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Periodical volume 19. Juni 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

272 Sitzung vom 19. Juni 1912
meine Herren von den Liberalen, den richtigen des großen Komitees die voy H errn S tabil).
Schluß daraus ziehen, dann können S ie  weiter nichts Dr. frentzel gekennzeichneten Aufgaben als diejenigen 
tun, als glatt die Vorlage ablehnen. E s wird sich der Spende bezeichnet worden, und zum Zwecke der 
ja herausstellen, ob auch hier Worte und Taten bei Unterstützung gerade dieser Aufgaben, vor allem der 
Ih n e n  übereinstimmen. M eine freu n d e  werden ge­ Forderung der Technik auf diesem Gebiete, der Unter­
schlossen gegen die Vorlage stimmen. stützung der Flieger und ihrer etwaigen H inter­
bliebenen, har der M agistrat die Vorlage Ih n en  
Stabtb. Dr. Flatau: M eine H erren! Ich be­ gemacht.
baute, daß der M agistrat der Vorlage keine Angaben M eine Herren, den A usführungen teils ab­
über die Hohe der von anderen Stadtverw altungen lehnender, teils skeptischer N atu r der Herren Richter 
und vielleicht auch —  was ja gewiß interessiert hätte und Dr. F la tau  gegenüber ist es ja sehr schwer, irgend­
—  von anderen Selbstverwaltungskörperschaften, wie zu debattieren. Wenn S ie  irgendwo eine Kollekte 
etwa von den großen l ä n d l i c h e n  K r e i s  b e - zu zeichnen haben, so wird die Entscheidung darüber, 
H ö r d e n  gemachten oder geplanten Spenden zu dem ob S ie  10 oder 20 J t  oder wieviel immer zeichnen 
angegebenen Zwecke beigefügt hat. Einige meiner sollen, eine reine Gefühlssache sein.
Freunde sind, wie ich, der M einung, daß dem Zwecke 
der M agistratsvorlage ganz gut unter stärkerer Be­ (S eh r richtig!)
rücksichtigung der Finanzlage unserer S ta d t und des 
von uns allen —  im M agistrat wie in der S tad t- E s ist gar nicht zu sagen, ob w ir nicht m it 10 000 J t  
vertretung —  so oft und so freudig proklamierten auch unseren Verpflichtungen entsprechen würden.
S p a r s a m k e i t s p r i n z i p s  genügt werden 
könne. Ich  halte eine Herabsetzung des in der V or­ (S eh r richtig!)
lage geforderten Betrages für durchaus angebracht.
E s  läßt sich gar nicht verkennen, wie auch unser E s  kommt eben lediglich darauf an, m it wie warmem 
Kollege Dr. Frentzel ausgeführt hat, daß der Zweck Herzen man bei der Sache ist.
der Vorlage doch n u r in einem außerordentlich losen 
Zusammenhange m it den eigentlichen Aufgaben und (Wiederholte Zustim m ung und Zurufe.)
den eigentlichen Bedürfnissen einer S tadtverw altung 
steht. Ich  meine, wenn einmal m it dem P rinzipe der Jeder von uns wird ja eine Kollekte schon gezeichnet 
Sparsamkeit Ernst gemacht, wenn dieses einmal aus haben. W enn nun jeder dabei erst alle Seiten  um­
dem Bereiche der theoretischen Sym pathien in die T at blättert und nachsteht: was hat der gezeichnet, was 
umgesetzt werden soll, dann wird man gerade bei der­ hat der gezeichnet —  und nun  einen M aßstab für 
artigen mehr repräsentativen Ausgaben den Anfang seine eigene Beteiligung herausklügelt, dann wird sie 
machen müssen: man wird gerade bei solchen mehr immer sehr kläglich ausfallen. D as steht nun einmal 
repräsentativen Ausgaben sich einer gewissen B e­ ganz sicher fest. Wenn man also nicht sagt: hier ist 
scheidenheit befleißigen müssen. E s  gibt ja  Zeiten, ein würdiger Zweck und hier m ußt du einmal auch 
wo eine S tadtverw altung sich die P o litik  der offnen etwas über deinen persönlichen E ta t —  ich will von 
H and gestatten kann. Aber auch für unser C harlotten­ diesem Beispiel ausgehen —  leisten, selbst auf die Ge­
burg m it seiner günstigen und soliden Finanzlage ist, fahr hin, daß du dich einer gewissen Einschränkung 
seitdem einmal der Zweckverband geschaffen ist, diese nachher in  anderen Ausgaben unterziehen m ußt — , 
Z eit endgültig vorüber. W ir werden auch bei dann kommt aus jeder derartigen Sam m lung, ob sie 
solchen an und für sich sympathischen Aufgaben —  ich im kleinen oder großen veranstaltet wird, nichts her­
betone, daß ich dem Zwecke der Vorlage rege S y m ­ aus. W enn S ie  erst abwarten wollen: w as zahlt denn 
pathien entgegenbringe —  uns doch einmal bescheiden eine andere Gemeinde, w as zahlen die ländlichen Ge­
und uns nach der Decke strecken müssen. meinden? —  wenn sich jeder erst nach seinem Nachbar 
M it Rücksicht hierauf beantrage ich, den Betrag richten will, "was soll dann herauskommen! H ier 
in der M agistratsvorlage von 20 000 JH auf muß man m it einer gewisien Begeisterung handeln, 
10 000 J t  herabzusetzen. und wenn der A ufruf und die Sache Ih n e n  die B e­
geisterung nicht einimpfen können, eine Debatte jetzt 
Bürgermeister M ailing: M eine Herren! Der hier über das M aß  der Beteiligung auf dieser und 
S in n  und die Bedeutung der Vorlage w ird Ih n e n  ener S e ite  w ird diese Begeisterung wahrhaftig nicht 
vielleicht am richtigsten und glaubhaftesten dargestellt entfachen.
durch die Schilderung der historischen Entwicklung. 
Wenn die Herren die Akten einsehen werden, so (S eh r gut!)
werden S ie  finden, daß die erste Id ee  der Beteiligung 
an dem Flugwesen eine ganz andere war, nämlich die, M eine Herren, ob es nicht noch dringendere A uf­
daß die verschiedenen S täd te  durch die Hergabe einer gaben gibt a ls die Unterstützung der nationalen F lug- 
Sum m e von je 20 000 JH Flugfahrzeuge m it ihren pende, das steht natürlich auch sehr dahin. Selbst­
Namen bezeichnet stiften sollten, um  sie dem Kaiser verständlich gibt es unm ittelbarere Aufgaben, von 
bzw. der M ilitärverw altung zur Verfügung zu stellen. denen w ir leben, m it denen w ir uns täglich be- 
Diese Id ee  fand von vornherein im M agistrat chäftigen müssen. Ich  kann mich aber auch vieler 
keinerlei besondere Begeisterung und die Sache wurde, Leistungen entsinnen, die in  dieser Versammlung 
wie die Akten ergeben, auf sich beruhen gelassen, bis willigste Zustimmung gefunden haben und doch 
schließlich durch die G ründung dieses Komitees und vielleicht weniger dringend waren als manche Leistung 
die Aufrufe, die nunmehr in  ganz anderer Form  bfd unserer E ta ts , die dort n u r notdürftig erfüllt wird. 
Ziele der Spende klar legten, die Sym pathie auch des Auch das ist ja  natürlich etwas vollständig Unwäg­
M agistrats hervorgerufen wurde. E s  sind au s­ bares. W ir haben ja bei mancherlei anderen Fragen 
drücklich —  und es genügt, glaube ich, vollständig, die Abstufung der Dringlichkeit wiederholt erörtert, 
wenn die Vorlage darauf hinweist —  in dem Aufrufe natürlich immer m it negativem Ergebnis: der eine
        
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