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Periodical volume 4. September 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

3 36  Sitzung vom 4.. September 1912
ich übrigens gleich bemerken möchte, daß auch, wie W ir haben das nicht getan, sondern n u r P ropaganda 
ebenfalls die Broschüre erweist, die englischen B e­ dafür gemacht, daß die unerschöpflichen Schätze des 
stimmungen nicht etwa durch die Rücksicht auf die M eeres dem Volke im höheren M aße nutzbar ge­
Kolonien hervorgerufen werden; denn das gefrorene macht werden, a ls  es bisher der F a ll war. D a rin  
und gekühlte Fleisch, das in  E ngland verzehrt w ird, haben w ir einen sehr großen Erfolg aufzuweisen; denn 
wird zum geringsten Teile au s den Kolonien, zum der Fischkonsum innerhalb, der S ta d t  hat tatsächlich 
größeren Teile au s anderen Ländern, A rgentinien erheblich zugenommen und n im m t im m er weiter zu. 
usw., eingeführt. D ie  Hauptsache aber ist, daß auch die W arenhäuser 
Ich  kann n u r meine persönliche M einung hier sich des Seefischverkaufs angenommen haben. E s  
aussprechen. Ich  habe mich eigentlich n u r  zum W orte finden heute bereits große Umsätze von Seefischen 
gemeldet, um  zu betonen, daß der M agistrat allen statt, die, glaube ich, auch dazu beitragen, daß die 
Ih re n  A nträgen, soweit sie hier der zurzeit vor­ Fleischpreise nicht noch mehr in  die Hohe gegangen 
handenen Teuerung entgegentreten wollen, sicherlich sind, wie es an sich schon der F a ll ist. M eine Herren, 
zustimmen w ird, auch der in N r. 1 I h r e s  A ntrages der M agistrat w ar auf dem richtigen Wege, a ls er 
gewünschten P e titio n , soweit sie eben nicht eine voll­ uns eine Vorlage unterbreitete, auch für den R e is­
ständige Umgestaltung unserer W irtschaftspolitik zur konsum dieselbe P ropaganda zu unternehm en, und 
Durchführung bringen will. M an  kann eben sehr ich mochte m ir erlauben, daran zu erinnern, daß der 
zweifelhaft darüber sein, ob diese gegenwärtige A ntrag  des M ag istra ts im vorigen Ja h re , der dahin 
Teuerung dazu benutzt werden soll, eine derartige ging, auch den Reisverkauf einzuführen respektive 
Aenderung herbeizuführen, wenn sie auch in  der über­ dafür P ropaganda  zu machen, m it n u r einer S tim m e 
wiegenden M einung unserer Bürgerschaft, insbe­ M a jo ritä t abgelehnt worden ist.
sondere soweit sie der liberalen P arte ipo litik  folgt, 
a ls  sehr willkommen erscheinen mag. Ich  betone (Z u ru f: Leider!)
ferner, daß der M agistra t den A nträgen zu B  zu­
stimmen dürfte, welche die Vervollkommnung und E s  ist dam als bereits hervorgehoben worden, daß 
den weiteren A usbau der städtischen Einrichtungen viele H underte M illionen ausschließlich vom R e is 
fordern, die dazu dienen, die Bevölkerung m it leben, und ich stelle der gemischten D eputation  
Lebensrnitteln zu versorgen. anheim , auch diesen abgelehnten A ntrag  noch einm al zu beraten und ihn dort prüfen zu lassen. Ich  bin 
W as die F rage der B ehandlung der F rage auf überzeugt, daß dieser A ntrag  gerade jetzt zeitgemäß 
den S täd tetagen  anbetrifft, so mochte ich meinen, wäre, und daß w ir ihn, wenn er au s der D eputation  
es würde wohl genügen, wenn die F rage auf dem zurückkommt, dann auch annehmen werden.
größeren und eindrucksvolleren, nämlich auf dem 
Preußischen S täd tetage behandelt w ird. Ich  stelle Stadtv. Dr. Frentzel; Ich mochte H errn 
anheim, sich auf diesen A ntrag  zu beschränken. Bürgerm eister M a ttin g  bemerken, daß ich mich 
durchaus davon frei weiß, die Hand nach dem U n­
Stadtv. Jacobi: M eine Herren! Ich  möchte möglichen auszustrecken und einer P o litik  der Utopie 
zunächst H errn Kollegen Dr. Borchardt meinen nachzugehen. Und wenn H err Bürgerm eister M a tting  
Dank für das K om plim ent aussprechen, das er heute sagte, m an müsse das Nötige tun, so sind in dieser 
dem Zwischenhandel gemocht hat. E r  hat allerdings Beziehung eben wohl unsere Begriffe über das, was 
gleich hinterher geglaubt dieses K om plim ent ein­ no ttu t, etwas verschieden.
schränken zu müssen, indem er sagte, daß sowohl die Ich kann von diesem Gesichtspunkt aus auch 
E ngroshändler a ls  die D etaillisten etwas zu viel H errn  Kollegen S tad thagen  nicht zustimmen, a ls  er 
verdienen. Ich glaube ihn darüber beruhigen zu n u r für eine vorübergehende Aufhebung der Zolle 
können; denn die freie Konkurrenz ist der beste R e­ e in tritt. Ich  habe es absichtlich vermieden, auf diesen 
gulator für die Preise, und die Konkurrenz sorgt P u n k t heute einzugehen, weil ich mich früher bereits 
schon dafür, daß weder die Grossisten noch die D e­ des näheren darüber ausgelassen habe. Aber, meine 
taillisten zu hohe Preise nehmen. Herren, ich sehe in  einer vorübergehenden Aufhebung 
Z u  dem A ntrage B  möchte ich bemerken: gegen der Sperrm aßregeln  —  ich mochte es m al ganz im 
diesen A ntrag  läß t sich nichts einwenden; denn gegen allgemeinen nehmen —  eine gewisse G efahr; denn 
die Ueberweisung dieses A ntrages an die gemischte eine vorübergehende Aufhebung tvird nichts nützen. Augenblicklich ist das A usland, von dem w ir eventuell 
D epu tation  läß t sich in  der T a t nichts sagen. Aber den größeren Fleischzustrom erwarten, gar nicht in 
ich glaube doch, m it meinem Bedenken gegen städtische 
Verkaufsstellen fü r Lebensrnittel und gegen die E r ­ der Lage, ihn zu gewähren. Erst später würde es, 
weiterung der bereits bestehenden E inrichtungen nicht wenn es auf einen dauernden, festen M arkt in 
zurückhalten zu sollen. D enn, meine Herren, m it Deutschland zu lohnenden Preisen rechnen kann, dazu 
der einen Hand würde m an das nehmen, w as man kommen, seine Viehzucht stärker zu poussieren und 
m it der anderen Hand gäbe: m it der einen Hand auf diese Weise an Deutschland größere M engen von Vieh abgeben zu können. N un , meine H erren, werden 
würde m an dem Publikum  billigere Preise verschaffen 
und m it der anderen ihm die Fähigkeit nehmen, je S ie  sagen: das könnten w ir abwarten. Aber eine 
nach dem Umfange der zu treffenden E inrichtungen olche M aßnahm e, die m an als n u r  vorübergehend 
S teu e rn  zu zahlen und dam it die Pflichten gegen ür w irkungslos hält, einzuführen, hat das Bedenken, 
Arm e und Kranke zu erfüllen. daß von dem Gegner nachher m it dem A rgum ent ge­arbeitet w ird: nun, da ist ja  die viel gerühmte Auf- 
M eine Herren, eine E inrichtung haben w ir Hebung, sie hat nichts geholfen, also lassen wir die 
bereits geschaffen, nämlich den Seefischverkauf. Ich Sache einschlafen, gehen w ir wieder zu dem alten 
glaube wohl, daß, wenn w ir den Seefischverkauf in System  zurück. W ürde ich glauben, daß die vorüber­
eigenerRegie hätten, d. H. also den Fischeinkauf ebenso .g ehende Aufhebung der Zolle und Sperrm aßregeln  
wie den Fischverkauf selbst besorgen wollten, w ir :w irkungsvoll wäre, so würde ich mich schon aus dem 
dann dam it ein sehr großes Fiasko gemacht hätten, iG runde dam it einverstanden erklären können, weil
        
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