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Periodical volume 19. Juni 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

274 Sitzung vom L9. 3 uui 191-2
Dem  Ausschuß der S ta d t Charlottenburg für räume in den oberen Stockwerken für 13 dl pro 
die Sam m lung einer Nationalflugspende wird Quadratm eter vermietet, und wir sollen hier in einer 
ein Beitrag von 20 000 dt überwiesen. Der doch immerhin nicht allzu teuren Gegend Char- 
Betrag ist dem D ispositionsfonds zu ent­ lottenburgs über 1 6 ^  dl zahlen! W ir wollen 
nehmen.) deswegen die Frage der Angemessenheit des Lokals 
und des Preises in einem Ausschüsse geklärt sehen.
W ir kommen nun zu Punkt 6 der Tagesordnung: D ann möchte ich auch hinsichtlich der Zeitungs­
lesehalle ein etwas gebremstes Tempo eingeschlagen 
Vorlage betr. neue Zweigstelle der Volksbücherei. — sehen. Ich verkenne durchaus nicht die hohe Be­
Drucksache 183. deutung der Presse und die Möglichkeit, durch die 
gleichsam wie durch viele Tausende und Hundert- 
Berichterstatter Stadtb. Richter: Meine Herren! tausende von .Kanälen unserer Bürgerschaft B ildungs­
Die jetzt zur Debatte vorstehende Vorlage ist in Kon­ stoff zufließen zu lassen. Ich bin aber doch der 
sequenz früherer Beschlüsse dieser Versammlung ent­ M einung, daß durch den billigen P re is  der Zeitungen 
standen. I n  dem Stadthaushaltsetat für 1912 sind und dadurch, daß sie überall ausliegen, die M ög­
für Errichtung einer neuen Zweigstelle der Volks­ lichkeit, Zeitungen zu lesen, fast genügend gegeben ist, 
bücherei 15 000 dl bewilligt worden. Diese 15 000 dt und ich kann nicht einsehen, warum wir uns zur E in ­
umfassen aber nicht sämtliche Kosten der Errichtung richtung einer großen Lesehalle aufschwingen sollten. 
einer neuen Zweigstelle, sondern nur die Kosten der E s würde jedenfalls genügen, damit der ernstere, ge­
Einrichtung, soweit sie durch Bücher, Form ulare usw. diegenere und mehr unterrichtende Lesestoff guter 
bedingt sind. Die neue Zweigstelle soll nun in einem Bücher die Hauptanziehung der Bibliothek bildet, 
S tad tte il errichtet werden, der lange Zeit von der wenn statt der Einrichtung einer Lesehalle einige 
Stadtgemeinde etwas stiefmütterlich behandelt Zeitungen, meinetwegen je eine Zeitung jeder P a r ­
worden ist. in dem Stadtteile jenseits der Spree. teirichtung, ausgelegt werden. D ann können die­
Ich glaube bemerken zu können, daß die Durch­ jenigen unserer M itbürger, die nicht Gelegenheit 
führung dieser Vorlage allseitig Befriedigung in allen finden, sich anderswo über die Tagesereignisse zu 
Kreisen der Bevölkerung erregen wirb, und kann unterrichten, das in unserer Volksbibliothek tun.
S ie  nur bitten, der Vorlage einmütig zuzustimmen. Also, meine Herren, wenn wir auch gern bereit 
E s handelt sich um ein Lokal, das an der Ecke sind, städtische M ittel für ideale Zwecke zur Ver­
"der Kaiserin-Augusta-Allee und Sömmeringstraße er- fügung zu stellen, und wenn wir auch.gern dem zu­
mietet werden soll in einem Hause, das dem Eigen­ stimmen, daß das —  wie z. B . die heutige Tages­
tümer S töh r gehört. Die Vorlage ist in der Fort- ordnung zeigt —  in vielfacher Weise geschieht, so 
bildungsschuldeputation eingehend geprüft worden. möchten wir doch hier die Frage, ob ein billiges und 
Die Deputation ist einmütig zu der Ansicht gelangt, sparsames Lokal gewählt worden ist, in dem Ausschuß 
daß die ausgesuchten Räume sich für den gedachten geprüft haben; wir möchten gerade bei diesem Punkt 
Zweck ausgezeichnet eignen würden. einmal wieder zeigen, daß überall in der Verwaltung 
Ich möchte noch betonen, daß als Neuerung für Sparsamkeit betätigt werden muß. Deshalb bitte ich S ie , unserm Ausschußantrage zuzustimmen.
die Zweigstelle eine Zeitungslesehalle eingerichtet 
werben soll. E s steht zu hoffen, daß auch diese neue 
Einrichtung in den Kreisen der Bevölkerung die weit­ Stadtrat Dr. Schmitt: Meine Herren! Ich
gehende Sympathie erfahren wird. Ich möchte S ie  würde S ie  bitten, nicht den Ausschuß, der beantragt 
also ersuchen, der Vorlage zuzustimmen. ist, einzusetzen, sondern die Vorlage anzunehmen, wie sie Ih n en  vorliegt. E s ist der P re is  bemängelt 
worden, der bezahlt werden soll. S ie  ersehen aus der 
Stabtb. Dr. Liepmann: I m  Namen meiner Vorlage, daß man nicht so drauf los das Lokal ge­
Fraktion werde ich Ih n en  vorschlagen, die Vorlage 
an einen Ausschuß von 11 M itgliedern zu über­ wählt hat, sondern daß man mehrfache Angebote ent­
weisen. gegengenommen und unter diesen ein gut gelegenes und gestaltetes Lokal gewählt hat, wie es für unsern 
Zweck notwendig ist. M an hat aber auch darauf 
(Rufe: Ach!) Rücksicht genommen, nicht etwa das teuerste Lokal 
zu wählen. S ie  sehen, daß in den Angeboten ein 
J a ,  meine Herren, ich werde Ihnen  gleich sagen, M ietszins von 18 bis 22 M für den Quadratm eter 
warum. Der Grund hat eine gewisse prinzipielle gefordert wurde, und daß hier in  Wirklichkeit 16,50 Jl 
Bedeutung. Grundsätzlich stehen wir vollkommen bewilligt werden. Also die Rücksichten, die der Herr 
auf dem Boden der Vorlage. W ir finden auch, daß Stadtverordnete eben gewünscht hat, sind tatsächlich 
die Gegend, in  welcher das ausgesuchte Lokal liegt, genommen worden. D as Lokal ist, wenn ich es mit 
durchaus richtig gewählt ist; w ir finden aber nicht, unseren übrigen Bibliotheken vergleiche, tatsächlich 
daß das so oft und so freudig proklamierte Sparsam ­ ideal und gut gelegen. W ir können nur wünschen, 
keitsprinzip, von dem vorhin der Kollege Dr. F la tau  daß gerade jetzt, wo wir den ersten Schritt tun in die 
redete, bei der in Aussicht genommenen M ietung zur weiteren Arbeiterviertel jenseits der Spree hinein, 
Geltung kommt. W ir finden, daß ein P re is  von das Lokal auch so sei, daß die Bibliotheksverwaltung 
16,60 pro Quadratm eter in dieser Gegend unge­ dem Leser etwas bieten kann.
heuer hoch ist. W ir finden vor allem, daß es nicht N un ist noch ein zweiter Punkt berührt worden: 
notwendig ist, für eine derartige Lesehalle einen das ist die Zeitungslesehalle. Dabei herrscht kein 
Laden zu mieten, insbesondere einen Eckladen, Gegensatz; denn aus den letzten Ausführungen des 
wodurch sich ja dieser sehr hohe P re is  erklärt. I n  Herrn S tadtv . Dr. Liepmann geht ja hervor, daß er 
der besten Geschäftsgegend Berlins werden Geschäfts­ dasselbe wünscht, was wir zu tun gedenken. E s ist
        
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