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Periodical volume 2. Oktober 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

3s)ti Sitzung vom ' i. Oktober 1912
doch selbstverständlich nicht der Verpflichtung, die Un­ schlagen. Wenn kein Widerspruch erfolgt, nehme ich 
terschiede hervorzuheben, die zwischen Ihnen und uns das Einverständnis der Stadtverordnetenversamm­
trotzdem in einer Sache bestehen, namentlich dann be­ lung damit an. —  Es ist so beschlossen.
stehen, wenn Sie unserer Auffassung nach zu langsam Dann wird vorgeschlagen, an Stelle des ver­
neben uns hermarschieren. storbenen Stab tu. Stein als Mitglied des Ausschusses 
Ich möchte dann noch eine Richtigstellung an den betr. Badeanstalt, den Stadtv. Wenzke zu wählen. 
Ausführungen des Herrn Kollegen Meyer vornehmen. Auch hier stelle ich fest, wenn ein Widerspruch nicht 
Herr Kollege Meyer hat gesagt, ich hätte in Ueber­ erfolgt, daß die Stadtverordnetenversammlung so be­
einstimmung mit den Behauptungen, die von agra­ schlossen hat. —  Es ist so beschlossen.
rischer Seite erhoben worden sind, den Fleischern den 
Vorwurf gemacht, sie seien m it Schuld an der Fleisch­ W ir kommen nun zu Punkt 4 der Tages­
teuerung.' Herr Kollege Meyer hat jedenfalls meinen ordnung:
Ausführungen nicht ganz folgen können, er war viel­ Bericht des Petitionsausschusses über Petitionen. —
leicht durch Zwischengespräche davon abgehalten, m ir Drucksache 260.
mit Aufmerksamkeit zuzuhören, sonst müßte er wissen, 
daß ich das von ihm Behauptete gar nicht gesagt habe. 
Ich habe den Fleischern nicht den geringsten Vorwurf Zunächst:
gemacht, auch dem Zwischenhandel habe ich keinen I.  P e t i t i o n  des P a u l  O p p e r m a n n  
Vorwurf gemacht. Ich konnte das um so weniger tun, u n d  Gen., bet r .  S i r a ß e n b a h n v e r -  
als ich sachlich vollständig auf demselben Standpunkt b i n d u n g zwi schen  S o p h i e - C h a r ­
stehe, den mein Freund Borchardt bei Begründung l o t t e  - P l  a tz u n d  R e i c h s k a n z l e r ­
unseres in der vorvorigen Sitzung eingebrachten pl atz.
Teuerungs-Antrags bezüglich des Zwischenhandels ein­
genommen hat. Ich habe nur hervorgehoben und Berichterstatter Stadtv. Mosgau: Meine Herren! 
das ist wohl das, was der Herr Kollege Meyer falsch Die Herren Paul Oppermann und Gen. haben 
verstanden hat —, daß in einzelnen Städten sich die eine Petition an die Stadtverordnetenversammlung 
Fleischer dagegen gewehrt haben, mit der Stadt ge­ gerichtet und Einspruch dagegen erhoben, daß eine 
meinsam das Fleisch zu billigeren Preisen an die Ver­ Straßenbahnlinie vom Sophie-Charlotte-Platz zum 
braucher abzugeben, und habe als Beispiel Frankfurt Reichskanzlerplatz geführt werde. _ Diese Straßen­
a. Main angeführt. Ich habe auch an die erst kürzlich bahnlinie ist im November 1911 beschlossen/ und mit 
gefaßte und bekannt gewordene Resolution der Ber­ der Straßenbahngesellschaft ist nach Zustimmung der 
liner Fleischerinnung erinnert. Es ist m ir nicht ein­ Stadtverordnetenversammlung im März d. I .  der 
gefallen, das zu behaupten, was Herr Kollege Meyer Vertrag abgeschlossen worden. Bereits bei früheren 
aus meinen Ausführungen herauszuhören glaubte. I n  Gelegenheiten, als die Verhandlungen m it _ der 
der Tat macht sich aber schon eine Bewegung gegen Straßenbahn noch schwebten, waren den städtischen 
dieses Gegenstreben der Fleischer, mit den Gemeinden Körperschaften die Einwendungen bekannt, die die 
zusammen der Flcischteucrung entgegen zu wirken, Herren Oppermann und Gen. gegen die Einrichtung 
geltend. Ich w ill nur anführen, was unter andcrm der Straßenbahn in jener Straße vorbrachten. Die 
selbst die „Rheinisch-Westfälische Zeitung", ein rechts Herren sagen, daß dadurch bedeutendes Geräusch er­
stehendes liberales Blatt, darüber geschrieben hat: zeugt werde, das; eine Straßenbahn dem vornehmen 
Es ist in der Tat nicht zu verlangen, daß, Charakter jener Gegend nicht angepaßt sei und nur 
wenn man, um einer allgemeinen Not und geeignet wäre, diesen herabzusetzen; sie behaupten, 
Teuerung zu steuern, Maßnahmen grifft, die daß' die Nähe der Untergrund- und Hochbahn mit 
einem Erwcrbsstande, in diesem Falle der ihren schnellen, wenn auch teureren Verbindungen 
Landwirtschaft, nicht angenehm sein können, dem Charakter der Bevölkerung, die dort wohne, 
daß man dann andere Erwerbsstände ruhig aus vollständig entspreche und genüge, und sie bitten 
der Sache Vorteile ziehen läßt, die nicht ange­ daher, daß mau jenen Beschluß aufheben und die 
messen sind und die womöglich über den ge­ Straßenbahn nicht einrichten solle.
wöhnlichen Vorteil dieser Kreise hinausgehen. ■ Nach den Mitteilungen und der Rücksprache, die 
Das, was hier ausgesprochen ist, fassen w ir in er­ im Petitionsausschuß stattgefunden hat, glaubt der 
weitertem Sinne auf, nämlich dahin, daß in einer Ausschuß, Sie bitten zu sollen, über diese Petition 
solchen Notlage, wie sie die gegenwärtige Fleisch­ zur Tagesordnung überzugehen, _ da neue Gründe 
teuerung für das deutsche Volk darstellt, alle Berufs­ gegen die Einrichtung einer Straßenbahn nicht vor­
stände und Schichten, auch die Fleischer, zusammen­ gebracht werden, die alten bereits bekannt waren 
halten und m it uns mitarbeiten sollten, um der und schon früher von den städtischen Körperschaften 
Teuerung entgegenzuwirken. als stichhaltig nicht anerkannt werden konnten.
Vorsteher Kaufmann: Der Antrag des Kollegen (Die Versammlung beschließt nach dem Antrage 
Meyer, den ich mit dem Antrag Dr. Liepmann zu­ des Ausschusses, über die Petition I  zur Tages­
sammenfasse, geht dahin, den Magistrat zu ersuchen, ordnung überzugehen.)
den dringenden Antrag der Herren .Kollegen Bade Vorsteher Kaufmann:
und Gen. der morgen tagenden Deputation vorzu­
legen. Ich stelle jetzt diesen Antrag zur Abstimmung. I I .  P e t i t i o n  d e r  F r a u  H e l e n e  L e h ­
m a n n ,  be t r .  Ra u c h -  u n d  R u ß b e -  
(Der Antrag wird angenommen.) l ä s t i g u n g e n  dur ch G a s a n s t a l t  I .
Ich darf Wohl die Einstimmigkeit feststellen. Berichterstatter Stadtv. Mosgau: An der Ecke 
Herr Kollege Landsberger wünscht aus dem der Werner-Siemens-Straßc und des Charlotten­
Ausschuß, betr.' Nachhilfeunterricht, auszuscheiden. burger Ufers hat im Frühjahr dieses Jahres Frau 
An seine Stelle wird Herr Kollege Jastrow vorge- Helene Lehmann ein Wohnhaus bauen lassen. In
        
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