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Periodical volume 17. und 18.Dezember 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

462 Sitzung vom 17. Dezember 1912
der Ansicht der zuständigen Instanzen als.ausreichend provisorischem Pflaster Unbequemlichkeiten verur­
zu beträchten. sacht hätte, die in keinem Verhältnis zü der vielleicht 
I n  diesem besonderen Falle nun ist zwar au geringfügigen Ersparnis an  Kosten gestanden hätten.
Grund dieser Verordnung ebenfalls eine Einigung Nock) ein weiterer Grund kam hinzu, der sich aus 
über das Bauprogramm ordnungsmäßig erfocht, es den folgenden Darlegungen ergeben wird. M an 
traten aber leider Umstände ein, die die Durchfüh könnte nämlich ferner einwenden, das Stückchen 
rung der Abrede unmöglich machten. Die New Rohrleitung, das über die Bleibtreustraße zu führen 
Pflasterung der Bleibtreustraße war, wie der Herr war, hätte vorweg verlegt und die übrige R ohr­
Vorredner schon erwähnte, davon abhängig, ob aus leitung hätte später von beiden Seiten herangebracht 
dem Ueberschuß des Jah res  1911 hinreichend M itte ' und m it dem vorher verlegten Rohr verbunden wer­
dafür übrig blieben. Dadurch kam es, daß die end­ den können. Auch das war nicht angängig. I n  
gültige Entscheidung darüber, ob die Pflasterung vor­ älteren S traßen , in denen neue Rohre verlegt wer­
genommen werden sollte, erst verhältnismäßig spät den, finden sich bei dieser Gelegenheit häufig alte 
fiel. Als wir in  der Master Werksverwaltung dann Leitungen oder sonstige unterirdische Bauanlagen, 
im Laufe des Som m ers von der Tiefbauverwaltung deren genaue Lage mangels der Feststellung in den 
die M itteilung erhielten, daß die Pflasterung bevor­ alten P länen auch der Tiefbauverwaltung und der 
stände, waren die Röhren für die Neuverlegung des städtischen Polizeiverwaltung nicht hinlänglich be­
fraglichen Wasserrohres zwar bestellt, aber noch nicht kannt ist. Diese unbekannten Leitungen haben 
angeliefert, und es war auch noch nicht abzusehen, häufig eine Veränderung der Projekte bei R ohr­
wann die Anlieferung erfolgen konnte. Infolgedessen verlegungen sowohl in der Seitenlage als auch in 
war auch nicht bestimmt zu sagen, ob die Rohrver­ der Tiefenlage zur Folge. Wenn man es nun bei 
legung bis zur Bleibtreustraße, die etwa in der M itte solch alten S traßen  darauf ankommen läßt und ein 
der neuen Strecke lag, rechtzeitig genug vorgenommen Stückchen Rohr v o r h e r  verlegt, muß man gewär­
würde, um vor dem Beginn der Pflasterung vollendet tigen, daß man nachher die übrige Rohrleitung a n - 
sein zu können. I n  normalen Jah ren  wäre diese d e r s  verlegen muß und dann m it dieser nicht rich­
Schwierigkeit nicht entstanden; denn in  normalen tig an das provisorisch verlegte Stück R ohr heran­
Jah ren  wäre die Beschaffung der Rohre ohne Schwie kommt. S o  kommt es unter Umständen zu erheb­
rigkeit und zu rechter Zeit möglich gewesen. D as lichen Schwierigkeiten, und solche wären auch im 
J a h r  1912 war aber hinsichtlich der Rohrverlegun vorliegenden Falle entstanden, wenn man das 
gen ein sehr a n o r m a l e s  Ja h r . Vorangegangen Stückchen R ohr in der Bleibtreustraße vorweg ver­
war die bekannte D ürre im Som m er 1911, die die legt hätte. D as Kurfürstendammrohr war nämlich 
meisten Wasserwerksverwaltungen veranlaßt hatte, ursprünglich in der üblichen Tiefenlage von 1,50 m 
ihre Anlagen erheblich zu erweitern. Die Folge war, unter Decke projektiert. Als aufgegraben wurde, 
daß die Röhrengießereien m it Bestellungen geradezu stellte sich jedoch heraus, daß diese Projektierung nicht 
überschwemmt wurden und nicht in  der Lage waren, durchgeführt werden konnte, daß das Rohr vielmehr 
den Bestellungen ordnungsmäßig gerecht zu werden. 1,95 m unter Decke verlegt werden mußte, also 
W ir gehörten m it zu den Leidtragenden, denen die 45 cm tiefer, als es im Projekt vorgesehen worden 
bestellten Röhren nicht rechtzeitig geliefert werden war. Wäre über die Bleibtreustraße hinweg vorher 
konnten. J a ,  zur Zeit, als uns die M itteilung von schon jenes Stückchen Rohr verlegt worden, so wäre 
der Pflasterung der Bleibtreustraße zuging, konnte dieses, da bei der Straßenüberquerung Hindernisse 
uns die betreffende F irm a noch nicht einmal angeben, nicht vorlagen, in der programmäßigen Tiefe von 
Wattn die Rohre fertiggestellt sein könnten. W ir wur­ 1,50 in verlegt worden. D ie übrige Rohrleitung wäre 
den also allein durch eine Ueberlastung der Fabrik, dann also von beiden Seiten 45 cm tiefer heran­
an der w ir selbstverständlich keine Schuld hatten, ge­ geführt worden, und es hätte besonderer heberartiger 
hindert, die Rohrverlegung so rechtzeitig vorzu­ Anschlüsse bedurft, um an die Enden des vorläufig 
nehmen, daß sie vor der Pflasterung fertiggestellt, verlegten Stückes zu gelangen. Ich habe berechnen 
war. Anderseits war auch die Tiefbauverwaltung lassen, daß bei diesem Verfahren, also bei einer vor­
nicht imstande, zu warten, bis der Term in der Liefe­ läufigen Verlegung des Stückes Rohr über die 
rung der Röhren endlich feststand und wir demgemäß S traß e  und der nachherigen Herstellung der An- 
einen sicheren Zeitpunkt ihrer Verlegung in Aussicht chlüsse an dieses, unter den bestehenden schwierigen 
stellen konnten. S ie  hätte, wenn sie darauf hätte Verhältnissen 550 dl Kosten entstanden wären, wäh­
warten wollen, unter Umständen die Durchführung rend das Wiederaufbrechen des Pflasters und das 
ihres Bauprogram m s gefährdet, und das konnte und Wiederzupflastern n u r  250 d l Kosten hervor­
durfte sie wegen eines so geringfügigen Anlasses nicht gerufen haben; die tatsächlich aufgewendeten Kosten 
tun. A ls Resultat ist demnach festzustellen: weder "ind also nicht halb so groß, wie die Kosten, die 
w i r  konnten infolge der von uns nicht verschuldeten hätten aufgewendet werden müssen, wenn das vor­
Verzögerung der Lieferung der Röhren die Rohr­ hin geschilderte Verfahren angewandt worden wäre. 
verlegung rechtzeitig fertigstellen, noch auch konnte D azu käme noch, daß zur Entlüftung des heberartigen 
die Tiefbauverwaltung, wie wohl ohne weiteres ein­ Rohrstückes dauernde Betriebskosten hätten auf­
leuchtet, ihr Bauprogramm aufs Sp ie l setzen, um auf gewendet werden müssen.
die Verlegung senes kleinen Stückchens R ohr zu Ich  glaube hiernach, meine Herren, nach­
warten. gewiesen zu haben, daß in diesem Falle besondere 
N un könnte eingewendet werden, man hätte den * chwierigkeiten vorlagen, die es nicht zuließen, daß 
kleinen Streifen über die S ttaß e  hinweg un- das allgemein übliche Verfahren des planmäßigen 
gepflastert liegen lasten oder den S treifen nur pro- Zusammenarbeitens der beteiligten Verwaltungen 
vi orisch m it S teinen  pflastern können, bis das Rohr 'trift durchgeführt wurde, und daß hier tatsächlich 
pflastern. D as wäre nach der Auffassung der Tief­ das scheinbar unwirtschaftliche, das scheinbar unzweck­
bauverwaltung unzweckmäßig gewesen, weil die Her- mäßige Verfahren das wirtschaftlichere und zweckmäßi­
nachher verlegt wäre, um dann erst endgültig zu gere war. Feststellen kann ich endlich .nur noch auf die 
stellung des Pflasteranschlusses zwischen Asphalt und dahingehende Frage des Herrn Vorredners, daß die
        
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