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Periodical volume 17. und 18.Dezember 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

466 Sitzung vom 17. Dezember 1912
gewerbliche Techniker, die w ir als Fachlehrer bezeich­ jedem Falle der Kursus innerhalb Groß-Berlins 
nen können. Die Berufslehrer bedürfen infolgedessen stattfinden wird, während die abgelegenen preußischen 
im allgemeinen einer technischen Ausbildung, wäh­ Gemeinden durch Reisestipendien eventuell höhere 
rend die Fachlehrer einer pädagogischen Ausbildung Aufwendungen zu machen haben.
benötigen. Bisher ist auch für beide Gruppen schon Ich hoffe, daß der Magistrat dem Antrage bei­
in kleinem Maße von den leitenden Instanzen gesorgt treten wird, wenn er nicht schon, wie ich annehme, 
worden. ^ vorbereitende Schritte nach der Richtung getan hat. 
I n  neuester Zeit, und zwar unter dem 18. Sep­ Es werden auch schon, was m ir allerdings nicht genau 
tember, ist ein Erlaß des Herrn Handelsministers bekannt ist, eine Reihe von Gesuchen vorliegen. Ich 
herausgekommen, der darauf ausgeht, die Ausbildung hoffe, daß diesen Gesuchen möglichst wohlwollend 
beider Kategorien —  er erwähnt zuerst allerdings gegenübergetreten wird, und bitte, diesen Antrag an­
die Techniker und Handwerker mit ausreichender all­ zunehmen.
gemeiner Bildung, dann aber auch unter Nr. 2 die 
Berufslehrer —  durch die Einrichtung von Seminar­ Stadtv. Schwarz: Meine Herren! Im  Namen 
kursen nach den geschilderten Richtungen hin in stär­ meiner Freunde begrüße ich den vorliegenden An­
kerem Maße als bisher zu Pflegen. Der Erlaß des trag freudig. Meine Freunde freuen sich, der Aus­
Herrn Ministers ist an die Regierungspräsidenten sicht auf einen weiteren Fortschritt auf dem Wege, 
und an den Herrn Oberpräsidenten in Potsdam ge­ auf dem der Gegensatz zwischen Fortbildungsschule 
richtet, und zwar mit dem Ersuchen, den Gemeinden und Innungen ausgeglichen werden dürfte'. W ir 
davon Kenntnis zu geben und sie zu veranlaßen, die hoffen bereits auf dem Wege dazu zu sein, denn es 
Ausbildung durch eine Beurlaubung m it Gehalt und nimmt die Zahl der Fortbildungsschullehrer dauernd 
durch Gewährung von Stipendien zu ermöglichen. zu. I n  den Jahren 1908 bis 1910 ist die Zahl 
Außerdem ist — ich w ill auf die Einzelheiten, die der Berufslehrer an Fortbildungsschulen um 5%, die 
sonst noch in dem Erlasse stehen, nicht eingehen — Zahl der Techniker dagegen um 33% gewachsen.
besonders betont worden, daß auch die Gemeinden I n  bezug auf die Fortbildungsschul-Lehrerbil- 
den Lehrern von diesem Erlasse Mitteilung machen dung setzte das Jahr 1909 einen' Merkstein. Die 
möchten. Meine Herren, der Minister geht dabei Danziger Beschlüsse waren die Frucht der Erörterung 
davon aus, daß der nächste Etat, der den beiden der Grundlage, auf der die Fortbildungsschul-Lehrer- 
Häusern des preußischen Landtages nach dem 1. Ja­ bildung aufgebaut werden sollte; das Jahr 1911 
nuar vorgelegt werden wird, M itte l zu diesem Zweck brachte dann Lehrplanbestimmungen. Der Finanz- 
zur Verfügung stellt. Es ist nach den Vorgängen minister ließ seinen Widerstand fallen, und in diesem 
anzunehmen, daß eine Schwierigkeit dort auch nicht Jahre erklärte Herr Geheimrar v. Seefeld auf dem 
erwachsen wird. Andererseits ist die Anmeldung der Fortbildungsschultage zu Crefeld, daß er wegen der 
Lehrer zu diesen Kursen bereits bis zum 2. Januar Bewilligung der M itte l durch die beiden Häuser des 
oder bis zum 31. Dezember d. I .  notwendig. Landtages ohne Sorge sein zu können glaube.
Meine Herren, meine Freunde halten die Auf­
(Zurufe: B is zum 1. Dezember!) nahme in den zum April 1913 einzurichtenden staat­
lichen Seminarkursus doch nicht für so leicht, wie 
—  Verzeihung, bis zum 1. Dezember dieses Jahres. sie nach dem Wortlaut des Antrages des Herrn 
Ich hatte daher den Antrag bereits im November Kollegen Stadthagen und nach seinen Ausführun­
gestellt. Es ist jedoch wegen der Geschäftslage nicht gen erscheinen könnte; w ir glauben, vor Illusionen 
mehr möglich gewesen, ihn vorher zu beraten, auch warnen zu sollen. Denn jeder, der in den Seminar­
nicht in der vorigen Sitzung kurz nach dem vorge­ kursus eintritt, tut es ohne Garantie des von ihm 
sehenen Termin, sondern er kommt erst jetzt zur Ver­ erhofften Erfolges auf eigenes Risiko; handelt es 
handlung. sich doch nicht um eine Charlottenburger, sondern 
Ich' glaube, der Gedanke, der das Ministerium vielmehr um eine allgemein preußische Angelegen­
bei der Einrichtung dieser Kurse geleitet hat, kann heit. Preußen ist im Begriff nachzuholen, was 
nur allseitig, auch von uns, freudig begrüßt werden. Baden, Württemberg und Sachsen schon getan haben 
W i r  mü s s e n  i m  I n t e r e s s e  u n s e r e r  g e ­ und Bayern jetzt gleichfalls zu tun sich anschickt. 
w e r b e t r e i b e n d e n  M i t b ü r g e r ,  u n s e r e r  Preußen w ill zu den Schullasten für die Fortbil- 
H a n d w e r k e r ,  u n s e r e r  t echn i schen B e ­ dungsschul-Lehrerbildung beitragen, die bisher vor­
t r i e b e  g a n z  b e s o n d e r e n  W e r t  d a r a u f  zugsweise den Gemeinden zufielen; es sorgt damit 
l e g e n ,  daß auch d i e  A u s b i l d u n g  de r  für eine einheitliche Bildung der beiden Lehrer- 
F a c h l e h r e r  i n  p ä d a g o g i s c h e r  R i c h t u n g  gruppen an den Fortbildungsschulen, die ein Be­
g e w ä h r l e i s t e t  w i r d .  Denn der Wunsch, mehr dürfnis ist. Berufslehrer und Fachleute werden 
Fachlehrer anzustellen, ist im allgemeinen häufig da­ hier einander angenähert, der Gegensatz wird bes­
ran gescheitert, daß nicht genügend Fachlehrer da eitigt, und die Einheitlichkeit des Unterrichts wird 
waren, die pädagogisch ausgebildet waren und über­ hoffentlich die Einheitlichkeit des künftigen Lehrer­
haupt in diese Karriere eintreten wollten. Durch die tandes, die eine dringende Notwendigkeit ist, zur 
Einrichtung dieser Kurse, die beinahe den Anschein Folge haben; auch wird, das hoffen wir, auf diesem 
einer Akademie erwecken, jedenfalls sich dazu auf­ Wege die Entwicklung in der Zukunft dazu führen, 
wachsen können, wird diese Schwierigkeit wohl später daß die Organisation und die Gestaltung der Fort­
beseitigt werden. bildungsschulen mehr und mehr den Wünschen der 
Es wäre nun erwünscht, wenn unser Magistrat Innungen entsprechen.
in erster Linie den Technikern und Handwerkern, Die Ausbildung ist in einem Seminarjahr ge­
die geneigt sind, sich an den Kursen zu beteiligen, Ge­ dacht. Die Kosten sollen 60 
    
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