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Periodical volume 18. September 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

348 Sitzung vom 18. September 1912
Stadtv. Braune: Meine Herren! Auf die Be- Ich habe aber in erster L inie das Wort deshalb 
meriunfl des Herrn Dezernenten, daß in  der Bürger­ ergriffen, weil Herr Stadtv. Geheimrat Frank auch 
schaft vielfach die Meinung herrscht, daß viel zu viel in seinen letzten Ausführungen nochmals und wieder 
Ueberschüsse erzielt werden, möchte ich für meine Per­ betont hat, daß in anderen Städten besseres Gas ge­
son die Meinung dieser Kreise der Bürgerschaft zum liefert wird als bei uns und namentlich deshalb, weil 
Ausdruck bringen, die dahin geht, daß die aus den w ir eine geringere Hefnerzahl geben. Ich muß daher, 
Gasüberschüssen erzielten hohen Betrage größtenteils jo leid es m ir tut, Ih re  Zeit noch ein wenig in An­
die Resultate einer indirekten Besteuerung speziell der spruch nehmen und im Original kurz die Auskünfte 
Gaskonsumenten sind. Es wird Sache der Gas- verlesen, die w ir nach dieser Richtung hin von anderen 
deputanon sein. sich m it einer Herabsetzung der Gas- Stäbten bekommen haben. W ir haben in  Leipzig ange­
einheitspreise bei der nächsten Eiatsberatung zu be­ fragt und die Antwort erhallen, „daß iv ir zwar noch 
schäftigen, mindestens aber die Miete für die Gas­ regelmäßige Lichtmessungen vornehmen, jedoch in  der 
messer dann auf die Hälfte herabzusetzen. Ich möchte Hauptsache die Beschaffenheit des Gases nach dem 
diese Wünsche einer sehr großen Anzahl von Gas­ gefundenen Heizwert berechnen". Düsseldorf hat ge­
konsumenten hiermit zum Ausdruck bringen und um schrieben, „daß w ir seit Jahren keine Bestimmung 
Berücksichtigung bei der nächsten Etatsberatung bitten. des Leuchtwerts mehr vornehmen". Nürnberg, „daß 
w ir von einer Bestimmung der Leuchtkraft des Gases 
absehen bzw. für unsere Bewertung lediglich die Heiz- 
Stadtv. Dr. Stadthagen: Meine Herren! E in kraft zugrunde legen". Königsberg, „daß w ir zwar 
Ausspruch hier kann nicht unwidersprochen bleiben, noch die Leuchtkraft des Gases feststellen, aber ihr 
der technisch absolut nicht zutreffend ist, daß nämlich eine Bedeutung nicht mehr beilegen". W ir haben in 
die Leuchtkraft der Lichtquelle, die w ir benutzen, un­ Königsberg angefragt, wieviel sie denn überhaupt in  
abhängig von dem Heizwert ist. Auch beim Glüh­ den letzten Jahren ermittelt hat! Königsberg gibt 
strumpf hängt selbstverständlich die Leuchtkraft, die an, daß es im Durchschnitt 9,79, 9,97 usw. waren. 
Lichtstärke von dem Heizgrad ab. sogar im Kubus. Chemnitz te ilt m it, „daß w ir auf die Leuchtkraft des 
Es kommt darauf an, welcher Heizwert entwickelt Gases keinen Wert mehr legen", Stettin, „daß w ir 
ist, je nachdem glühen die Strümpfe. Ich wundere zwar regelmäßig die Leuchtkraft feststellen, aber ihr 
mich, wie derartige Behauptungen hier ausgesprochen nur eine untergeordnete Bedeutung beilegen", Posen, 
werden können. Ich habe mich auch über einige ähn­ „daß w ir keinen Wert auf die Leuchtkraft des Gases 
liche Aeußerungen des Herrn Smdtrats Cassirer ge­ legen."
wundert. Aber darin gebe ich Herrn Kollegen Das sind die Auskünfte, die eingegangen sind. 
Wöllmer vollkommen recht: m it dieser Frage soll nicht Wie man angesichts dieser Auskünfte sagen kann, daß 
eine K ritik  an unserer ganzen Gasverwaltung geübt w ir in Charlottenburg schlechteres Gas liefern als 
werden. Das hat meinem Kollegen Frank auch voll­ andere Städte, ist m ir unerfindlich. Ich möchte Sie 
ständig fern gelegen. Unsere Gasverwaltung hat dringend bitten, diese letzte Meinung des Herrn 
außerordentlich viel geleistet. Die Stadtverordneten­ Stadtv. Frank, wenn Sie aus diesem Hause heraus­
versammlung hat gegenüber unberechtigten Klagen der gehen, nicht zu der Ihrigen zu machen.
Interessenten auch immer hinter ihr gestanden. T ie 
Sache whd aber von dem Herrn Magistralsvertreter (Die Versammlung beschließt nach dem Antrage 
insofern etwas verschoben, als er auf technische Einzel­ des Magistrats, wie folgt:
heiten eingeht und die Minimaleffekte anführ, sowie Die Etatsüberschreitungen bei der Stadt­
die Durchschnittsleistungen, die sich verschiedene hauptkasse für das Rechnungsjahr 1911 von zu­
Städte zu geben verpflichtet haben. Herr Kollege sammen 777 561,50 ck werden nachträglich ge­
Frank macht eben darauf aufmerksam, daß w ir m it nehmigt.)
geringen Kosten etwas Besseres liefern können, und 
daß das im Interesse der Konsumenten liegt, die so Borsteher-Stellv. Dr. Hubatsch: Das Protokoll 
und so oft sich beklagt haben, muß allseitig anerkannt vollziehen heute die Herren Harnisch, Weise und 
werden. Ich würde mich freuen, wenn auch der Wenzke.
Magistrat das anerkennt. E r hat ja in einem gewissen 
Grade durch Steigerung des Heizwertes wie der W ir kommen zu Punkt 6 der Tagesordnung:
Leuchtkraft in der letzten Zeit diese Anerkennung durch 
die Tat ausgesprochen. W ir geben der Hoffnung Vorlage betr. Anschluß des „Waldhaus Eharlotten- 
Ausdruck, daß er auch in Zukunft ebenso verfahren burg" in Sommerfeld an die Brandenburgischen 
wird, selbstverständlich unter Beobachtung der kauf­ Kreis-Elektrizitätswerke. —  Drucksache 246.
männischen Prinzipien, nach denen die Gasanstalt 
geleitet werden muß. Berichterstatter Stadtv. Dr. Stadthagen: Meine 
Herren! W ir haben im vorigen Jahre für die Bau­
Ttadtrat Easfirer: Meine Herren! Ich weiß lichkeiten des Waldhauses Charlottenburg in Sommer­
nicht, auf wen Herr Stadtv. Stadthagen die Aeuße­ feld eine eigene elektrische Anlage vorgesehen. Nach­
rung bezieht, die hier getan sein soll, daß Heizkraft dem dieser Beschluß gefaßt war, stellte es sich heraus, 
und Lcuchtwert in keinem Zusammenhange stehen. daß die Ueberlandzentrale des Kreises Osthavelland 
Jedenfalls ist von dieser Stelle aus eine derartige Be­ wohl in  der Lage sein würde, bei Eröffnung des 
hauptung nicht aufgestellt worden. Ich wiederhole Waldhauses die nötige Kraft zu liefern. Infolgedessen 
aber noch einmal, daß es möglich ist, auch bei neun hat der Magistrat m it dieser Ueberlandzentrale ver­
Hefnerkerzen eine Heizkraft von 5250, wie w ir sie handelt und ist zu einem Stromlieferungsvertrage 
hier erreicht haben, zu bekommen, so daß also irgend gekommen, der Ihnen vorliegt. Bei den Berechnungen 
ein Widerspruch in meinen Ausführungen nicht zu des Magistrats hat sich herausgestellt, daß die eigenen 
finden ist und die Verwunderung, die Herr Stadt­ Kosten für den Strom, den w ir voraussichtlich zuerst 
verordneter Stadthagen ausgesprochen hat, auf gebrauchen werden, ungefähr 12 000 J ( pro Jahr be­
meine Aeußerungen nicht zurückzuführen ist. tragen würden, bei Entnahme dagegen von der Ueber-
        
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