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Periodical volume 18. September 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

346 Sitzung vom 18. Scptknibcr 1912
So ganz allein habe ich also m it meiner Anschauung menten nicht ein besseres Gas liefern dürften, und 
doch nicht gestanden. zwar um so mehr, als w ir es m it sehr mäßiger E r­
Herr Stadtrat Cassirer hat weiter gejagt, von höhung der Selbstkosten liefern können; denn die Ge­
16 Merzen wäre bei uns nie die Rede gewesen. Gewitz neralkosten bleiben in beiden Füllen dieselben.
war das der Fall, allerdings zu einer Zeit —  es war Ich bleibe durchaus dabei, daß im vorigen Winter 
im Jahre 1878 — , wo Herr S tadlra l Cassirer noch die Verhältnisse der Gasanstalt nicht normal waren, 
nicht in Charlottenburg, wohl auch noch nicht in der daß der Tadel, den ich damals ausgesprochen habe, 
Gasindustrie tätig war. Der damalige Verwalter der und die Begründung für die Weigerung, weiterhin 
Gasanstalt —  es war das kurz, nachdem ich eingetreten meine Unterschrift bei der Revision der Laborato- 
mar —  hielt auch schon das Photometrieren für ^über­ riumsprolokolle zu geben, falls nicht eine Einigung 
flüssig, doch wurde es auf meinen Antrag eingeführt, hierüber zustande käme, heute noch aufrecht zu er­
und ebenso wie in Berlin wurde auch von Charlotten­ halten sind. Daß ein Wandel sehr wohl möglich ist, 
burg 16 kerziges Gas als normal festgesetzt; wenn haben w ir gesehen; denn w ir haben in der letzten Zeit, 
Sie auch noch'die späteren Versuchsberichte von Berlin seitdem die Differenz entstanden ist, wesentlich besseres 
durchlesen, die lange Jahre von Prof. Rüsdorf publi­ Gas gehabt. W ir sind in den letzten Monaten sogar 
ziert wurden, so werden Sie finden, daß immer 16 zeitweise bis auf 17 Kerzen und mehrfach auch auf 
Merzen als Standard angenommen worden find. höhere Heizwerte gekommen. Beides sollte und müßte 
Aber es kommt noch etwas anderes hinzu. meiner Ansicht nach auch ferner von der Gasverwal­
Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich etwas in De­ tung ins Auge gefaßt und festgehalten werden.
tails eingehe; aber da die Sache einmal angeschnitten 
ist, möchte ich meinen Standpunkt vertreten, soweit Stadtv. Wagner: Meine Herren! Es wäre viel­
das nötig ist. —  Es ist gesagt worden, ob mehr oder leicht vorteilhafter gewesen, wenn diese ganze Sache 
weniger Leuchtkraft, sei egal. Das tr if f t  nicht zu. in dem Unterausschuß oder in der Gasdeputation 
E in Leuchtgas von 16 Merzen hat immer über 5200 besprochen worden wäre.
Wärmeeinheiten Heizwert, und für den Konsumenten 
ist das eine Beruhigung. (Sehr richtig!)
Es ist ferner gesagt worden, daß die übrigen 
Städte jt.tzt nicht mehr Gas von so hoher Leuchtkraft Der Verlauf der Debatte hat aber nun dazu geführt, 
lieferten. Aber Gas von so niedriger Leuchtkraft, daß die Angelegenheit gewissermaßen vor die Ö ffe n t­
wie w ir es im vorigen Winter gehabt haben, haben lichkeit gebracht worden ist. Wenn nun Herr Geheim- 
die anderen Städte nicht gehabt. W ir haben ander­ rat Frank hier vollkommen allein gestanden hätte, so 
seits eine ganze Reihe von Städten, unter diesen hätte sich die Öffentlichkeit darüber gewundert, daß 
z. B. Leipzig, die über 16 Kerzen liefern. ein Mann von dem Ruf wie Herr Geheimrat Frank 
Was den Wärmewert anbetrifft, so habe ich sa kein Wort der Unterstützung in der Gasdeputation 
gar nicht bestritten, das; ich mich dem Beschlusse, der gefunden hätte. Ich habe so viel tadelnde Worte 
auf 5200 geht, angeschlossen habe. Freilich habe ich über die Q ualität unseres Gases von Herrn Geheim­
das sehr widerwillig getan. W ir sind aber auch häufig rat Frank gehört, daß ich als Techniker doch einiger­
unter 5200 geblieben. Hohe Durchschnitte sind ja maßen übersehen konnte, worum es sich handelt. So 
ganz angenehm; aber wenn man an einem Abend nur sagte Herr Geheimrat Frank, es ließe sich durch A uf­
9 Kerzen und an einem anderen 17 hat, so gibt das wendung von nur etwa 80 000 bie Leuchtkraft 
noch keinen Durchschnitt von 13 Kerzen, sondern man ganz erheblich steigern, indem man mehr m it Oel kar- 
sitzt an dem einen Abend im Dunkeln und am an­ buriert. Wenn man derartige Aussprüche von einer 
dern im Hellen, und das ist kein Trost für den Kon- Kapazität hört und die Bilanz und die Dividende 
snmenten. der Gasanstalt daneben hält, so muß man sich sagen, 
daß sich das doch machen lassen muß. Wenn aber 
(Sehr richtig!) Herr Stadtrat Cassirer unter Hinweis auf die Bro­
schüre sagte, ich wüßte nicht, daß 13,8 Hefnerkerzen 
Aber trotz alledem sthe ich nicht ein —  und das der Durchschnitt wären, so läßt cs sich doch nicht aus 
ist ja auch sonst hier in der Stadt betont worden, der Welt schaffen, daß w ir im vorigen Winter, wie 
und ich habe das auch bei einer anderen Gelegenheit, Herr Geheimral Frank aus den Akten ersehen hat, 
die ick hier nicht zur Erörterung bringen möchte, wo nur 9 und 10 Hefnerkerzen gehabt haben, und das ist 
es sich um einen andern Teil der Fabrikation in der eben nicht genug.
Gasanstalt handelte, zur Geltung gebracht — , warum 
w ir nicht ebenso gut, wie w ir in anderen Fällen Stadtrat Cassirer: Es tut m ir leid, daß ich noch­
darauf halten, auch' hier führend dastehen können, zu­ mals das Wort ergreifen muß, weil hier immer 
mal das finanzielle Ergebnis der Gasanstalt trotzdem wieder auf die Hefnerkerze zurückgegriffen wird, ich 
ein gutes bleibt. W ir haben den Preis des Gases aber meine Auffassung nach wie vor aufrecht erhalte, 
nicht ermäßigt, werben ihn auch kaum ermäßigen, daß die Hefnerkerze bei der Verwendung der Glüh­
weil die Gasanstalt sa fü r uns eine sehr wichtige und strümpfe nicht die geringste Bedeutung hat. Wenn 
wertvolle Finanzquelle ist und eine Herabsetzung des hier also wirklich nachgewiesen wäre, Herr Stadt­
Gaspreises um nur einen Pfennig pro Kubikmeter verordneter Wagner, baß w ir nur 9 Hefnerkerzen 
bei jetzt rund 60 M illionen Kubikmeter Gasabgabe gehabt haben, so würde das nichts zu bedeuten haben, 
für unseren Etat einen Einnahmeausfall von 600 000 auch wenn cs noch weniger gewesen wäre. Dadurch 
Mark bedeuten würde, den w ir durch andere Steuern haben w ir keinem Konsumenten Schaden zugefügt. 
schwer ersetzen könnten. Aber in etwas müssen und Herr Stadtverordneter Geheimrat Frank hat ja diesen 
können w ir den Konsumenten doch entgegenkommen, Umstand auch nicht in Abrede gestellt; er hat aber 
und zwar eben darin, das; w ir ihnen für den Preis etwas behauptet, was zweifellos richtig ist, daß, wenn 
möglichst gutes Gas liefern. Und toenn_ 5200 als die Leuchtkraft 17 Hefnerkerzen betragen würde, dann 
Grenzwert für die Heizkraft des Gases festgesetzt ist, die Wärmeeinheiten auch sicherlich 5200 sein würden, 
so ist damit durchaus nicht gesagt, daß w ir den Konsu­ d. h. so viel, wie einwandsfreies Gas haben soll, wäh-
        
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