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Periodical volume 13. November 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 13. November 1912 417
liegt, insbesondere im Interesse der Autobesitzer und dern es genügt nach Ansicht des Magistrats, das; ein 
Autofahrer. Ich bin aber der Ansicht, daß dieses erhebliches öffentliches Interesse, insbesondere ein er­
Publikum imstande sein sollte und imstande ist, das hebliches kommunales Interesse in Frage steht. Ich 
zu bezahlen, was nötig ist, um den Autosport in dieser glaube auch, daß diese Auffassung durchaus einwand­
Weise zu betreiben. Sollten sie es aus eigenen Kräften frei ist.
nicht können und müssen sie die Unterstützung anderer Run muß aber jeder —  oder wenigstens der­
Kreise und die Subvention von größeren Verbänden jenige, der die Vorlage unbefangen liest —  aner­
in Anspruch nehmen, dann müßte die Auswahl dieser kennen, daß hier tatsächlich öffentliche Interessen und 
Verbände ganz anders und in viel weiterem Umfange kommunale Interessen im besonderen Maße vor­
getroffen werden, als es nach der Vorlage beabsichtigt liegen. Ich glaube nicht, daß sehr viele Groß-Ber- 
ist. Außerdem müßte auch die ganze Anlage eine liner die Auffassung des Herrn Dr. Frentzel teilen, daß 
viel größere, großartiger geplante sein. London hat der Grunewald eigentlich durch die Automobile gar 
eine Autostraße nach Brighton gelegt, das etwa 80 nicht gestört würde, daß man dort ohne Rücksicht 
Kilometer von London entfernt liegt. Ein unge­ darauf, ob Automobile fahren oder nicht, recht schön 
heurer Verkehr entwickelt sich das ganze Jahr zwischen spazieren gehen könnte. Die meisten Groß-Berliner 
diesen beiden Plätzen. Da kann man von einer groß­ werden der Auffassung der Vorlage zustimmen, daß 
artigen Straße reden, aus der wirklich die Schnellig­ es an solchen Tagen, an denen es nicht gerade stark 
keit ausprobiert werden kann, auf der alle möglichen geregnet hat, wo also die Chausseen staubig sind, in 
Wettfahrten gemacht werden können. Hier soll nur der Tal k e i n  Genuß mehr ist, in gewissen Teilen 
ein kleines Streckchen von km angelegt werden, des Grunewalds spazieren zu gehen,
ohne eigentlichen Zielpunkt: denn Beeiitzhof ist doch 
schließlich als ein solcher für die Automobilisten nicht (Stadtv. Vogel: Sehr richtig!)
zu betrachten. Statt dessen müßte man daran denken, 
entweder eine Autostraße nach einem fern gelegenen und daß es dringend nötig ist, den Groß-Berlinern 
Orte von Bedeutung wie Stettin, Hamburg, eine diese ihre nächste und beste Erholungsstätte zu er­
Stadt in Mecklenburg anzulegen oder meinetwegen halten oder vielmehr wiederzugeben. Das wibd 
eine Rundstraße um Berlin zu bauen, herumführend zweifellos durch diese Straße geschehen.
durch den vom Zweckverband zu erwerbenden Wald­ Weiter wird behauptet, eine Polizeiverordnung, 
gürtel mir veränderten Aussichten, mit Abwechslung, die vorschreibt, daß auf anderen Chausseen eine M a ri­
mit einer längeren Fahrstraße. Dieses Bähnchen ist malgeschwindigkeit von 25 km eingehalten werden 
meiner Ansicht nach nicht wert, daß w ir uns in der­ müsse, werde nicht befolgt werden. Ich glaube das 
artige Risiken und Unkosten stürzen. n ich t. Die Regierung hat schon jetzt an dieser E in­
Meine Herren, wenn Sie schon eine Bürgschaft richtung ein derartiges Interesse bewiesen, daß sie 
übernehmen wollen, dann wüßte ich Ihnen einen schon dafür sorgen wird, daß auch ihre Verordnung 
Zweck hierfür zu nennen, der viel dringender und viel eingehalten wird. Daß sie dazu die M itte l hat, weiß 
großartiger ist, als die Autofahrer zu unterstützen: jeder, der mit Automobilen außerhalb Berlins 
d a n n  h e l f e n  S i e  u n s  d a z u ,  den R e a l ­ gefahren ist, der namentlich Erfahrungen mit den so­
k r e d i t ,  d e r  so e m p f i n d l i c h  R o t  l e’i b e t ,  genannten Stoppkommandos gemacht hat, von denen 
zu st üt zen,  dann leisten Sie hierfür Bürgschaft! ich — im Gegensatz zu Herrn Dr. Frentzel —  meine, 
Da werden w ir nicht in Anspruch genommen werden, daß sie in d i esen:  Falle recht angebracht wären, 
und w ir werden unseren bedrängten Grundbesitzern da sie hier einem notwendigen Schutze der großen 
und damit unseren Mietern und allen unseren Ein­ Mehrheit der Bevölkerung dienen würden; diese 
wohnern nutzen. Stoppkommandos würden auch sicher durchaus im 
Sinne der Groß-Berliner Bevölkerung sein.
(Sehr richtig!) Wenn Herr Dr. Frentzel meinte, man sollte die 
Automobilstraße lieber in die Mark, wer weiß wohin, 
Ich lasse mich gern in der Ausschußberatung belehren; hinauslegen, so möchte ich ihn fragen, zu welchem 
aber ich kann nicht in Aussicht stellen, daß ich mich Zwecke das geschehen sollte. Draußen auf der Land­
dazu entschließen werde, das Geld der Steuerzahler straße stört der Automobilverkehr, da er dort nur 
für eine kleine Zahl von Leuten zu verwenden, die mäßig stark ist, keinen Menschen. Aber gerade nach 
zu den Reichsten gehören oder jedenfalls in der Weise Wannsee hin ist der Verkehr nach den Feststellungen 
leben, als ob sie sehr wohlhabend sind. Diese können des Automobilklubs schon jetzt so bedeutend, daß es 
ihren Sport selbst bezahlen! im Interesse der Allgemeinheit dringend nötig er­
scheint, ihm Rechnung zu tragen.
(Bravo!) Meine Herren, w ir dürfen auch nicht nur von 
dem ausgehen, was h e u t e  ist. Wenn w ir die Ent­
Stadtrat Seydel: Meine Herren! Da ja zu wicklung des Automobilwesens in den letzten 
erwarten ist, daß die Vorlage einem Ausschuß über­ 10 Jahren überdenken und sie dann im Geiste weiter 
wiesen wird, so darf ich mich wohl heute darauf be­ verfolgen, so werden w ir zugeben müssen, daß das, 
schränken, nur in kurzen Bemerkungen den beiden was bisher auf diesem Gebiete geschehen ist, noch 
Herren Vorrednern entgegenzutreten. lächerlich geringfügig ist gegenüber dem, was in 10, 
Der hauptsächlichste Einwand des Herrn 15 Jahren sein wird. Der schnell gewachsene Auto­
Dr. Frentzel war der, daß es sich hier nicht um eine mobilismus. noch eine ganz junge Schöpfung 
kommunale Aufgabe handle. Run ist der Magistrat in unserer Industrie, wird ohne Zweifel schon in 
einem gewissen Gegensatz zu Herrn Dr. Frentzel der den nächsten Jahren eine noch weit gewal­
Ansicht, daß die Voraussetzung für eine finanzielle tigere Ausdehnung erfahren, die wiederum 
Beteiligung der Stadt an einem Unternehmen nicht zur Folge haben wird, daß die Straßen unserer 
etwa die ist, daß es sich um eine Aufgabe handelt, benachbarten Wälder noch in ganz anderer Weise als 
die eigentlich die Stadt selbst übernehmen müßte, son­ jetzt, von den Automobilen mit Beschlag belegt wer-
        
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