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Periodical volume 17. und 18.Dezember 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 17. Tezcmbcr 1912 475
Wegs den W ünschen des B erich tersta tters und einer —  J a ,  m eine H erren , S i e  von der linken S e ile  des 
großen Z ah l m einer F reunde . D a  aber die M e in u n ­ H auses bestreiten das. S i e  können aber nicht a u s  der 
gen so w eit auseinandergehen, jo haben w ir u n s  ge­ W elt schaffen, daß im  Artikel 10 denjenigen, die ge­
jagt, daß n u n  endlich durch die gemischte D ep u ta tio n  werkschaftlich versichert sind, fü r 10 H  statt fü r 
m it H ilfe des M a g is tra ts  w enigstens ein B oden  ge­ 12V2 H  ein  B e trag  von 75 H  täglich zugesichert w ird.
funden ist. auf dem m an w eilerbauen kann, von dem 
a u s  m an nachher E rgänzungen  und Verbesserungen (S ta d tv . Hirsch: Setzen S ie  doch einm al die rote 
nach dem erstrebensw erten Ziele hin  erreichen kann, 'B r i l le  ab !)
wirklich eine großzügige Arbeitslosenversicherung ein­
zurichten. Ich  b itte S ie  daher, m eine H erren , sich Ich  komme nachher noch darauf.
doch auch dam it zu begnügen und nicht h ier A m en­ N u n  haben die Sozialdem okra ten  eine ganze 
dem ents zu bringen, die n u r  den E rfo lg  haben w er­ R eihe  von A n trägen  gestellt, die nicht etw a die M a ­
den, daß sie die ganze V orlage in  G efahr bringen. g istratsvorlage in  den P unk ten , wo sie sich n e u tra l 
zu sämtlichen Gewerkschaften, zu sämtlichen A rbeitern  
S ta d tv . Dr. L ta d th ag e n : M eine  H e rre n ! I n  und A rbeitgebern stellt, verbessern und erw eitern 
dieser letzten S tu n d e  der B e ra tu n g  —  ich hoffe, es wollen, sondern die da rau f ausgehen, die P a r i tä t  
w ird  n u r  eine S tu n d e  werden —  glaube ich es doch zwischen A rbeitgebern und A rbeitnehm ern  überhaup t 
nö tig  zu haben, ganz kurz die S te llu n g  m einer F ra k ­ verschwinden zu lassen. S o  ist es. Ic h  m uß das h ier 
tio n  zu der V orlage zu präzisieren. W ir verkennen auch in  der G eneraldebatte  erw ähnen. Z u  A rtikel 9 
in  keiner W eife die W ichtigkeit der Bekäm pfung der ist der A n trag  gestellt, die A rbeitgeber zu streichen. 
Arbeitslosigkeit W ir w ürden alle M itte l, die dazu D er Artikel 9 w ill eine Gesamtversicherung der A r­
führen, gern unterstützen, w enn sie u n s  zweckmäßig beiter durch die A rbeitgeber zulassen. D ie  S o z ia l ­
erscheinen. E s  gehört dazu nicht n u r  die A rb e its­ demokraten beantragen, die A rbeitgeber zu streichen. 
losenversicherung. E s  gehören dazu manche anderen W enn die H erren  sich daran  e rinnern , m it  welcher 
P u n k te ; ich will n u r  einen herausgreifen : die w eitere V erve der M ag is tra t und auch die F reu n d e  der V o r­
A usgesta ltung  des A rbeitsnachw eises. W as aber die lage in  den früheren B era tungen  da rau f hingewiesen 
A rbeitslosenversicherung betrifft,, so halten  w ir  es haben, wie schön d as w äre, wenn die A rbeitgeber n u n  
nicht fü r  zweckmäßig, einen Versuch in einem so ihren gesamten Personenstand  versicherten im  I n ­
kleinen G ebiete zu machen, wie es E h arlo tten b u rg  in teresse der E rh a ltu n g  der K räfte  fü r den F a l l  von 
dem G ro ß -B e rlin e r  Verkehrsgebiet darstellt. W ir schlechten K onjunkturen  usw., d an n  können S ie  am  
halten  überhaupt auf einem solchen Teilgebiete besten ermessen, w orauf die sozialdemokratische F ra k ­
G ro ß -B e rlin s  die A nstellung von Versuchen, wie sie tio n  ausgeht. E s  kommt ih r gar nicht da rau f an , h ier 
von der V ersam m lung gewünscht sind, nicht fü r zweck­ der wirklichen A rbeitslosigkeit zu steuern; sie w ill 
m äßig . W ir sind der Ansicht, daß, w enn die A r­ nicht, daß die A rbeitgeber d as  tun , sie will lediglich, 
beitslosigkeit durch Arbeitslosenversicherung bekämpft daß die gewerkschaftlich V ersichertenjich eine Zusatz­
w erden soll, das in w e i t e s t e  in R  a h m e n  ge­ versicherung zu einem günstigeren Satze, a ls  es a n ­
schehen m uß, i m  R a h m e n  d e s  R e i c h e s  o d e r  deren L euten  möglich ist, nehm en können, anderen 
d e s  S t a a t e s  a u f  G r u n d  e i n e r  g e s e t z ­ L euten, die nicht in  der Lage sind, die hohen Gewerk- 
l i c h e n  p f l i c h t m ä ß i g e n  V e r s i c h e r u n g ,  schaftsbeiträge zu bezahlen.
wie d as bei den anderen sozialen Gesetzen, ge­ W enn der H err Kollege Hirsch auf die hohen B e i­
schehen ist. träge hingewiesen hat, die die Gewerkschaften fü r die 
N u n  kann m an a llerd ings sagen: es müssen erst S te u e ru n g  der A rbeitslosigkeit im  letzten J a h r e  ge­
grundlegende Versuche gemacht werden. G ew iß. leistet haben, so m uß ohne w eiteres die hohe soziale 
Solche Versuche sind aber nach verschiedenen R ich tun­ B edeu tung  dieser Aufgaben und dieses W irkens der 
gen gemacht w orden; es sind Versuche von den K om ­ Gewerkschaften, in  erster L in ie  auch der freien G e­
m unen  und von den Gewerkschaften, in  allererster werkschaften anerkannt werden. D em gegenüber steht 
L in ie  von den freien Gewerkschaften, seit J a h re n  ge­ aber —  und das darf m an  nicht vergessen — , daß 
macht w orden. W enn eine ganz neue Id e e  auftauchen diese G elder a u s  den Taschen der A rbeiter gekommen 
sollte, die in  einer K om m une zu versuchen zweck­ sind,
m äßig  w äre—  darüber ließe sich reden, ob es von B e ­
deu tung w äre, die Sache dann  in  E h arlo tten b u rg  (S ta d tv .  Hirsch: N a tü rlich !)
speziell zu versuchen. D avon  ist jedoch hier keine 
R ede: h ier soll ein mehrfach un ternom m ener Versuch die am  besten gestellt sind, die in  der Lage w aren, die 
auf eine kleine K om m une übertagen werden, a ller­ ganz enorm en hohen B e iträg e  der Gewerkschaften zu 
d in g s aus die nach B erlin  größte K om m une Grost- zahlen.
B e rlin s . W ir  halten  es fü r  zwecklos, daß w ir einen 
solchen Versuch unternehm en. W ir  halten  es fü r rich­ (S ta d tv . Hirsch: W ie hoch sind denn die B e iträg e ?
tig , w enn überhaupt ein solcher Versuch von einer Wissen S ie  d a s? )
K om m une gemacht werden soll, ihn durch die 
K om m une G ro ß -B e rlin  zu machen oder etwa vom —  Ich  habe das in früheren S itzungen  h ier ein­
Zweckvcrbande —  dann  haben w ir auch L andgem ein­ gehend erö rte rt. Ich  habe auch die A ufgaben zahlen­
den da rin  — , eventuell im  Z usam m enhang m it P r o ­ m äßig geschildert, die die G ew erkschaften' sonst ver­
vinz oder Kreisen. U n te r diesen Um ständen halten  folgen, habe auch au f die S tre ikunterstü tzungen  und 
w ir  es nicht fü r richtig, einer derartigen  V orlage zu­ anderes hingew iesen; ich glaube, w ir  brauchen das 
zustim m en. nicht zu wiederholen.
E in  ganz besonderer A n laß , die V orlage nicht 
anzunehm en, liegt da rin , daß die V orlage eine be­ (S ta d tv . G ebert: D ie  Z ah len  stim m ten bloß nicht!)
sondere B evorzugung der Gewerkschaften vorsieht.
M eine H erren , w enn es sich um  die Bekäm pfung 
(W iderspruch bei den Sozialdem okraten .) der Arbeitslosigkeit handelt, dann  ist nach unserer
        
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