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Periodical volume 26. Juni 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

308 Sitzung vom 26. J u n i 1912
so ausfallen, daß sie nicht so stiefmütterlich bedacht nerinnen können lange Zeit zurückbehalten werden. 
sind. Es soll da nicht etwa geprotzt werden, es sollen Und gerade bei diesen Frauen, die doch als Mütter 
bort keine Palmen und sonstige erotische Gewächse in Frage kommen, wirkt es auf den seelischen Zu­
blühen, sondern es sollen wirklich nur etwas über- stand ungeheuer ein, wenn sie, hinausblickend, ins 
nvrmal starke Bäume gepflanzt werden. Ich bitte Grüne sehen können, wenn sie aus der gewöhnlichen 
Sie nochmals: bewilligen Sie uns statt der 24 000 Umgebung der Mietskasernen herausgezogen sind 
die 31 000 dl. und nicht unausgesetzt das ewige Einerlei grauer 
Häuserwände vor sich haben.
Stadtv. Dr. Liepmann: Meine Herren! Ich Dann kommt noch ein anderes Moment hinzu. 
kann mich dem Ausschußantrage nicht anschließen Nicht nur die seelische Einwirkung auf die Kranken 
und möchte Sie bitten, die 7000 J / zu streichen. sollte uns veranlassen, die geforderte Mehrsumme 
Wenn die Bäume bei der Eröffnung des Kranken­ zu bewilligen, sondern auch die Wirkung, die die 
hauses noch jung sind, so ist das ein Fehler, der doch Gesamtanlage als städtisches Unternehmen haben 
mit jedem Tage geringer wird. Aus den Prinzipien, soll. Es handelt sich um ein Projekt, das mehrere 
die w ir ja ziemlich einmütig bei der Etatsberatung Millionen Mark fosta, und da ivouen Sie, nur « 
betont haben, daß w ir sparen müssen und unnötige diesem Projekt nicht das würdige Bild einer voll­
Ausgaben nicht bewilligen dürfen, folgt doch, daß endeten Gartenanlage zu geben, 7000 dl streichen? 
es nicht richtig ist, hier über die Forderung der ur­ Ich wundere mich darüber umsomehr, als dieser Aus­
sprünglichen Vorlage hinauszugehen. schußantrag aus dem Kreise Ih re r Fraktionsfreunde 
Mitbestimmend ist für mich, daß ich den Grund hervorgegangen ist. Und ich glaube, die Mehrheit 
nicht anerkennen kann, den der Herr Referent für Ih re r Freunde wird auch für diesen Antrag stimmen, 
die Mehrausgabe angeführt bat. Er leitete dies so, wie meine Freunde einmütig dafür eintreten 
daraus her, daß es herzerfrischend für die Patienten werden.
sei, wenn sie nach langem Krankenlager, oft, wie der 
Redner es schilderte, an Krücken, das erste M al Stadtv. Dr. Frentzel: Ich möchte Sie auch bitten, 
wieder das Zimmer verlassen und in den Garten sich sich den Gründen des Herrn Referenten in allen 
begeben dürften, dort wirklich Schönes und Grünes Punkten anschließen zu wollen und diese 7000 dl 
vorfinden. Hier handelt es sich doch nicht um solche zu bewilligen. Ich saun aus meiner Erfahrung nur 
Kranke, sondern um Wöchnerinnen, die nach kurzer die Richtigkeit alles dessen bestätigen, was er hier vor­
Zeit das Haus wieder verlaßen und dann die grünen getragen hat, und was Herr Kollege Zietsch hier wie­
Bäume und die schöne Natur außerhalb der Mauern derholt hat. Es ist tatsächlich der Fall, daß bei der 
des Krankenhauses bewundern werben. Heilung von Krankheiten und namentlich bei der 
Ferner veranlaßt mich zu meiner Stellung­ Rekonvaleszenz auch die äußeren Umstände, die auf 
nahme der Ausblick auf die großen Kosten, die noch den Kranken einwirken, von Bedeutung sind. Und 
in einer besonderen Vorlage kommen werden, und wenn darauf hingewiesen worden ist, daß hier 
die, soweit ich es im Kopf habe, über 330000 dl Patientinnen sind, die nach verhältnismäßig kurzer 
betragen werden. Meine Herren, wo sollen w ir denn Zeit das Krankenhaus verlassen, so möchte ich Herrn 
sparen, wenn w ir cs hier nicht tun? Deshalb bitte Kollegen Liepmann erwidern, daß er ja nicht weiß, 
ich Sie, die 7000 dl zu streichen. wer in das Krankenhaus kommt, daß vielleicht auch 
auf längere Zeit Wöchnerinnen es als Asyl, als Zu­
fluchtsstätte aufsuchen müssen. Weiter weise ich dar­
Stadtv. Zietsch: Ich muß mich wundern, daß aus hin, daß es nicht zweckmäßig und auch der Stadt 
der Sparsamkeitstrieb des Herrn Kollegen Liep­ nicht würdig ist, durch eine solche — meiner Ansicht 
mann sich immer bei solchen Gelegenheiten äußert — nach in diesem Falle übertriebene — Sparsamkeit 
das ganze große Werk dadurch zu beeinträchtigen, daß 
(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten und Libe­ man ihm eine kleine Spitze abstreicht, deren Fehlen 
ralen — Stadtv. Dr. Liepmann: Wo soll er es dann?) sich aber mit Rücksicht auf das große Ganze sehr 
fühlbar machen würde.
— ja, Herr Kollege Liepmann, es gibt andere Ge­
legenheiten, bei denen Sie sparen können. Aber wenn (Stadtv. Dr. Liepmann: Aber nach drei Jahren sind 
Sie, lvo unser jährlicher Etat 42 bis 45 Millionen doch die Spitzen wieder dal)
Mark beträgt, bei einer Ausgabe für ein Objekt von 
7000 dl sparen wollen, dann werden Sie mit der Stadtv. Panschow: Aus rein praktischen Grün­
Gefahr rechnen müssen, daß Ihnen andere Leute den sieht sich die große Mehrzahl meiner Fraktions- 
sagen: Ihre  Sparsamkeitseigenschaften scheinen sich genossen veranlaßt, für den Ausschußantrag zu 
nicht auf besonders solidem Boden aufzubauen, stimmen aus der Erwägung heraus, daß w ir für die 
namentlich, wenn Sic anfangen wollen, zu sparen, Ausgestaltung des Krankenhauses nach außen hin 
bei solchen Gelegenheiten, wo es sich um den Ausbau doch eigentlich eine ganze Menge Geld ausgeben. W ir 
und die Verschönerung von Krankenhäusern handelt. gestalten die Fassade, die Türen reich aus und machen 
Sie sagen, cs ist bei einem Krankenhause wie dafür große Ausgaben. Wenn man den Sparsam- 
dem Wöchnerinneuheim nicht absolut notwendig, kcitstrieb betätigen will, so ist an dieser Stelle viel­
für eine schöne gärtnerische Anlage zu sorgen, weil leicht viel mehr Gelegenheit dazu: es könnte einfach 
die Patientinnen nicht dauernd dort liegen bleiben ein viereckiger Kasten hingesetzt werden, und es wäre 
werden. Es fragt sich freilich noch, wie lange die erheblich gespart. Aber um dem Ganzen einen ver­
Kranken in einem solchen Wöchnerinnenheim oder nünftigen und passenden Rahmen zu geben, haben 
in einer Entbindungsanstalt untergebracht werden; w ir uns entschlossen, für die geforderten 31 000 dl 
cs kann aber in einzelnen Fällen Wochen-, es kann zu stimmen. W ir sind dazu auch durch die Erwägung 
auch monatelang dauern: schwer erkrankte Wöch­ gekommen, daß es der Gartenbauverwaltung gar nicht
        
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