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Periodical volume 4. September 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 4. September 1912 333
eben dam it zu tu n  hat. D en n  wenn ich S ie  da rau f W enn in dem A n trag eB  noch darüber h in au s  ein 
hingewiesen habe, daß die W eideflächen zurückgehen, u n m itte lb a re s  E ingre ifen  der städtischen V erw altung  
fo ist d as  zum  T eil auch m it da rau f zurückzuführen, verlang t w ird , so könnte das so scheinen, a ls  ob das 
daß die abnorm  hohen G etreidepreise, die w ir in eigentlich e tw as Ueberflüssigcs, geradezu W ider­
einzelnen J a h re n  gehabt haben, die G roßg rundbe­ spruchvolles w äre gegenüber dem A n trage  zu 1, und 
sitzer dazu v eran laß t haben, die W eideflächen aufzu­ ich erkenne unum w unden  an , baß alles, w as die 
geben und statt dessen durch intensive Bewirtschaf­ städtischen V erw altungen  au f diesem Gebiete etwa 
tung  möglichst viel S orn fruch t zu erzielen. G anz in s  Leben rufen  können, n u r  von außerordentlich ge­
abgesehen von der allgem einen B edeutung , liegt r in g er W irkung sein kann, weil es eben in die großen 
h ierin  eine M aßnahm e, au f die V erb illigung  der Ursachen, in  die G rundursachen der T euerung  und 
Fleischpreise hinzuw irken. in  deren B eseitigung g a r  nicht eingreifen kann. W as 
N u n  komme ich zu P u n k t 2 des A n trag es. M a n  die städtische V erw altung  erreichen kann, w äre im m er 
könnte sagen: es ist über all diese D in g e  schon so viel n u r die V erh inderung  der V erteuerung  durch den 
gesprochen und schon so viel darüber geschrieben Zwischenhandel. N u n  wissen S ie  ja , daß diejenigen 
worden, daß es un n ö tig  w äre, d as  hier noch einm al Kreise, die an  der gegenw ärtigen T euerung  und an 
zu betonen, und deswegen erübrige es sich, die A n ­ der F o r td a u e r  der T euerung  interessiert sind, ein sehr 
gelegenheit noch einm al au f dem Brandenburgischen großes Geschrei darüber ausstoßen, daß die in  dem 
und Preußischen S tä d te ta g e  zu behandeln. D a s  A ntrage  N r. 1 genannten Ursachen gar nicht die 
dürfen  w ir  aber nicht sagen. E s  ist die P flich t der wirklichen Ursachen sind, sondern daß die wirklichen 
V ertre te r der Bürgerschaft, auch w enn sie es schon so Ursachen der L ebensm ittelteuerung  die überm äßigen 
und so oft erfo lg los getan haben, im m er w ieder V erdienste sind, die im  Zwischenhandel gemacht 
und wieder ihre S tim m e  zu erheben und  daraus h in ­ werden, die überm äßigen Zuschläge, die der 
zuweisen, daß h ier ein Uebel vorliegt, dem u n te r allen Zwischenhandel au f die G roßhandelspreise und auf 
U m ständen energisch entgegengetreten werden m uß, die V iehpreise legt. M eine  H erren , m eine F reunde  
ehe es zu spät ist. sind w eit davon en tfern t, diese U ebertreibungen von agrarischer S e ite  zu glauben oder mitzumachen. 
(B ra v o !) M eine  F reu n d e  sind w eit davon en tfern t, zu glauben, 
daß auch n u r  ein erheblicher T e il der L ebensm itte l­
Stadtv. Dr. Borchardt: M eine H e rre n ! Z u  teuerung durch den Zwischenhandel, ganz besonders 
dem, w as H err Kollege Dr. Frentzel über den ersten durch den kleinen Zwischenhandel, hervorgerufen 
T eil des A n trages gesagt hat, habe ich w eiter nichts w ird . S o w e it der Zwischenhandel eine wirtschaftlich 
hinzuzufügen. Höchstens möchte ich noch d a rau f h in ­ notw endige F u n k tio n  a u sü b t —  und so, wie unser 
weisen, daß der Z usam m enhang  zwischen Fleisch- ganzes W irtschaftsleben gestaltet ist, ist es ohne den 
zöllen und G etreidezöllen m ir  und m einen F reu n d en  Zwischenhandel nicht denkbar,
doch noch enger zu sein scheint, a ls  d a s  au s 
den W orten  des H errn  Kollegen Frentzel hervorging. (hö rt, hö rt!)
W e r  ich glaube, auch H err Kollege Frentzel w ird  der ist der Zwischenhandel in  gewissem Um fange nicht zu 
M e in u n g  sein, daß, auch w enn die F ra g e  der G e­ entbehren —
treidezölle a u s  dem A ntrage  herausbliebe, m it der 
In a n g rif fn a h m e  und der D urchführung  dessen, w as (hö rt, hö rt!)
der A n trag  ohne diese Getreidezölle fordert, eine so soweit also dieser Zwischenhandel eine wirtschaftlich 
vollständige Abkehr von denjenigen Grundsätzen ver­ notw endige F u n k tio n  au sü b t, w irkt er natürlich  ver­
bunden ist, die in  der W irtschaftspolitik  des Reiches teuernd auf die P re ise  des ursprünglichen P ro d u ­
gegenw ärtig eingehalten werden, daß an eine solche zenten, au f die P re ise  des P ro d u k ts , b is  es an den 
Abkehr ohne den Z usam m enhang m it  den G etreide­ K onsum enten kommt. D a s  ist aber eine V erteuerung , 
zöllen gar nicht gedacht werden kann. D esw egen die eben innerhalb  unserer W irtschaftsweise gar nicht 
legen m eine F reunde  sehr großen W ert und sehr überw unden werden kann, sich a ls  N otw endigkeit her­
großen Nachdruck darau f, daß die F ra g e  der E r ­ ausstellt, und über die a ls  eine T euerung  verursachend 
m äßigung  der Getreidezölle und die F ra g e  ih res a ll­ auch kein Mensch jem als K lagen erhebt. A ber nicht 
mählichen A bbaues in  diesem Z usam m enhange nicht bestritten ist es und nicht bestritten  kann es w erden, 
übergangen w ird , ja  gar nicht übergangen werden daß in  den Zwischenhandel eine ganze Reihe von 
kann. Existenzen hineingehen, deren Z ah l d as  w irtschaft­
G estatten S ie  m ir  n u r  noch, m eine H erren, lich notw endige M a ß  übersteigt, wodurch eine, wenn 
einige W orte zu dem A ntrage B  des gemeinsamen auch nicht überm äßige, so doch bemerkbare V erteue­
A n tra g e s ! I n  diesem A ntrage w erden von der rung  bedingt w ird . Und nicht bestritten kann es 
S ta d t  M aßnahm en  gefordert oder vielm ehr, wie der werden, daß nam entlich auch eine überm äßige P r e i s ­
A n trag  jetzt lau te t, w ird  verlang t, daß die D epu ­ steigerung durch den G roßhandel v e ran laß t w ird , 
ta tio n  über M aß n ah m en  berate, die zu einer L inde­ und da halten  es m eine F reu n d e  a llerd ings m it fü r 
rung  führen könnten. A u s  den A usfüh rungen  des eine Ausgabe der kom m unalen V erw altung , gegen­
H errn  Kollegen Frentzel geht hervor, daß es sich bei über wirtschaftlich nicht m ehr notw endigen V erteue­
der Beseitigung dieser Fleischteuerung oder dieser rungen zu einer besseren V ersorgung der Bevölke­
L ebensm ittelteuerung  um  die B eseitigung der U r­ rung  m it L ebensrnitte ln  die H and  zu bieten.
sachen der T euerung  handeln m uß, deren W irksam ­ M eine  F reu n d e  erkennen es durchaus an , daß  es 
keit nicht durch städtische M aßrege ln  allein  außer den M itg liedern  der liberalen  F ra k tio n  überaus 
K ra ft gesetzt werden kann, au f die daher die städtische schwer fallen m uß, a u s  ih re r ganzen wirtschaftlichen 
V erw altung  u n m itte lb a r keinen E in flu ß  hat, wes­ Anschauung heraus, dazu die H and  zu bieten, daß 
wegen sich ja  auch der A n trag  d a rau f beschränkt, diese eine S ta d tv e rw a ltu n g  a u f diesem Gebiete eingreifen 
Ursachen aufzuzählen und um  ihre B eseitigung bei soll.
den zuständigen B ehörden vorstellig zu werden. (S e h r  richtig!)
        
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