherie- und Scharlachepidemie. Da­
Herr Röder ein Gebot auf 65 000 Jl abgegeben. durch sind im September, im Oktober und Novem­
Auch er wird noch dabei zurechtkommen. Tie sehen ber ziemlich viel Kranke in das Krankenhaus einge­
also, daß, wenn der Magistrat gewillt wäre, die Tacke liefert worden: im Oktober 84 Kranke, im  November 
durch eigene Beamte machen zu lassen, für den Stadt- 104 und bis zum 20. Dezember 44. Die Anzahl stieg 
säckel eine viel größere Summe herauskommen würde. von der ersten Oktobcrwochc ab und erreichte den 
Hinzu kommt noch, daß der jeweilige Pächter für Höhepunkt am 24. November; damals waren 78 wirk­
Stempel und sonstige Ausgaben noch etwa 2000 Ji liche Diphtheriefälle vorhanden, im Dezember noch 
Unkosten hat, die der Magistrat, wenigstens was den 50 bis 60; am 4. Januar waren noch 54 wirkliche 
Stempel anlangt, nicht zu bezahlen brauchte. Für Diphtheriefälle in Behandlung. Nun ist der D iph­
diese 2000 J/ könnte er beinahe einen Beamten an­ theriepavillon nur für 30 Diphlheriekranke einge­
stellen, der die Marktgelder kassierte. Es ist vom M a­ richtet; es mußten infolgedessen andere Infektions- 
gistrat immer so dargestellt worden, als wenn die Pavillons herangezogen und auch in der Chirurgischen 
Sache so schwierig sei. Tie ist nicht mehr so schwierig, Abteilung ein Teil des Jnfektionspavillons für M än­
nachdem der Pächter Grewolds die Einrichtung der so­ ner belegt werden. Infolgedessen konnten die übri­
genannten Monatsstände getroffen hat. E in oder gen Kranken, die im W inter das Krankenhaus auch 
zwei Beamte würden vollständig genügen. Es wird mehr aufsuchen als sonst, nicht untergebracht werden. 
die Aufgabe des Ausschusses sein, das näher zu prüfen. Es mußte daher darauf Bedacht genommen werden, 
W ir  hoffen, daß w ir im Ausschuß für unsern Antrag, das Krankenhaus, das ja im Herbst durch das Kran­kenhaus für Leichtkranke vergrößert wird, auch jetzt 
das Marktgeld durch den Magistrat erheben zu lassen, schon auf diejenige Höhe zu bringen, die die Bevölke­
eine Mehrheit finden werden. rung verlangen kann.
(Die Beratung wird geschlossen.) Die Krankenhausdeputation hat deshalb beim 
Magistrat beantragt, es möchten 30 Reservebetten 
Berichterstatter Stabtu. Dunck (Schlußwort): beschafft werden, so daß im ganzen 764 Belten zur 
Ich w ill nur noch zur Berichtigung bemerken, daß laut Verfügung ständen, und außerdem 2 Döckersche 
Ausweis der Akten der Pächter Grewolds 55 000 Ji Baracken, von denen jede 12 Kranke aufnehmen 
tatsächlich gezahlt hat. Ursprünglich waren es könnte, so daß im ganzen dann 790 Betten zur Ver­
52 500 J i; nachher ist eine Erhöhung um 2500 Jl fügung gestanden hätten.
erfolgt. So steht es in  den Akten. Der Magistrat ist über diese Vorschläge der 
Krankenhausdeputation hinausgegangen und hat in 
(Zustimmung des Stadtrats Voll.) der Vorlage, die Ihnen vorliegt, eine Erweiterung 
der jetzt vorhandenen 734 Betten in den verschiedenen 
(Die Versammlung beschließt die Ueberweisung Pavillons auf 820 vorgeschlagen und außerdem 
der Vorlage an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern noch die Aufstellung einer Baracke m it 20 Betten, 
und wählt zu Ausschußmitgliedern die Stadtverord­ und zwar nicht einer Döckerschen Baracke, weil 
neten Baumann, Bollmann, Brode, Dr. Damm, die Verwaltung des Krankenhauses sich dagegen ge­
Dunck, Klick, Laskau, Münch, Scharnberg, Dr. Stabt- wehrt hat, da sie doch nicht den nötigen Schutz 
bogen, Stein, Wagner, Weise und Zander.) gegen Witterungseinflüsse böte, die man im Interesse 
der Kranken für nötig hielt. Man wollte auf Baracken 
Vorsteher Kaufmann: Punkt 7 der Tages­ zurückgreifen, wie sie in den Schulen verwendet wer­
ordnung: den, in der Waldschule und in der Nehringstraße 
Vorlage betr. Jnvcntarbeschaffung für das .Kranken­ Baracken, die ja für die Zwecke der Schule sehr ge­
haus Weftend und Aufstellung einer Baracke. eignet sind. Aber es sind doch Bedenken gewesen, diese 
—  Drucksache 28. Baracken, die, soviel ich weiß, verfügbar waren, zu verwenden, weil sie später, wenn sie mit Jnfektions- 
(Die Beratung wird eröffnet.) keimen behaftet wären, für Schulzwecke nicht mehr 
verwendbar gewesen wären. Es ist deshalb der Vor­
Berichterstatter Stabtu. Dr. Bauer: Meine schlag gemacht worden, eine solche feste Baracke, wie 
Herren! Das Krankenhaus Westend ist im Jahre 1904 sie für Schulzwecke m it gutem Erfolge benutzt werden, 
für 600 Kranke eingerichtet worden. Bei der da- für das Krankenhaus aufzustellen.
        
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