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Periodical volume 4. September 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 4. September 1912 325
sondern von der Bahnverwaltung für eine eventuelle Borsteher Kaufmann: Punkt 7 der Tages­
Vergrößerung des Bahnhofs gebraucht wird. Dieser ordnung:
Teil ist nicht städtisches, sondern bahnfiskalisches 
Eigentum. Daher ist die Straße in den Zoologischen Vorlage betr. Wahl eines besoldeten Beigeordneten
Garten hineingerückt worden, und durch dieses Hin­ (zweiten Bürgermeisters). — Drucksache 231.
einrücken der Baufluchtlinie in das Gebiet des Zoo­
logischen Gartens ist ein Teil desselben, der Berliner 'Berichterstatter Stadtv. Dr. Hubatsch: Meine
Gebiet ist, nun gewissermaßen auf die Straße zu Herren! Wir müssen zunächst dem schmerzlichen Be­
liegen gekommen; dieser Teil, der hier in dem dauern Ausdruck geben, daß wir einen so vor­
mittleren und den links daneben gelegenen Plänen trefflichen Mann wie Herrn Bürgermeister Matting 
rot eingezeichnet ist, sollte Charlottenburger verlieren sollen.
Eigentum, also von Berlin an Charlottenburg ab­
getreten werden. Nun ist aber die Straße nicht in (Bravo!)
der ganzen Länge, wie sie hier rot angelegt ist, tat­
sächlich ausgeführt worden, weil zwischen der Kur­ Herr Bürgermeister Matting ist fast 18 Jahre in 
fürstenallee und der Hardenbergstraße durch eine unserer Verwaltung tätig und hat den Aufschwung 
Unterführung im Zuge der Stadtbahn eine Ver­ Charlottenburgs zur Großstadt mit durchlebt. Er 
bindung zwischen beiden Seiten der Stadtbahn ge­ hat an seiner hervorragenden Stelle an der För­
schaffen ist, und zwar zwischen dem eigentlichen derung dieser Entwickelung lebhaften und einfluß­
Bahnhof und den Reitställen, die sich dort befinden; reichen Anteil genommen. Wir verlieren in ihm 
also nur bis zu diesem Punkte ist die Straße so ver­ einen Mann, der über einen Schatz von Erfahrungen 
breitert worden, wie es eigentlich für den ganzen Zug gebietet wie kaum ein anderer, der die Charlotten­
vorgesehen war. Weil dort nun die Unterführung burger Verhältnisse auf den verschiedensten Gebieten 
ausgeführt wurde, ist es dem Zoologischen Garten von Grund aus kennt. Wir verlieren einen Mann, 
vorläufig erlassen worden, schon jetzt den schmalen dessen Arbeitskraft und Arbeitslust zu bewundern ist, 
Streifen abzutreten, der jetzt etwa vor dem Nilpferd­ dessen Gerechtigkeitsliebe und dessen Wohlwollen die 
haus liegt. Beamten und Angestellten wie die Bürger der Stadt 
Nun hat sich die Berliner Stadtverordneten­ zu rühmen wissen;
versammlung auf den Standpunkt gestellt: wenn das 
Land, das Berliner Eigentum ist, vorläufig noch gar (Bravo!)
nicht gebraucht wird, vorläufig also vom Zoologischen 
Garten tatsächlich noch benutzt wird, dann wäre es einen Mann, dessen Festigkeit und Energie, dessen 
doch verfrüht, dies an Charlottenburg abzutreten. Umsicht und Scharfblick wir alle kennen; einen Mann, 
Es soll für den Beschluß der Berliner Stadtver­ der freien Sinnes und vorurteilslos jederzeit ein 
ordnetenversammlung maßgebend gewesen sein, daß lebhaftes Verständnis für alle Fortschritte der Kultur 
die Grundsteuer, die der Zoologische Garten für und sür den Zusammenhang der lokalen Interessen 
diesen Streifen zu zahlen hat, dann an uns gefallen mit denen des großen Vaterlandes bewiesen hat.
wäre, während sie sonst noch in die Berliner Kasse Magistrat und Stadtverordnete sind einmütig 
fließt. Das ist natürlich ein Exempel, das nach in dem' Bestreben gewesen, Herrn Bürgermeister 
Groschen zu berechnen ist. Aber jedenfalls liegt für Matting aufrichtige Hochachtung und uneinge­
uns die Tatsache vor, daß, wenn dieser Teil des schränktes Vertrauen zu schenken. Wir müssen es 
Zoologischen Gartens einmal beansprucht wird, wenn uns versagen, den Versuch zu machen, den Herrn 
er einmal — Straßenland ist er ja schon jetzt — als Bürgermeister an Charlottenburg zu fesseln und für 
Straßenland verwendet wird, dann können wir die uns zu behalten: er steigt in eine höhere Stufe empor 
Zustimmung von Berlin unzweifelhaft erwarten, und ist durch seine Zusage gebunden. Es bleibt uns 
genau ebenso wie für den Teil, der jetzt schon nur übrig, den innigsten Tank für all das Gute und 
Straßenland geworden ist, die Zustimmung von Vortreffliche auszusprechen, was er in langjähriger, 
Berlin vorliegt. Da sich Berlin auf diesen prin­ treuer Arbeit für unsere Stadt geleistet hat.
zipiellen Standpunkt gestellt hat, so sehe ich keine 
Veranlassung, weshalb wir uns da auf die Hinter­
füße setzen sollen. Es ist eine ganz klare Sache: (Lebhafter Beifall.)
wenn wir das Straßenland als Straße tatsächlich 
brauchen, werden wir jederzeit die Zustimmung von Wir fügen die herzlichsten Wünsche für seine Zukunft 
Berlin erhalten. Deshalb, meine ich, haben wir hinzu und sind überzeugt, daß er in seiner neuen 
keine Veranlasiung, uns auf einen ablehnenden Stellung dieselbe Anerkennung finden wird, die ihm 
Standpunkt der Magistratsvorlage gegenüber zu hier zu teil geworden ist.
stellen, und ich empfehle darum ihre Annahme.
(Wiederholter lebhafter Beifall.)
(Die Versammlung beschließt nach dem Antrage 
-es Magistrats, wie folgt: Meine Herren, wir haben heute die Aufgabe, für 
1. Dem Fluchtlinienplan von der Joachims­ den scheidenden Herrn Bürgermeister einen Ersatz zu 
thaler Straße zwischen Hardenbergstraße und suchen. Es wird sich empfehlen, dieselben Maßregeln 
Kurfürstenallee vom 18. April 1911 wird unter wie in früheren ähnlichen Fällen zu treffen.
Aufhebung der Ziffer 2 des Gemeinde­ Zunächst ist die Höhe des Gehalts für den Neu­
beschlusses vonl 5./11. März 1908 zugestimmt. zuwählenden festzustellen. Der Normaletat gibt 
2. Die Einwilligung zur Abtretung der in dem 16 000 cH an. Es ist aber wohl erforderlich, etwas 
Lageplan vom 3. Juni 1911 rot angelegten über diese Sume hinauszugehen, damit wir möglichst 
Fläche von dem Stadtbezirk Berlin und Um­ hervorragende Bewerber für die Stelle finden. Ich 
gemeindung derselben wach dem Stadtbezirk denke, es wird Ihre Zustimmung finden, daß wir 
Charlottenburg wird erteilt.) das Gehalt auf 18 000 d l festsetzen.
        
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