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Periodical volume 18. September 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 18. Ecp!cm6.r 1912 347
reitb bei 9 Kerzen dies nicht itner der Fall zu sein Stedtv. Laskau: Meine Herren! Aus den E r­
braucht. Diese Erhöhung der Leuchtkraft würde also fahrungen, die w ir bei Gasmängeln gesammelt haben, 
gewissermaßen nur als ein Maßstab, als eine Kon­ müssen w ir entnehmen, daß die Hauptursache in der 
trolle angesehen werden können. Ich erachte aber unvorschriflsmäßigen Leitung zu suchen ist, und da­
diese Kontrolle als eine zu teure; sie ist nicht nötig, rin sehe ich wirklich einen Mangel. Würden die Gas­
sie ist überflüssig. Die Kontrolle läßt sich auch auf leitungen auch abgenommen, dann könnten uns solche 
andere Weise durchführen, und das geschieht bei uns. Mängel, die auf schlechte Installation zurückzuführen 
Meine Herren, auf der einen Seite wird hier sind, nicht mehr vorgehalten werden. Dann könnte 
der Eindruck erweckt, als wenn w ir im Gelde schwim­ man nicht mehr sagen: die Leitung hat nicht genug 
men, als wenn die Gasanstalt viel zu viel Ueber- Gefälle, sie setzt Wasser ab usw.. Würden die Leitun­
schlisse hervorbringe, auf der anderen Zeile werden gen abgenommen werden, so würden w ir diese Klagen 
Bemängelungen erhoben, weil Ueberschreitungen beseitigen.
stattfinden. I n  solchen Fällen hat es wirklich die 
Verwaltung sehr schwer. Ich stehe aus dem Stand­ Stadtv. Wöllmer: Gestatten Sic m ir einige
punkt, daß die Verwaltung der Gasanstalten Worte, meine Herren, als M itglied der Gasdepu­
nach rein kaufmännischen Gesichtspunkten geführt tation. Ich kann mich in dieser Frage natürlich nicht 
werden muß, in den S tre it der Sachverständigen mischen; da ich 
(Bravo!) aber als M itglied der Gasdeputation nicht m it Herrn 
Geheimrat Frank gestimmt habe, so möchte ich kurz 
und daß w ir ganz unabhängig davon, ob w ir viel motivieren, wie ich zu dieser Ansicht gelangt bin.
oder wenig verdienen, reguläres, gutes Gas zu liefern Ich nehme genau denselben Standpunkt ein wie 
haben. Das tun w ir. W ir haben aber nichts zu ver­ Herr Sladtrat Cassirer, daß unsere Gasanstalt als 
schenken, und die Stadt Charlottenburg hat keine rein kaufmännisches Unternehmen anzusehen ist, das 
Veranlassung, bahnbrechend vorzugehen, indem sie nach kaufmännischen Grundsätzen seine Ware in der 
heute die Leuchtkraft wieder in die Höhe setzt, weil Dualität zu verkaufen hat, die derjejnigen der Kon­
das m it Rücksicht auf die Einführung der Glüh­ kurrenzfabrikate entspricht. I n  dieser Beziehung 
strümpfe ein Rückschritt wäre. Die Technik ist so glaube ich, meine Herren, haben uns die Ausfüh­
weit gekommen, daß dieser Weg nicht notwendig ist. rungen des Herrn Stadtrat Cassirer überzeugen 
Im  Gegenteil. W ir müssen ja, um ein richtiges Bren­
nen der Glühstrümpfe zu ermöglichen, das Gas erst müssen, daß w ir im großen und ganzen nicht weniger 
entleuchten; eine zu große Leuchtkraft würde für die bieten als andere Städte. Es mag sein, daß einige 
Glühkörper direkt schädlich sein. Ausnahmen vorhanden sind, im großen und ganzen aber nicht.
(Stadtv. Dr. Frank: Das ist doch falsch!) Run steht Herr Geheimrat Frank auf dem 
Standpunkt, w ir sollten uns die Ausgabe von 60 000 
Meine Herren, es ist sehr bedauerlich, daß diese bis 80 000 d! im Jahre mehr leisten, um einerseits 
Angelegenheit nicht in der Deputation zur Erledi die Leuchtkraft und dann den Heizwert des Gases zu 
gung gekommen ist; aber nach Lage der Dinge blieb erhöhen. Ich habe, soweit ich das als Laie beurteilen 
m ir nichts anderes übrig, als hier diese Ausfüh­ kann, durch die Versicherung von verschiedenen Seiten 
rungen zu machen; denn ich kann und w ill den E in ­ die Ueberzeugung gewonnen, daß die Erhöhung der 
druck nicht aufkommen lassen, als wenn innerhalb Leuchtkraft aar keinen Einfluß auf die Stärke des 
unserer Gasanstaltsverwaltung etwas nicht in Ord­ Lichts, des Glühstrumpflichts haben wird. Weshalb 
nung wäre. Es ist alles in vollkommener Ordnung, soll die Gasanstalt nun die 60 bis 80 000 d l mehr 
und w ir brauchen die Oeffentlickikeit nicht zu scheuen. ausgeben, wenn sie Wesentliches in dieser Beziehung 
nicht erreicht?
Stadtv. Dr. Frank: Meine Herren! Der erste Was die Heizkraft anlangt, so mag es ja richtig 
kaufmännische Grundsatz ist für mich der der Lohali- sein, daß in der Hinsicht mehr geleistet werden kann. 
tät. Wenn ich irgend eine Industrie betreibe, so ist Aber, meine Herren, wissen w ir denn, ob die Klagen, 
es mein Bestreben, so gut wie möglich zu arbeiten. die der Herr Berichterstatter vorgebracht hat, nachher 
Deshalb halte ich es hier, wo es ohne große Opfer verstummen werden? Es ist ja leicht möglich, der 
möglich ist, für den gewiesenen Weg und auch für Versuch könnte gemacht werden, im Jahre 60 bis 
angezeigt, den Konsumenten eine bessere Ware zu 80 000 d l mehr auszugeben: aber ob überhaupt da­
liefern. m it etwas erreicht wird, das wissen w ir nicht.
Auf die technischen Ausführungen des Herrn Ich bin ferner der Ansicht, daß es wenig ange­
Stadtrat Cassirer hier einzugehen, hat keinen Zweck; bracht ist, einen solchen Meinungsaustausch über rein 
ich bin in dieser Beziehung anderer Ansicht. Wenn technische Fragen in der Öffentlichkeit vorzunehmen, 
er aber meint, daß eine gut leuchtende Flamme keinen denn eine Verständigung wird doch so leicht nicht er­
größeren Heizwert habe, so ist er da im Irr tu m . zielt werden. Ich bitte Sie, meine Herren der Gas­
(Stadtrat Cassirer: Das habe ich nicht gesagt!) deputation die Behandlung dieser Frage weiter zu überlassen. Im  wesentlichen wird es schließlich doch 
Aber es braucht das hier nicht weiter erörtert zu auf eine finanzielle Frage hinauskommen. W ir 
werden. Ich bin durchaus der Ansicht, daß so gut sollten —  das möchte ich noch an dieser Stelle gerade 
wie eine ganze Reihe von anderen großen Städten betonen —  davon überzeugt sein, daß die Leistungen 
besseres Gas liefert, auch w ir es liefern können, so des Dezernenten unserer Gasanstalt hoch anzuerken­
daß w ir also in dieser Form dem Konsumenten, dem nen sind. Ich möchte nicht, daß hier aus der M itte  
w ir in Bezug auf den Preis nicht entgegenkommen, der Versammlung nur Widerspruch erhoben wird, 
eine Bonifikation gewähren, gewissermaßen eine sondern ich möchte m ir erlauben, meinerseits seinen 
Prämie auf den ausgedehnteren Verbrauch, und uns Ausführungen Beifall zu zollen.
dadurch auch die Konkurrenzfähigkeit gegenüber der 
elektrischen Beleuchtung erhalten. (Sehr richtig!)
        
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