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Periodical volume 19. Juni 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

276 Schmig vom is. Ju»i 1912
verordneienversammlung gesagt worden war, und auch lottenburg bzw. für Berlin und er ivird es auch in 
der Magistrat konnte für seine unterirdische Anstalt dauernd steigendem Maße bleiben. .Hierauf sollten 
keine neuen Argumente beibringen. Ich glaube, daß wir doch in erster Linie Rücksicht nehmen und peinlich 
der Magistrat seine Position nicht besonders dadurch darüber wachen, daß dieser herrliche Platz nicht ver­
verbessert hat, daß er erklärt hak: die unterirdischen unziert wird, sondern uns in seiner jetzigen schönen 
Anstalten rosten nicht nur hinsichtlich der Errichtung Wirkung erhalten bleibt. Die uns durch die Neue 
sehr Vieh mehr, sondern auch die Betriebskosten einer Westendgesellschaft aufoktroyierte unglückselige Bau­
unmudtschen Anstalt sind ganz erheblich höher. Das ordnung für Neuwestend birgt bereits so viele Uebel- 
kam so. Es war davon die Rede, daß die beiden stände in sich, daß dadurch mit Recht der größte Un­
unterirdischen Anstalten in Charlottenburg, am wille der Bürgerschaft erregt worden ist. Wir sollten 
Knie und in der Sesenheimer Straße, nur von 7 llhr uns daher doch wirklich hüten, den bestehenden Uebel­
bis 10 Uhr im Winter und von 7 bis 11 Uhr im ständen unserseits noch neue hinzuzufügen. Ich bin 
Sommer geöffnet sind. Als man sich darüber bi- überzeugt, daß es dem Magistrat gelingen wird und 
schwerte, daß das eigentlich ein Zustand sei. der für muß, in einer der in den Reichskanzlervlatz ein­
Krähwinkel wohl, aber nicht für Charlottenburg mündenden Straßen ein Plätzchen für die Errichtung 
passe, eine Stadt mit großem Verkehr, da Sagte der einer Bedürfnisanstalt zu finden. Bedenken Sie, 
Magistrat: ja, das kostet zu viel Geld, 150 d( die daß der Reichskanzlerplay der Stadt heute zur 
Stunde im Jahre. Daraus kann man nun errechnen, Zierde gereicht, daß wir auf ihn stolz sein können, 
daß der Betrieb einer solchen unterirdischen Anstalt und daß er bei jedem Freude auslöst, der ihn sieht, 
in 16 Stunden etwa 2400 dt kostet und in und zwar nicht nur bei unseren Mitbürgern, sondern 
24 Stunden, wie es notwendig wäre, 3600 dt. Also namentlich auch bei den vielen Fremden, die zu uns 
die Errichtung einer unterirdischen Anstalt macht kommen.
nicht nur bedeutend mehr Kosten, sondern der Be­ Ich möchte Sie deshalb im Auftrage der größten 
trieb ist auch sehr viel kostspieliger- Wie gesagt, der Zahl meiner Freunde bitten, nur Punkt 1 des Aus­
Magistrat hat seiner Stellung damit nicht genützt. schußantrages zuzustimmen, Punkt 2 dagegen abzu­
Was die Zeitdauer betrifft, während der die lehnen und von der Errichtung einer Bedürfnisanstalt 
unterirdischen Anstalten geöffnet sind, so ist doch das Abstand zu nehmen, vielmehr den Magistrat zu er­
eigentlich unserm großstädtischen Getriebe nicht ange­ suchen, uns eine neue Vorlage zu unterbreiten, die die 
messen. Stellen Sie sich den Zustand vor, meine Errichtung einer Bedürfnisanstalt in einer der in den 
Herren, wenn unser Opernhaus eröffnet sein wird, Reichskanzlerplatz einmündenden Straßen vorsieht. 
und die Leute, die das Opernhaus nach 10 Uhr ver­ Ich möchte das zum Antrag erheben.
lassen, nach der Sesenheimer Straße zu keine Ge­
legenheit finden, auch nach dem Knie zu keine Ge­ Bürgermeister Motting: Meine Herren! Herrn 
legenheit finden — wenn der Gipfel der Aesthetik in Stadtv. Marzahn möchte ich mir erlauben zu er­
Charlottenburg erreicht sein wird und überall unter­ widern, daß der Magistrat jederzeit den Mut haben 
irdische Anstalten errichtet sein werden: wie dann wird, das vor Ihnen zu vertreten, was er für richtig 
unsere Straßen nach 10 und nach 11 Uhr bei einem hält. Im  übrigen aber, glaube ich, mutet Ihnen der 
derartigen Betriebe aussehen werden! Das spricht Ausschuß viel mehr zu, nämlich indem er Ihnen 
wohl auch gegen die Errichtung von unterirdischen empfiehlt, den Magistrat zu ermächtigen, auf dem 
Anstalten. Reichskanzlerplatz auf diejenige Stelle, wo der Ma­
Der Ausschuß schlägt Ihnen nunmehr vor, die gistrat die u n t e r i r d i s c h e  Bedürfnisanstalt hin­
Magistratsvorlage zu a und b abzulehnen und den setzen wollte, eine obe r i r d i s c he  hinzusetzen.
Magistrat zu ersuchen und zu ermächtigen, den Bau I n  einem Punkt begegnen w ir uns mit Herrn 
einer oberirdischen Bedürfnisanstalt auf dem Reichs­ Stadtv. Marzahn: wir halten allerdings den Reichs­
kanzlerplatz, und zwar auf der auch für die Er­ kanzlerplatz für einen ästhetisch so hervorragenden 
richtung der unterirdischen Anstalt vorgesehenen Punkt unserer Stadt, daß die allergrößte Zurück­
Stelle, auszuführen, sofern nicht an einer der in den haltung hinsichtlich seiner Ausgestaltung geboten ist.
Reichskanzlerplatz einmündenden Straßen ein ge­
eigneter Platz gefunden werden sollte. Ferner schlägt (Bravo! bei der Vereinigten alten Fraktion.)
er vor. die Form der Bedürfnisanstalt gegenüber dem 
abgelehnten Entwurf einfacher und weniger in die Anderseits aber kann man doch an der Erkenntnis 
Augen fallend zu gestalten, insbesondere für eine Her­ nicht vorübergehen, daß es ein Platz ist, an dem der 
abminderung der Höhe zu sorgen. Im  übrigen soll Verkehr in mächtigen Strömen vorbeiflutet, und daß 
an dem Umfange und der inneren Einrichtung nichts unbedingt eine solche Anstalt auf diesem Platze oder 
geändert werden. Meine Herren, ich bitte Sie, dem­ in seiner unmittelbaren Nähe notwendig ist.
entsprechend zu beschließen. Nun sagt Herr Stadtv. Marzahn: sucht mal in 
der Nähe herum, da werdet ihr und müßt ihr etwas 
Stadtv. Marzahn: Ich bin einigermaßen er­ finden. Ich wünschte nur — Herr Stadtv. Jolenberg 
staunt darüber, daß der Magistrat den Mut hatte, hat uns ja auch den Rat gegeben -—, die Herren 
uns die Vorlage zu unterbreiten. Es ist mir ganz machten sich selber einmal die Mühe und suchten 
unverständliche wie man auf die Idee kommen konnte, einen solchen Platz. Wir haben uns vergeblich be­
den Reichskanzlerplatz durch die Errichtung eines müht, sowohl die Deputation für das Reinigungs­
solchen Bauwerks verunzieren zu wollen. Auch die wesen wie der Magistrat, einen solchen Platz aus­
vom Magistrat zunächst ins Auge gefaßte unter­ findig zu machen. Denn, meine Herren, der Platz 
irdische Bedürfnisanstalt müßte doch mit einem Auf­ muß doch wenigstens einigermaßen im Zuge des Ver­
bau, wenigstens aber mit Säulen oder Pfeilern ver­ kehrs liegen. Ich will nicht in die Details hinein­
sehen werden, die das Firmenschild, wodurch die steigen;
Anstalt kenntlich wird, tragen. Der Reichskanzlerplatz 
bildet jetzt bereits das Haupteingangstor für Char­ (Heiterkeit)
        
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