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Periodical volume 2. Oktober 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom : . Cftobcr 1912 365
daß er weder früher ein Recht auf Anstellung gehabt, die gesamten Feuerwehrleute in einer Petition an 
noch jetzt ein solches aui Wiedereinstellung hat; er den Magistrat gewandt, und zwar durchaus mit 
hat steh, wie das solche Leute tun, in seinen Ein­ Recht. I n  den Akten — und daS hat Herr Kollege 
gaben lediglich etwas itujuristisch, verwalrungstech- Bollman» hier schon nachgewiesen —  wird dem 
nifch nicht richtig ausgedrückt. Das kann man aber Feuerwehrmann Hentschel ausdrücklich das denkbar 
dem Mann nicht übel nehmen, es kann vor allen beste Leumundszeugnis ausgestellt. Ich bin auch 
Dingen kein Grund sein, um über seine künftige in der Lage, über den Feuerwehrmann Hentschel 
Dätigreit zu entscheiden. ein Zeugnis seines jetzigen Arbeitgebers, und zwar 
Bei dieser Sachlage machen Ihnen meine der Firma Siemens und Halske, Aktiengesellschaft, 
Freunde den Vorschlag, über den Antrag des Aus­ hier vorzulegen. Die Leute bescheinigen darin, daß 
schusses hinauszugehen und die Ueberweisung der sie mir seiner Führung und seinen Leistungen bis 
Petition an den Magistrat zur B e r ü c k s i c h t i ­ heute stets zufrieden waren. Also der Mann gibt 
g u n g  zu empfehlen. nicht den geringsten Anlaß zu irgend welchem Tadel, 
und ich glaube nicht, daß es gerechtfertigt ist, ihn, 
Stadtv. Zander: Meine Herren! Ich kann wenn er der Meinung ist, daß ihm Unrecht geschehen 
mich dem Antrage meines Herrn Vorredners nur sei, vollständig auf den Index zu setzen.
voll und ganz anschließen. I n  der Vorlage des Ma­ W ir ersuchen darum den Magistrat, daß er 
gistrats heißt es zum Schluß, daß Hemschel seine seinen Beschluß umstößt und den Mann, wenn es 
Rechtslage durchaus verkenne. Meiner Ueberzeugung auch nicht möglich ist, ihn bei der Feuerwehr zu be­
nach hätte daS in den Bericht deS Magistrats nichr schäftigen, ooch mindestens wieder mit seinen alten 
hineingehört. Wie kann man von einem Arbeiter Rechten bei einer anderen Verwaltung einstellt.
—  denn das ist der Mann doch — verlangen, daß er 
eine Rechtslage richtig beurteilt; dazu muß man doch Stabtrat Meyer: Ich habe als Magistrats-
zum mindesten Jurist sein. Man sagt zwar, daß Vertreter absichtlich gewartet, bis alle diese Dinge 
man Jurist sein müsse, um mit Recht Unrecht zu hier vorgebracht wurden, um dann zu antworten.
tun. Da der Mann nicht Jurist ist, müßte er also Als vor Jahresfrist die Petition des Hentschel 
Recht getan haben. I n  diesem Falle aber mußte saut, habe ich als Magistratsvertreter in ausführ­
man es damit entschuldigen, daß Hentschel nicht lichster Weise im Petitionsausschuß wie auch hier in 
zu den sogenannten gebildeten und aufaeklärten der geheimen Sitzung, und zwar ziemlich eine Stunde 
Ständen, auch nicht zu dem Stande der Juristen lang, den ganzen Sachverhalt xichtiggestellt, weil auch 
gehört und er deshalb wohl in seinem Antrage, den damals schon von dem Stadtverordneten Bollmann 
er an den Magistrat gerichtet hat, in Kleinigkeiten die ganze Angelegenheit in eine andere Richtung ge­
fehlen konnte. führt wurde, wohin sie nicht gehört. Meine Herren, 
Meine Herren, auch mir hat sich dieser Herr ich habe Ihnen damals gesagt, daß dem Feuerwehr­
Hentschel vorgestellt. Er macht den allerbesten Ein­ mann Hentschel nicht wegen seines dienstlichen, son­
druck. Es ist ein durchaus bescheidener und höflicher dern wegen seines außerdienstlichen Verhaltens vom 
Mensch, der alles das tun würde, was seine Vor­ Magistrat gekündigt worden ist. Ich erwähne noch 
gesetzten von ihm verlangen. Wenn dieser Mann einmal kurz den Sachverhalt, da er Ihnen vielleicht 
nun, als er einmal von einem Vorgesetzten mit zu nicht mehr so bekannt ist.
einer Horde Strolche gerechnet wurde, deswegen 
seinerzeit eine Petition an den Magistrat als seiner (Unruhe.)
vorgesetzten Behörde m it unterschrieben hat, so ist 
es ihm doch nicht zu verdenken, daß er auch als Die Frau des Hentschel ist zu uns gekommen 
Mensch und nicht als Gegenstand betrachtet werden und hat sich u. a. beklagt, daß ihr Mann sie roh 
möchte. Rhandelt habe, ihr nichts zum Leben gebe und sich 
Meiner Ueberzeugung nach hat der Magistrat, mit einer anderen herumtreibe. Auch hat die Frau 
der ja einzig und allein über die Anstellung zu ver­ einen Brief an uns geschrieben und darin gebeten, 
fügen hat, die moralische Verpflichtung, einen Fehler, w ir sollten ihren Mann anhalten, daß er nicht so 
den er gemacht hat — und er hat einen Fehler ge­ gewöhnlich wäre; er habe sie mit Füßen getreten, 
macht — , wieder gut zu machen und für die An­ als sie ihn gebeten habe, ihr Geld für ihre Kinder 
stellung des Hentschel zu sorgen. zu geben. Darauf hat .Herr Branddirektor Bahrdt 
Hentschels Entlassung beantragt, indem er erklärte, 
(Bravo!) er habe die Erfahrung gemacht, daß Leute, die der­
artige Zerwürfnisse in ihrer Familie hätten, bei der 
Stabtb. Wilk: Meine Herren! Es scheint ja ganzen militärischen Disziplin nicht gut in die Feuer­
in der Angelegenheit des Feuerwehrmanns Hentschel wehr hineinpaßten. Diese Erfahrung habe sich auch 
eine allgemeine angenehme Uebereinstimmung hier bei Hentschel bereits insofern bestätigt, als er einen 
im Hause zu herrschen. Auch meine Freunde sind rechthaberischen und unzufriedenen Charakter gezeigt 
der Ansicht, daß dem Feuerwehrmann Hentschel habe, der cs ihm schwer mache, sich in den Geist der 
durchaus Unrecht geschehen ist. Der Hergang ist Feuerwehr, der auf Disziplin beruhe, einzuleben. 
folgender. Möglicherweise beeinflusse das eheliche Zerwürfnis 
I n  irgend einer Jnstrukkionsskunde — ich habe ihn in seinem Wesen. Er bitte also, den Hentschel zu 
das auch nur vom Hörensagen — sollen Worte ge­ entlassen, um aus dem Feuerwehrkorps Elemente 
fallen sein, die sehr scharfer Natur waren. Gegen fernzuhalten, die ihm infolge ihrer persönlichen Ver­
diese Ausdrücke, wie sie hier eben schon von meinem hältnisse nachteilig werden könnten. Ich habe da­
Herrn Vorredner angeführt worden sind —  ich werde mals zwei Tage und zwei Nächte vorübergehen 
auch gleich den Namen des betreffenden Vorgesetzten lassen, m ir die Sache überschlafen und m ir dann noch 
nennen, der diese Worte gebraucht hat: es soll sich einmal den ganzen Sachverhalt klar gemacht. Ich 
um den Brandmeister Lebbe handeln —, haben sich überlegte mir, ob die allgemeinen Bedenken gegen die
        
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