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Periodical volume 4. Dezember 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 4. Lczcmbcr 1912 4 3 7
m einer Ueberzeugung nach Handelk es  sich schon mehr Und, m eine H erren, nach dem, w as b is jetzt in  dieser 
um  einen in  Verwesung übergehenden Leichnam, der F rag e  an anderen O rten  geleistet worden ist, w as vor 
h ier p roduziert w ird. allen D ingen auch in der Ih n e n  allen zugegangenen 
Denkschrift niedergelegt ist, die H err Professor 
(Heiterkeit.) Ja s tro w  ausgearbeitet hat, da wissen S ie , wenn S ie  
lesen können, daß alles das, w as b isher geleistet ist 
M a n  kann ja den guten W illen des M a g is tra ts  aner­ und w as dem hier Vorgeschlagenen ähnelt, durchaus 
kennen, daß er versucht und im m er wieder versucht, Versuche m it untauglichen M itte ln  find. W enn S ie  
rrotz der entgegenstehenden Entschlüsse der M ehrhei d as aber nicht einsehen wollen, dann  w ird m an m it 
etw as zu schaffen. A ber wo die V orbedingungen ge­ Engelzungen reden können und w ird S ie  doch nicht 
nom m en werden, wo tatsächlich der Mops des G anzen von dem Gegenteil überzeugen.
abgeschnitten w ird , da kann doch nichts anderes en t­ A ls ich zum ersten M ale  zu der V orlage S te l ­
stehen, a ls  das, w as ich eben gekennzeichnet habe. lung genommen habe und hier meine M einung  sagen 
Trotzdem hätte der M ag istra t manches an  der V orlage konnte, habe ich geglaubt, daß bei Ih n e n  wirklich ein 
m ildem , manche H ärte  noch herausstreichen können, w arm es Herz für die von der Unbill der wirtschaft­
die sie offensichtlich en thält und auf die auch schon lichen K onjunktur B etroffenen vorhanden sei. Aber 
der H err B erichterstatter hingewiesen hat. M eine nach dem, w as ich hier bei der B ehandlung  der F ra g e  
H erren , wenn S ie  wirklich einm al Sachverständige erfahren habe, m uß ich I h n e n  leider gestehen, daß 
a u s  den Kreisen der A rbeiter hören wollten, nicht tck> m eine M ein u n g  gründlich habe ändern  müssen, 
vielleicht Angestellte oder F unk tionäre  der B e ru fs­ und w enn S ie  dieser V orlage zustim m en, so kann ich 
o rganisationen , sondern wirkliche, gewöhnliche A r­ n u r das E ine sagen: S ie  wollen hier etw as schaffen, 
beiter, so würde Ih n e n  jeder einzelne sagen, daß der­ w as wohl den N am en einer Arbeitslosenversicherung 
jenige, der das Glück hat, alljährlich 48 Wochen a r­ an sich träg t, aber in  Wirklichkeit in  der P ra x is  gar 
beiten zu können, ganz gern auf die städtische A rbe its­ nichts bedeutet. Ich  habe schon gesagt, daß ich mich 
losenkasse von C harlo ttenburg  verzichten würde. dabei nicht n u r  auf U rteile und E rfah rungen  m einer 
P arte ifreu n d e  und der Gewerkschaften stütze, sondern 
(S e h r  richtig! bei den S ozia ldem okraten .) vor allen D ingen  auch au f das, w as die B e ru fsv e re in i­
gungen sagen, die I h n e n , m eine H erren , nahestehen. 
U nd gerade die Leute, die von der U nbill am härtesten Trotzdem aber für u n s  feststeht, daß S i e  zurzeit nicht 
getroffen werden, wollen S ie  hier ausschließen, gerade gewillt sind, hier etw as G re ifbares zu schaffen, trotz­
diejenigen, die es am  nötigsten haben. dem S ie  durch I h r  V erhalten  gegenüber der früheren 
V orlage bewiesen haben, daß S ie  alles das, w as  w irk­
(S ta d tv . Dr. C rüger: D a s  ist richtig!) lich P ositives d a rin  vorhanden w ar und W ert hatte, 
au s  ih r herausgestrichen haben —  der M a g istra t hat 
D ie  A usführungen  des H errn  Kollegen R othholz das  ja in  seiner V orlage extra betont — , trotzdem S ie  
haben m einer Ueberzeugung nach bewiesen, daß er also diese H altung  bewiesen haben, werden m eine 
sich über die B edeutung und T ragw eite  der V orlage F reunde Ausschußberatung beantragen,
wie über verschiedene andere Sachen durchaus nicht 
im  klaren ist. (H eiterkeit)
(S e h r  richtig! bei den Sozialdem okraten .) um  noch einm al zu versuchen, bei Ih n e n  eine bessere 
Ueberzeugung wachzurufen. W ir  werden nach wie 
W enn sich H err  Kollege R othholz hier vor allen D in ­ vor die Id e e  einer städtischen Arbeitslosenversiche­
gen gegen den V orw urf verw ahrt, daß er und seine rungskasse, einer A rbeitslosenunterstützung nach dem 
P arte ifreu n d e  den Gewerkschaften feindlich gegenüber­ © enter P r in z ip  hochhalten und werden so lange dafür 
stehen, dann  glaube ich das darauf zurückführen zu eintreten , b is  auch S ie  schließlich zu diesem P rin z ip , 
müssen, daß ja  jetzt auch au s  dem Kreise derjenigen das, wie sich überall erwiesen hat, d as  einzig richtige, 
B erufsverein igungen , die gewiß nicht in  dem Gerüche vorteilhafte und wirklich durchgreifende ist, sich be­
stehen, A nhänger der S ozia ldem okratie zu fein, nach­ kennen werden, und wenn darüber auch J a h re  h in ­
drücklich gegen I h r  Vorgehen, meine H erren, P ro test gehen sollten.
eingelegt w ird.
(B rav o ! bei den S ozia ldem okraten .)
(H ö rt!  hört! bei den S ozialdem okraten.)
S ta d tv . Dr. C rü g er: M eine H e rre n ! N am ens 
W enn S ie  einm al die R eso lu tionen  lesen, die Ih n e n  des T eiles m einer politischen F reunde , die der V o r­
vom V erein  deutscher K aufleute, au s  den Kreisen der lage noch w eit skeptischer gegenüberstehen a ls  der 
H andlungsgehilfen  überm ittelt werden, dann  werden H err Berichterstatter, kann ich die Versicherung ab ­
S ie  sich das dort enthaltene U rteil sicher nicht an  den geben: w ir werden von den H erren  der sozialdemo­
S p ieg e l stecken. kratischen F rak tio n  nicht das O pfer verlangen, die 
D a n n  sagte der Kollege R othholz, m an solle in Sache noch in  einem Ausschusse durchzuberaten. D e s ­
sozialpolitischen D ingen  feine P rognosen  stellen. E r  halb hätte es fü r mich nicht der „E ngelzungen" des 
m ag dam it Recht haben. A ber um  das Beispiel, das H errn  Kollegen Richter bedurft, um  mich davon zu 
er hier gew ählt hat, ein klein wenig weiter au szu ­ überzeugen, daß es am  besten ist, diese V orlage so, 
führen, w ill ich Ih n e n  sagen, H err Kollege R othholz, wie sie da ist, abzulehnen, zum al sie nach den A u s ­
daß ein A rzt, der einer sozialen Krankheit —  und führungen des H errn  B erichterstatters auch nicht dazu 
die Arbeitslosigkeit ist zweifellos eine soziale K rank­ angetan  ist. u n s  m it großer H offnungsfreudigkeit hier­
heit —  m it M itte ln  zu Leibe gehen w ill, von denen an dieses Werk heran tre ten  zu lassen. W enn nu n  
e r  wissen m uß, daß sie nichts taugen, frivol handelt. a llerd ings der H err Kollege Richter von einem  A rzte 
gesprochen hat, der frivo l ist, w eil er M itte l  verordnet, 
(S e h r  richtig! bei den S ozialdem okraten .) von denen er von vornherein  weiß, daß sie nicht
        
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