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Periodical volume 2. Oktober 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 2. Oktober 1912 361
direktion so untolerant wäre, sich diesem berechtigten hingewiesen, mit der das O p e r n h a u s  gebaut 
Wunsche zweier bedeutender Stadtteile sowie auch worden ist. Ich möchte der Hoffnung Ausdruck 
anderer weiter Kreise des Publikums entgegenzu­ geben, daß ebenso schnel l  ivic das Opernhaus
stellen. auch d ie  D u r c h f ü h r u n g  g e b a u t  w i r d .  
Denn es ist dies eine Lebensfrage für die weitere 
Stadtsyndikus Br. Maier: Meine Herren! Der Entwicklung der beiden dortigen Stadtteile.
Stadtv. Wils hat zwei verschiedene Fragen mitein­
ander verbunden, ohne sie in sachgemäßer Weise aus­ Stadtbaurat Bredtschncider: Die Windscheid 
einander zu halten. Auf der einen Seite handelt es straße können wir unter dem Bahnkörper erst durch- 
sich um die Frage des Neubaues des Bahnhofs Char- stihren, nachdem die Eisenüahndirektion ihre Zu­
lottenburg, auf der andern Seite um die Frage der stimmung dazu gegeben hat. W ir haben für die 
Durchlegung der Kaiser-Friedrich-Straße. Durchführung der Windscheidstraße Projekte aufge­
Was die letzte Frage betrifft, so möchte ich stellt und sie bereits im M ai oder Ju n i vorigen 
darauf Hinweisen, daß der Magistrat bei der letzten Jahres der Eisenbahndirektion zur Genehmigung 
Anleihe den Antrag gestellt hat, einen entsprechenden vorgelegt. ' Diese har sich im Prinzip damit einver­
Betrag in die Anleihe aufzunehmen, um die Durch­ standen erklärt, hat aber zur Ergänzung unserer Vor­
legung der Kaiser-Friedrich-Straße sicherzustellen. schläge noch einige Details verlangt. Bei der Vor­
Die Stadtverordnetenversammlung hat diesen Antrag legung dieser Details erklärte der hinzugezogene Be­
des Magistrats damals abgelehnt. triebsinspektor, die Gleise würden derartig häufig 
Was den Umbau des Bahnhofs Charlottenburg befahren, daß so, wie w ir den Einbau des Bauwerks 
betrifft, so haben w ir unter eingehender Begründung beabsichtigt hätten, die Bauarbeiten nicht durchzu­
dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten m it­ führen seien; es müsse daher ein anderer Entwurf 
geteilt, welche Veranlassung w ir haben, den Umbau aufgestellt werden. Dieser andere Entwurf ist, wie 
des Bahnhofs zu verlangen. W ir haben auf die der Herr Berichterstatter bereits gesagt hat, unter 
kolossale Verkehrsentwicklung ain Bahnhof Char­ Hinzuziehung des zuständigen Lokalbaubeamten der 
lottenburg hingewiesen, insbesondere darauf, daß ge­ Eisenbahndirektion aufgestellt worden. Er berücksich­
rade der Stadt- und Vorortverkehr auf dem Bahnhof tigt ganz genau die Zugfolge auf den einzelnen 
Charlottenburg gegenwärtig der stärkste auf sämt­ Gleisen und sieht die Möglichkeit vor, die Brücke 
lichen Berliner Bahnhöfen ist. Nach der Zahl der unter den Gleisen so auszuführen, daß der Betrieb 
Fahrten auf der Stadt- und Ringbahn, sowie auf auf den Gleisen überhaupt nicht gestört wird. Dieser 
der Vorortbahn ist zurzeit der Bahnhof Charlotten­ Entwurf ist fertig gestellt und vor einigen Wochen 
burg sogar dem Bahnhof Friedrichstraßc überlegen. der Eisenbahndirektivn zur endgültigen Genehmigung vorgelegt worden. Sobald die Genehmigung der 
Eisenbahndirektion —  wie ich hoffe, anstandslos — 
(Hört! hört!) erfolgt sein wird, wird mit der Bauausführung be­
gonnen, und ich hoffe, daß sie dann in einem schnellen 
Trotz alledem hat der Herr Minister erklärt, daß die Tempo zu Ende geführt werden kann. Da w ir aber 
vorhandenen Bahneinrichtungen, also die Gleisanlage bei der Ausführung wieder von der Eiscnbahndirek- 
und die Bahnsteige, dem bestehenden Verkehrs­ tion insofern abhängig sind, als sie ja die Gleise 
bedürfnis in jeder Hinsicht genügten und daß es sich selbst während des Baues stützen muß, so können wir 
lediglich darum handeln könnte, Anstände gegen die nicht eigenmächtig, sondern nur Hand in Hand mit 
äußere Beschaffenheit des Bahnhofsgebäudes zu er­ den Mitarbeitern der Eisenbahndirektion vorgehen. 
heben, daß das aber keine Veranlassung geben könne, Nach den Erfahrungen, die w ir aber bisher in dem 
den Umbau des Bahnhofs im jetzigen Zeitpunkt in persönlichen Zusammenwirken m it den Organen der 
Erwägung zu ziehen. Er hat infolgedessen unsere Eisenbahndirektion gemacht haben, steht zu erwarten, 
Petition abgelehnt. Es wird Ihnen auch nicht un­ daß die Organe der Eisenbahndirektion uns bei der 
bekannt geblieben sein, daß vorher bereits ein Ausführung dieses Werkes gut zur Seite stehen wer­
Immediatgesuch der Anlieger an die allerhöchste den, so daß w ir nach Möglichkeit den Bau werden 
Stelle gerichtet worden war, das von dem Herrn beschleunigen können. Immerhin mache ich darauf 
Minister, an den es zur Entscheidung abgegeben ist, aufmerksam, daß es ein sehr schwieriger Bau sein 
gleichfalls ablehnend beschieden ist. wird; so schnell, wie man sich das vielleicht denken 
Das ist der Stand der Dinge, meine Herren; mag, wird er nicht zu Ende geführt werden können. 
etwas Weiteres habe ich im Moment nicht mitzu­ Der technische Dezernent der Eisenbahndirektion, der 
teilen. derartige Bauausführungen wiederholt durchgemacht 
hat, sprach seine Ansicht dahin aus, daß sehr wohl ein 
Stadtv. Bollmann: Meine Herren! Es ist hier bis zwei Jahre über den Bau vergehen könnten.
schon w i e d e r h o l t  festgestellt worden, daß die 
Schaffung einer neuen Durchführung eine d r i n ­ Stadtv. Wils: Meine Herren! Ich habe in 
g en de  Notwendigkeit ist. sogar eine Lebensfrage für meinen Ausführungen angeregt, der Magistrat möchte 
die Stadtteile dort. Nun hat in der Bürgerschaft eine bei der König!. Eisenbahndirektion auch deswegen 
gewisse Beunruhigung Platz gegriffen, da man die ab­ vorstellig werden, daß der jetzt bestehende Durchgang 
lehnende Antwort des Ministers der öffentlichen Teigegeben wird; der Herr Magistratsvertreter ist 
Arbeiten bezüglich des Bahnhofsumbaues auf die aber auf meine Anregung gar nicht eingegangen. Cs 
beiden Durchführungen bezieht. Ich möchte doch den wäre aber vielleicht ganz gut, wenn hier heute schon 
Magistrat bitten, sich eingehend heute darüber zu mitgeteilt werden könnte, ob der Magistrat gewillt ist, 
äußern, w a n n  voraussichtlich m it den Arbeiten der dieser Anregung Folge zu geben, damit die Königl. 
Durchführung der W i n d s ch e i d st r a ß e begonnen Eisenbahndirektion diesen Durchgang jetzt frei gibt 
werden kann oder werden wird. Der Herr Ober­ und ihre Bahnsteigsperre verlegt. —  Sie haben nicht 
bürgermeister hat heute schon aus die Schnelligkeit zugehört, Herr Baurat, wie es scheint.
        
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