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Periodical volume 19. Juni 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 9. Juni 1912 285
nämlich dem, daß w ir ein Interesse daran  haben, n u r  bis zum J a h r e  1918 gepachtet ist, w ir also abge­
nationale Aufgaben durch die Förderung  von S p ie l  sehen von seiner bereits bestehenden vollkommenen 
und S p o r t  im Interesse der Kräftigung unserer Ausnutzung nicht aus eine längere Gebrauchsdauer 
Ju g en d  zu unterstützen. D a s  alles erreichen S ie  rechnen können. W ir  würden also bald genötigt sein, 
nebenbei, und S ie  haben einen vollen Gegenwert für aus  eigenen M itte ln  Sportplätze zu errichten. Wie 
das, w as S i e  leisten. viel teurer un s  das kommen würde, a ls  wenn w ir auf 
M eine Herren! S ie  mögen noch versuchen, ar- das Angebot des Reichsausschusses eingehen und da­
dieser oder jener S telle  die Abmachungen des M a ­ für eine jährliche S u m m e  von 15 000 Jl aufzuwenden 
gistrats zu kritisieren, zu verbessern; aber die V orlagt  haben, hat der H err  Bürgermeister zwar schon a u s ­
radikal ablehnen können S ie  nach meiner M einung geführt, aber noch nicht genügend in Zahlen veran­
wirklich nicht. Ich bitte S i e  deshalb, dem Antrage des schaulicht.
H errn  Referenten zuzustimmen und die Vorlage an M eine Herren, es ist dagegen geltend gemacht 
einen Ausschuß zu verweisen. D er  M agistra t wird worden: m an bietet un s  nicht viel, nu r  12Ö Tage 
I h n e n  jede Auskunft, die n u r  irgendwie von ihm werden u n s  garantier t .  D a s  ist doch die Mindestzahl. 
verlangt werden kann, im Ausschuß geben. D er  Reichsausschuß rechnet in seiner R en tab i li tä ts ­
berechnung n u r  m it 22 Tagen, an denen das S ta d io n  
(B ravo!) fü r  Wettspiele benutzt werden soll. E s  würden also viel mehr Tage übrig bleiben.
T tad tv .  Dr. Liepm ann: M eine Herren! A us (S ta d tv .  Dr. Frentzel: D ie  Renntage!)
der Anfrage, die in der Tagesordnung folgt und auf 
das S ta d io n  Bezug hat, werden S ie  ersehen haben, —  Ich big auf dem T u rf  nicht so bewandert, aber 
daß ich und meine F reunde  einer Unterstützung aus  soviel Renntage sind es nicht, daß sie in Betracht 
städtischen M it te ln  sehr skeptisch gegenüberstehen. Ich 
darf nun, und zwar auch im N am en meiner Freunde kämen.
sagen, daß w ir  infolge der Vorlage unsern S t a n d ­ (S ta d tv .  Dr. Frentzel: Doch!)
punkt doch sehr wesentlich geändert haben und be­
deutend wohlwollender dem Unternehmen gegenüber­
stehen a ls  der H err Redner für die liberale Fraktion —  14 Renntage vielleicht, viel mehr jedenfalls nicht.
für seinen Teil und einen Teil seiner F reunde. W ir  —  D an n  kommt der ganze W inter , wo, abgesehen 
sind zwar durchaus keine Schwärm er für die Ueber­ von den Uebungen auf dem Spielplatz, das Bassin 
nahme von Z in sgaran t ien ;  w ir  verkennen auch nicht, zum Schlittschuhlaufen benutzt werden kann.
daß nicht n u r  hier und dä, sondern in weiten Kreisen E ine Frage , die ich für sehr schwerwiegend halte 
einer Uebertreibung des S p o r te s  gehuldigt wird, die und die m ir  nicht genügend aufgeklärt zu sein scheint, 
w ir  durchaus nicht für gesund halten, und die wir ist die Benutzung des Schwimmbassins. E s  ist gesagt 
jedenfalls nicht au s  allgemeinen M it te ln  unterstützen worden, daß Ankleideräumc nicht vorgesehen werden.
zu sollen glauben; w ir meinen vielmehr, daß nu r 
d e r  S p o r t  au s  städtischen M it te ln  unterstützt werden (Berichterstatter S tad tv .  Neukranz: S ie  sind da!)
sollte, der dazu beiträgt, die Gesundheit unserer 
Ju g e n d  zu festigen und zu kräftigen oder die W ehr­ Ich halte das Schwimmbassin für sehr groß, fü r  
fähigkeit der männlichen Bevölkerung zu erhöhen. enorm groß. W enn ich bedenke, daß für die B ade­
Aber andererseits betonen w ir jedenfalls stärker als anstalt in der Nürnberger S t r a ß e  das größte 
H err  Kollege Frentzel und seine F reunde die Wichtig­ Schwimmbassin n u r  in Dimensionen von 33 :15  vor­
keit der Aufgabe, die ich eben bezeichnet habe, für gesehen w ar und hier 26 :117  zur Verfügung gestellt 
Kräftigung und S tärkung unserer Ju g en d  im T u r ­ werden, so m uß ich sagen: das Bassin ist außerordent­
nen, im S p ie l  und in ähnlichen S por tübu ngen  zu lich groß für die B etätigung unserer Ju g en d . N u r  
sorgen. W ir  finden, daß bei den vorhandenen möchte ich gern wissen —  dazu soll ja der Ausschuß 
Plätzen und Gelegenheiten, die in  der S t a d t  C h a r­ da sein — , ob und wie wir dort unserer Ju g en d  die 
lottenburg zu Gebote stehen, es in absehbarer Zeit, Möglichkeit schaffen können, im S o m m er  im Fre ien  
wenn w ir die Vorlage nicht annehmen, notwendig zu schwimmen.
sein würde, sehr große M it te l  aufzuwenden, um Ab­ Abgesehen von diesem für mich allerdings a u s ­
hilfe zu schaffen. Hierbei kommt nicht n u r  im allge­ schlaggebenden P unk t,  daß w ir  unserer E inwohner­
meinen die Vermehrung der Einwohnerzahl, die vor­ schaft und insbesondere unserer Ju g en d  Plätze schaffen 
aussichtlich stattfinden wird, sondern die Vermehrung müssen, um sich sportlich auszubilden, kommt noch 
des Interesses der E ltern  und der Ju g en d  an der die zweite Seite ,  die Bedeutung des S ta d io n s  für 
Spor tbe tä tigung  und der stets wachsende Anschluß den S p o r t  von ganz Deutschland, fü r  mich etwas 
an  sportliche Vereine und Körperschaften in  Betracht. mehr in Betracht, a ls  der H err Redner der liberalen 
Zahlen aus  Charlottenburg liegen m ir  nicht vor, aber Fraktion eben ausgeführt hat. Zunächst bitte ich die 
Zahlen aus  Berlin . E s  ist festgestellt worden, daß Kritiker zu bedenken, daß, wenn sich auch an den 
in  B er l in  von den jungen Leuten zwischen 15 und olympischen S p ie len  vor allem Herren beteiligen, 
19 Ja h re n ,  von denen im ganzen 92 000 zu zählen die in der Ausübung des S p o r t s  eine Hauptaufgabe 
waren, 31 000 sportlichen Vereinigungen beigetreten sehen, doch auch der großen Masse des Volkes dadurch 
sind resp. angehören. Bei dem Geiste, der in  unserer genutzt wird, daß solche Wettspiele belebend und a n ­
Charlottenburger Ju g en d  obwaltet, werden die Ver­ regend auf die allgemeine körperliche B etätigung und 
hältniswahlen hier noch größer sein. Deswegen wer­ Ausbildung wirken. F e rn e r  kommt hinzu, daß nach­
den w ir unser Augenmerk auf Vermehrung der dem die olympischen S p ie le  n u n  einmal eingeführt 
Sportplätze richten müssen, da, wie schon erwähnt worden sind und die anderen K ultu rnationen  bereits 
worden ist, der Sportplatz in Westend vollkommen dafür gesorgt haben, daß die Wettkämpfe bei ihnen 
ausgenutzt ist, und da der Sportplatz in  Eichkamp alterierend stattfinden, sich Deutschland nicht aus-
        
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