Path:
Periodical volume 19. Juni 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

270 Sitzung vom 19. Juni 1912
besonderen Schwierigkeiten begegnen. E s  darf  aber D ie  M agis tra tsvo r la ge  besitzt m einer Ansicht nach 
nicht vergessen werden, daß die wirtschaftliche Lage nicht gerade eine große W erbekraft;  sie ist so allge­
unserer P i lo te n  noch sehr wesentlich der Besserung mein  und  unbestim mt gehalten, daß  m an  dasjenige, 
bedarf. Unsere F lieger, und  ganz besonders die a u s  w a s  einen großen T eil  m einer  F re u n d e  zur  A nnahm e 
dem Zivilstande, befinden sich fast a u s n a h m s lo s  in der V orlage bewegt, nicht a u s  ihr herauslesen kann. 
einer gewissen Abhängigkeit von den Fabriken  für W ir  finden zw ar  auch in  der M agis tra tsvo r la ge  einen 
F lugzeuge, und ihre E in n a h m e n  stehen in feinem H in w e is  auf  K u l iu rau fgaben ,  die diese N a t io n a l f lu g ­
V erh ä l tn is  zu dem Gefahrenrisiko, dem sie sich d a u ­ spende erfüllen soll; aber bei diesem H in w e is  begnügt 
ernd in A u sü b u n g  ihres  B e ru fes  aussetzen. A u s  m a n  sich und verweist im übrigen aus die A nlagen . 
eigenen M i t t e ln  A ufw endungen  fü r  sich und  ihre W i r  finden den H in w e is  auf  die Verbesserung der 
F a m i l ie n ,  für die F o lg en  der noch im m er in  so Verkehrsverhältnisse, die durch die Vervollkom m nung 
großer  Z a h l  bedauerlicherweise ein tre tenden Unglücks­ der F lugzeuge  erreicht werden kann, ein Ausblick, der 
fälle zu machen, ist ihnen unmöglich. P r i v a t e  SP e  - in jedenfalls doch noch sehr ferne Z e i t  füh r t  und  
sicherungsgcsellschaften aber lehnen solche Risiken ab augenblicklich noch rein  theoretisch ist. Nicht dem 
oder übernehm en sie doch n u r  zu unerschwinglich R a u m e  nach, wohl aber dem gedanklichen W erte nach 
hohen P r ä m ie n .  W enn  m a n  nun  das  Versicherungs­ steht im  V o rderg run d  der M ag is tra tsvo r la ge  d e r  
wesen überhaup t  a ls  eine der vornehmsten Aufgaben H i n w e i s  a u f  d i e  K r i e g s z w e c k e ,  d e n e n  
a u f  dem Gebiete der sozialen Fürso rge  betrachtet, so d i e  N a t i o n a l f l u g s p e n d e  d i e n e n  s o l l ,  
besteht hier zweifellos eine unabw endbare  P flicht zum der H in w e is  darauf ,  d a ß m a n a u s d e m  F l u g ­
Schutze der F lieger. f a h r z e u g  e i n e  V e r t e i d i g n  n g s -  u n d  
M eine  H erren!  E s  ist eine große Z ah l  von e i n e  A n g r i f f s w a f f e  im F a l le  eines Krieges 
deutschen S tä d te n  u n s  —  lassen S i e  mich sagen —  schmieden will. E s  sind m einer  Ansicht nach auch 
m it  gutem Beispiele vorangegangen, es sind n a m ­ diese A u sfüh run gen  noch besonders dadurch u n te r ­
hafte B eträge  der N ationalf lugspende von deutschen strichen, daß  m an  auf  d as  konkurrierende Beispiel a n ­
S t ä d t e n  zugewendet worden, und  es ha t  sich auch hier derer L änder ,  insbesondere Frankreich, hinweist, und. 
in der P r o v in z  B ra n d e n b u rg  un te r  F ü h ru n g  des es ist ja bekannt, daß die ganze große Bewegung, die 
Reichskomitees ein Ausschuß gebildet, dem w iederum  in Frankreich fü r  die Aviatik  eingesetzt hat, ihren 
ein Ausschuß für  die S t a d t  C h ar lo t tenb urg  sich a n ­ U rsprung  und  ihre letzten G rü n d e  in  der H offnung  
gliedert, dem die von u n s  erbetenen 20  0 00  J1 über­ hat ,  wenigstens aus einem Gebiete eine gewisse S u p e -  
wiesen werden sollen. r io r i tä t  fü r  den F a l l  eines K rieges  vor anderen N a t t - '  
M e ine  H erren!  E s  handel t  sich h ier u m  eine onen, insbesondere vor  Deutschland, zu haben. M a g  
Volksspende zu r  F ö rd e ru n g  des für  unsere V olks­ m an  n un  glauben, daß  solche Bestrebungen patriotisch, 
wirtschaft zweifellos bedeutungsvollen  F lugw esens.  ideal und  weise sind, m ag  m a n  auch m i t  m ir  der 
E s  soll m i t  der N ationalslugspende der W elt  ein B e i ­ Ansicht sein, daß  ein großes  Volk, welches d e n  
spiel gegeben werden deutscher E inm ütigke i t ,  deutscher F r i e d e n  w i l l ,  sich am  besten für  den K rieg  d a­
V ate r lands l iebe  und  Opferfreudigkeit. D a s  deutsche durch rüstet, daß es alle seine K räfte  anspann t,  u m  
Volk ist vor  eine große na t io na le  Aufgabe gestellt, der möglichst gerüstet dazustehen, m ag m a n  diese Ansicht 
es —  so hoffen w ir  —  hinblickend auf  d as  republika­ b is  zum letzten teilen, so w ird  doch keiner au f  die 
nische Frankreich, sich hoffentlich gewachsen zeigen I d e e  kommen, daß  die V e r w i r k l i c h u n g  d i e -  
w ird . e r J d e e n A u f g a b e k o m m u n a l e r T ä t i g -  
( S e h r  richtig!) e i t s e i n  k a n  n  u  n  d s e i n  w i r  d. D a s  ist u nd  wird  im m er Aufgabe des Reiches und  der Reichsbe- 
E s  g ilt, zu beweisen, daß  in  einem solchen Augenblick hörden, also insbesondere der Reichsregierung u nd  
alle Unterschiede der P a r te ie n ,  der Konfessionen und  des Reichstags bleiben müssen und  bleiben, die allein 
der sozialen Schichtungen verschwinden müssen. H el­ d arüber  u rte ilen  können, welche K räfte  der N a t io n  
fen w ir  hierzu, meine H erren , seien w ir  nicht kleinlich, ü r  diese Zwecke verfügbar  sind, und  in  welcher Weise 
feilschen w ir  nicht, bewilligen w ir  diese 20 0 00  Jt\ ie richtig und  zweckmäßig angew and t werden. W ürde  
I c h  bitte S i e ,  die V orlage  des M a g is t r a ts  an z u ­ also dieser H in w e is  au f  die Kriegszwecke der einzige 
nehmen. G ru n d  sein, den m a n  fü r  die V erw endung  unserer 
( B ra v o ! ) M i t t e l  an führen  könnte, so w ürden  a lle rd ings  wohl n u r  sehr wenige M ä n n e r  u n te r  m einen F re u n d e n  fü r  
Stadtv. Dr. Frenhel: M e ine  H erren , die H a l ­ die B ew il l igung  der 20  000  J! e inzutre ten  geneigt 
tung , die meine F re u n d e  dieser V orlage gegenüber sein.
einnehmen, ist keine einheitliche. A ber  auch die­ Indessen  gibt es —  und  der H e r r  R eferen t  hat 
jenigen, die ihr am wohlwollendsten gegenüberstehen d as  sehr klar ausge füh r t  —  doch eine ganze R eihe 
und  die schließlich zu demselben E rgeb n is  kommen wie von G rü n d e n ,  die einen großen T e i l  —  ich glaube, 
der H e r r  Referen t und  die volle vom M a g is tra t  ge­ es w ird  die M ehrh e i t  m einer  F re u n d e  sein — , wie 
forderte S u m m e  bewilligen wollen, schöpfen den bereits  gesagt, dazu bestimmen werden, die 20  000  Jf 
G ru n d  zu diesem Vorgehen, die Berechtigung zu die­ anzunehm en, und  diese G rü nd e ,  diese V e rw e n d u n g s­
ser B ew il l igung  nicht etwa a u s  der M ag is tra tsvo r lage  zwecke der F lugspende sind im  wesentlichen die — ' 
selber, sondern sie ziehen G rü n d e  zu diesem ihrem um  sie im  allgemeinen m i t  einem N a m e n  zu be­
Vorgehen heran , die sich zum  T e i l  m i t  den A u s fü h ­ zeichnen —  K ultu rau fgaben , die w ir  d a r in  sehen, daß 
rungen  des H e r rn  Referenten  wenigstens in  dem die zusammengebrachten G elder  zu r  Vervollkomm­
ersten T eile  seines R efe ra ts  decken. D e n n  meine nung  der Technik, in erster L in ie  der Flugtechnik, 
F re u n d e  sind ziemlich übereinstimmend der Ansicht, dienen sollen. W ir  wissen, daß jene Vervollkomm­
daß  die M ag is tra tsvo r la ge  in keiner Weise den B e ­ nung  der Technik, alle S tu d ie n ,  die in  irgendeinem 
w eis  erbracht hat, daß  es sich hier um  eine A nge­ Z w eig  der Technik aufgewendet werden, befruchtend 
legenheit handelt, die a u s  kommunalpolitischen, a n s  und  erweiternd auf alle Zweige der Technik wirken. 
städtischen M i t t e ln  unterstützt zu werden verdient. S o  w ird  hier tatsächlich durch weitere K e n n tn is  d as  
ideelle N atio na lv e rm ö gen  vergrößert  und  verbreitert  
(S t a d tv .  Zietsch: S e h r  richtig!) werden können.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.