Path:
Periodical volume 13. November 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 13. November 1912 413
Beelitzhof. Im  Querschnitt der Straße sind zwei Nun ist die Frage: wie haben sich die Kom­
Fahrdämme von je acht Meter Breite vorgesehen, munen dazu zu stellen und wie haben sie sich bisher 
zwischen ihnen ein Bankett von acht Meter Breite und dazu gestellt? Der Kreis Teltow soll der Sache sehr 
zwei Außenbanketts von ebenfalls je acht Meter Breite, günstig gegenüberstehen; im Kreisausschuß soll, wie 
in Summa 40 Meter Breite. Für diese ist ein tch hüte, schon eine Summe von 250 000 M . Aktien 
Streifen in Aussicht genommen zwischen der Eisen­ in Aussicht genommen worden sein, mit der sich der 
bahn und dem Kronprinzessinnenweg, der jetzigen Kreis daran beteiligen will. Er w ill also keine Zins- 
Fahrstraße nach Wannsee und Potsdam. Von Zeit garantie übernehmen, sondern lieber Aktien nehmen.
zu Zeit ist das Bankett unterbrochen, damit Fuhr­
werke, die eine Panne erlitten haben ober überhaupt (Sehr richtig!)
umkehren müssen, aus der andern Seite zurückkehren 
können. T ic  Niveaukreuzungen, die jetzt über die Nach einem Schreiben, das ich auch in den Akten ge­
Eisenbahn gehen, sind vermieden worden. Insofern sunden habe, hat sich in früheren Jahren der Ber­
hat auch die Eisenbahn ein Interesse daran, die Sache liner Oberbürgermeister Kirschner prinzipiell dem 
zu unterstützen, denn dieGesellschaft soll zum Teil diese Plan geneigt gezeigt. Augenblicklich sollen Verhand­
Ueberbrückungen oder Unterführungen bezahlen. In  lungen mit dem Oberbürgermeister Wermulh schwe­
der Nordschleife soll eine Radrennbahn oder irgend ben; wie ich höre, sollen diese auch einigermaßen gün­
eine andere sportliche Veranstaltung eingerichtet wer­ stig ausgefallen sein. Positives liegt von Berlin, so­
den, und man hofft, auf diesem Wege daraus Geld viel ich erfahren habe, noch nicht vor. Charlotten­
zu erzielen. Die Straße soll natürlich staubfrei wer­ burg soll, wie Sie aus der Vorlage ersehen, 15 000 
den, und es werden setzt mit einem Teerbasaltmaka- Mark garantieren.
dam Versuche gemacht. Vielleicht kommt man in­ Auf alle Zahlen der Rentabilitätsberechnung 
zwischen noch auf etwas Besseres. Jedenfalls ist kann ich nicht eingehen. Es wird Sache des Aus­
diese Pflasterung noch nicht definitiv ins Auge ge­ schusses sein, den ich nachher beantragen werde, sich 
faßt. Die Straße soll selbstverständlich auch mög­ darüber Klarheit zu verschaffen. Ich w ill nur ein­
lichst schall frei sein. zelne Dinge herausgreifen. Wenn von Postkarten- 
Der Magistrat hat nun in seiner Vorlage ver­ und Programmverkauf gesprochen wird, so ist das eine 
schiedene Vorbehalte gemacht, unter denen er Ihnen Sache, die für eine so große Rentabilitätsberechnung 
die Annahme empfiehlt. Zunächst will er eine schöne etwas unglücklich gewählt ist; es läßt sich nicht über­
Waldstraße aus der Anlage gemacht und die sehen. ob man daraus mit Sicherheit etwas heraus­
Bahn gärtnerisch ausgeschmückt haben. Soweit ich ziehen wird. Was die Wegegelder betrifft, so habe 
aus den Akten ersehen habe, ist ihm das von der Ge­ ich versucht, mit dem hier angegebenen Turchschnitts- 
sellschaft zugestanden worden. Tann ist zu befürch­ satze, der für den einzelnen Wagen erhoben werden 
ten, daß, wenn die Gesellschaft vielleicht nach 30 Jah­ soll, in 40 000 hineinzudividieren, und bin unge­
ren keine Luft mehr hat, dann die Straße unter sehr fähr auf 200 Automobile den Tag gekommen. Wie 
schweren Bedingungen von der Regierung dem Ver­ aus den Akten hervorgeht, sollen schon 5000 Auto­
kehr zur Verfügung gestellt werden könnte. Da be­ mobile an einem Tage —  wahrscheinlich an einem 
findet sich in den Akten die Abschrift eines Briefes sehr günstigen Tage — auf der Döberitzer Heerstraße 
des Ministers, wo die Absicht geäußert ist, daß die gezählt worden sein. Immerhin halte ich die Zahl 
St.aße auch nach den 30 Jahren dem Verkehr über­ von 200 Automobilen, wenn man bedenkt, daß die 
geben werden soll, falls irgend eine Körperschaft, Automobile meist auf demselben Wege zurückkehren, 
sagen w ir mal der Zweckverband, die Unterhaltung für angemessen, jedenfalls nicht für zu hock, gegriffen; 
der Straße weiter zu übernehmen gedenkt. diese Zahl könnte wohl stimmen. Die für den Restau- 
Ter nächste Weg von Charlottenburg vom rationsbctrieb angesetzte Pachtsumme von 50 000 M. 
Kaiserdamm aus an die Nordschleife war natürlich ist vielleicht auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. 
der Königsweg. Diesen Weg wollte die Gesellschaft Ferner ist von Eintritts- und Nennungsgeldern bei 
gern nehmen. Das wäre natürlich für unseren eben Rennen nicht die Rebe, und es ist zu berücksichtigen, 
angelegten Park am Lietzensee nicht schön, und vom daß die Anlage vollkommen pachtfrei hergegeben 
Magistrat ist infolgedessen darauf Gewicht gelegt wor­ wird, also Pachtgelder nicht zu zahlen sind. Danach 
den, daß die Zufahrt nur durch die Königin-Elisabeth- würde die Aufstellung des Solls einigermaßen zu­
Straße erfolgt; es müßte eine polizeiliche Verfügung treffend sein. Für die Aufstellung des Habens habe 
erwirkt werden, daß der Königsweg nicht von Autos ich jedoch recht wenig in der Vorlage entdeckt.
befahren werden darf. Es fragt sich nun, ob man im allgemeinen die 
Was die Rentabilität anlangt, so ist es natürlich Vorlage empfehlen kann. Ich muß gestehen, daß ich 
schwer, für eine solche Anlage eine Rentabilitätsbe­ lange Zeit geschwankt habe, ob ich Ihnen die Vor­
rechnung aufzustellen. Es kommt mir so vor wie bei lage empfehlen könnte. Für uns kann natürlich nicht 
einer Kolonialbahn, wo man auch nur nach dem Ge­ bestimmend fein, daß der Kaiserliche Automobilklub 
fühl annehmen kann, ob die Sache auch gehen wird. die Sache macht oder daß hohe Herrschaften auf 
diesem Wege schnell nach Berlin kommen können; für 
(Sehr richtig!) uns kann nur die nüchterne, rein geschäftliche E r­
wägung maßgebend sein, ob uns diese Straße vor 
I n  der Vorlage sind ja sehr viele Zahlen genannt, die unseren Toren etwas nützen kann. Daß die Anlage 
allerdings recht unübersichtlich dargestellt sind; ich ent­ für die Armen direkt nichts sein wird, ist ohne 
nehme ihnen, daß die Anlage 3,4 Millionen kosten weiteres zuzugeben, obgleich wir durch die Straße 
soll. Eine M illion ist gezeichnet, wahrscheinlich von wohl höhere Steuerzahler nach Charlottenburg ziehen 
Automobilinteressenten. 1 400 000 M. sollen in Ak­ können und mit den Steuern sich schließlich auch für 
tien aufgebracht werden. Bleibt noch 1 M illion die Armen etwas tun läßt. W ir würden auch wohl 
übrig, die durch Zinsgarantien der beteiligten Kom­ Filialen von Automobilfabriken, Garagen und ähn­
munen gedeckt werden sollen. liche Anlagen nach Charlottenburg bekommen, wo sich
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.