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Periodical volume 19. Juni 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 19. J u n i 1912 2 0 <
Absatz 2 des 8 5 einen 21 nt rag mit etwa folgendem Ich stelle mich nun nicht ans den Stand­
Wortlaut einbringen — ich will einen Antrag jetzt punkt, zu fragen: was für einen materiellen Nutzen 
nicht stellen — : bringt diese Einrichtung der Stadt, wenn wir sic 
Die Stadtgemeinde fordert ferner, daß der unterstützen, insofern, als die Besucher oder Be­
Unionklub seine Ueberschüsse p ro  ra ta  der von nutzer des Stadions in Charlottenburg irgend etwas 
ihr geleisteten Zinsgarantie bis zu deren völ­ von ihrem Gelde zurücklassen? Auf den Standpunkt 
liger Rückzahlung an die Stadigemcindc ab­ der Forderung, daß die Besucher des Vereins nachher 
liefert. Will der Unionklub diese Ueberschüsse nicht die größeren Restaurants oder Hotels von 
zur Rückzahlung seiner 'Anleihe verwenden, so Berlin besuchen dürfen und daß dadurch Charlottcn- 
hat er die Zustimmung der Stadtgemeinde zu­ burg materiell geschädigt werden könnte, kann man 
vor einzuholen. sich bei dieser Gelegenheit überhaupt nicht stellen. 
Damit hätten wir eine Handhabe für unsere M it­ Wir müssen einmal den Boden verlaßen, daß wir 
wirkung und könnten uns in jedem Falle, wie wir immer, wenn von uns etwas im Interesse der Kör­
es wünschen, sichern. Ich stimme selbstverständlich perpflege zu tun für notwendig befunden wird, den 
auch mit dem Herrn Referenten darin überein, das; Kramerstandpunkt vertreten: was haben die einzelnen 
ich eine Beteiligung der Stadtverordneten wünsche. Geschäftsleute in Charlottcnburg davon? Herr Kol­
Ich bitte Sie, in diesem Sinne einen Ausschuß lege Frentzel Hai auch nicht immer die Antipathie 
von 15 Mitgliedern zu bewilligen. gegen Uebernahme von Zinsgarantien durch die 
Stadt Privatgesellschaften gegenüber gehabt. Ich er­
Stadv. Zietsch: Die 'Ausführungen des Herrn innere an die Zinsgarantie, die die Stadt durch Be­
Kollegen Frentzel haben mich einigermaßen wunder schluß der Stadtverordnetenversammlung nach dem 
genommen, namentlich wenn ich in Gegensatz dazu Antrage des Magistrats gegenüber der Müllabfuhr­
die Rede stelle, die er bei einer früheren Vorlage, die gesellschaft übernehmen mußte. Da wären die Be­
uns in dieser Sitzung beschäftigt hat, gehalten hat. denken des Herrn Kollegen Frentzel viel berechtigter 
2Us es sich um die Nationalflugspende handelte, die gewesen, da hätten Sie nachprüfen sollen: was hat 
zweifellos nach den Ausführungen des Herrn Kol­ dann die Stadt Charlottenburg für einen Nutzen von 
legen Frentzel einen rein nationalen, kriegerischen der Uebernahme der Zinsgarantie?
Charakter trägt, war er trotz aller schweren Bedenken Dann möchte ich doch daran erinnern, daß es in 
gegen die Vorlage selbst doch für die Bewilligung der Vorlage heißt: jährlich ist eine Zinsgarantie von 
der 20 000 Ji, die auch nachher mit seiner Zustim­ 50 000 cd auszubringen. Davon bringt Charlotten­
mung ausgesprochen wurde. Aber wo es sich hier um burg nur 15 000 Ji auf, 35 000 JI bringen der 
eine nach unserer Auffassung weniger nationale als Preußische Staat und das Deutsche Reich auf, und 
um eine Sache handelt, die für die Ausbildung des dem Staat und dem Reich werden keine solchen großen 
Körpers von größter Bedeutung ist, da hat Herr Rechte von der Gesellschaft eingeräumt wie Char­
Kollege Frentzel .große Bedenken, da geht bei ihm lottenburg. Also es ist doch nicht davon zu reden, 
der Kaufmann mit dem Arzt durch. Bei Herrn daß Charlottenburg diese 15 000 Ji so mir nichts 
Kollegen Frentzel hätte es vielleicht sehr viel näher dir nichts hingibt. Im  Gegenteil, ich wundere mich, 
gelegen, vom Standpunkt des Arztes aus den Wert daß der Staat und das Reich sich überhaupt eine 
zu beurteilen, den eine Pflege des Sportes und der derartige Bevorzugung einer einzelnen Stadt in der 
körperlichen Uebungen auf den einzelnen Menschen unmittelbaren Nähe von Berlin gefallen lassen.
hat, anstatt hier in den Vordergrund seiner Ausfüh­ -r >
rungen den rein geschäftsmännischen Standpunkt zu (Zuruf: Das ist ja noch nicht Beschluß!)
stellen: was hat die Stadt für einen realisierbaren 
Nutzen davon, wenn sie dieses Unternehmen unter­ — Es ist Beschluß, soweit ich unterrichtet bin, Herr 
stützt. Kollege Flatau, aber wenn es nicht zutreffen würde, 
Zum andern haben mich aber auch die Gründe, daß der Staat und das Reich die 35 000 Jt Zins- 
die Herr Kollege Frentzel für seine ablehnende garantie übernehmen, dann fiele doch überhaupt die 
Haltung angeführt hat, überrascht. Er sagte, er kenne ganze Geschichte in sich zusammen, und wir würden 
den Unionklub nicht, aber ihm scheine es fraglich, ob uns auch nicht mit 15000 Ji engagieren.
der Univuklub eine Gewähr dafür biete, daß diese 
Einrichtungen nachher in der Tat für die Veranstal­ (Zuruf.)
tung von Volksspielen in Betracht kommen und nutz­ — Ob die 110 Sozialdemokraten im Reichstage da­
bar gemacht werden können. Soweit der Magistrat gegen stimmen werden, das ist noch eine sehr große 
über diese Einrichtung nachher die Verfügung haben Frage, Herr Kollege Frentzel. Jedenfalls werden Sie 
wird, sind meine Freunde keinen Augenblick im nicht auf Grund Ihrer Rede dagegen stimmen.
Zweifel darüber, daß, wenn der Unionklub ausge­
schaltet ist, der Reichsausschuß auch nicht in Frage (Stadtv. Dr. Frentzel: Es sind auch keine Charlotten­
kommt und auch durch eine -weitgehende Kritik in der burger!)
Stadtverordnetenversammlung dafür Sorge getragen 
werden sann, daß in dem von uns gewünschten Sinne Für uns kommen bei dieser Angelegenheit wahrhaf­
die Einrichtung auch den weitesten Volkskreisen dienst­ tig nicht nationale Uebertreibungen oder Sentiments 
bar gemacht wird. Nun hat ja auch der Unionklub irgend welcher Art in Frage, für uns spielt nur die 
nicht die eigentliche Verfügung über diese Einrich­ Frage eine Rolle, ob hier der Sport und die körper­
tung, sondern der Reichsausschuß ist der unmittel­ liche Ausbildung im Interesse der Gesamtheit oder 
bare Betriebsunternehmer für das Stadion, und dieser eines großen Teils des Volkes gepflegt werden kann. 
Reichsausschuß setzt sich, wie .Herr Kollege Frentzel Das glauben wir bejahen zu können. Wir müßen diese 
ausgeführt hat, schon etwas günstiger zusammen als Frage bejahen, wenn die Voraussetzungen im Aus­
der aus sehr aristokratisch angehauchten Herren be­ schuß und vom Magistrat erfüllt werden, daß nach­
stehende Unionklub. her die Benutzung der Anstalt a l l e n  Volkskreisen
        
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