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Periodical volume 19. Juni 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

268 Sitzung vomi 19. J u n i 1912
werden w ir alle beistim m en —  in  einen Truck derr  Schließlich ist gesagt w orden: in G roßbe ilin  
L ehrer au f die S chüler au sa rten , sich von ihneni  w ird  jetzt eine neue S chu lo rgan isation  geplant, und 
P riv a tu n te rr ic h t geben zu lassen. I m  vorliegendeni  es w äre befremdlich, w enn w ir u n s  u n m itte lb ar vor-
F a lle  aber, m eine H erren , ist es ja  etw as ganz a n ­- her au f eine andere O rgan isa tion  einlassen w ollten. 
deres: nicht, daß die L ehrer es verlang t hätten ,,  Nun, m eine H erren , ich habe ja  die Ehre, an  den 
sondern m ir; sie werden von u n s  gezwungen, ihrent  V orberatungen  m itzuw irken. E s  ist in  den S ehrp lan - 
Schülern  Nachhilfe zu erteilen. G lauben  S ie  nicht,,  konferenzen sehr stark gearbeitet w orden; fast jede 
daß alle L ehrer die doch n u r  m it 2 J l  besoldeteni  Woche finden ein p aa r  S itzungen statt, und die Be- 
S tu n d e n  so gern geben. E in e  ganze A nzahl würde:  ra tungen  sind noch nicht abgeschlossen; aber so weit, 
G elegenheit haben, an  der Fortbildungsschule, ani  glaube ich, kann m an es doch schon übersehen, daß die 
P rivatschulen , an  der Kunstgewerbeschule u . a. viell  O rgan isa tion , welche h ier in  C harlortenburg  getroffen
besser besoldete S tu n d e n  zu geben, und sie würben das-  w orden ist, dadurch nicht berüh rt werden w ird . Ich  
vorziehen. A ber w ir stehen au f dem S ta n d p u n k t: wenni  glaube, nach der Ricknung hin kann ich, ohne indiskret 
es schon unvermeidlich ist, daß die K räfte  der Lehrer'  zu sein, den H errn  S tad tv e ro rd n e ten  beruhigen.
zu r E rte ilung  von N achhilfeunterricht in  Anspruchi 
genom m en werden, so ist es am  zweckmäßigsten, daß S ta d tv . Schw arz: D er H err S tad tschu lra t sagt: 
sie denjenigen zugute-kom m en, fü r die der L ehrer in  E s  w äre ein I r r t u m  von m ir, daß es 40  %  sein 
allererster L in ie  zu sorgen h a t: seinen eigenen m üßten . Ich  bitte, m ir  einen Augenblick' G ehör zu 
S chülern . W ir haben es fü r notw endig erachtet, den schenken, um  festzustellen, au f welcher S e ite  der I r r ­
Schülern  der Gemeindeschulen beizuspringen, indem  tum  ist. A uf S e ite  230 heiß t es im  Schlußsatz:
w ir P riv a tu n te rr ic h t einführten, und da haben w ir T ie  übrigen 1596 K inder genossen z. Z . der 
gem eint: gerade der Klassenlehrer ist dazu der geeig­ Um frage im F eb ru a r 1911 noch N achhilfeunter­
netste, er weiß am  besten, w ann und in  welchem U m ­ richt. Auch von ihnen konnte beim S em ester­
fange Nachhilfeunterricht notw endig ist, und er w ird schluß noch eine größere A nzahl m it befriedi­
auch wissen, w ann  es möglich ist, das K ind a u s  dem gendem E rgebn is au s  dem Nachhilfeunterricht 
Nachhilfeunterricht w ieder zu entlassen. G erade im  entlassen werden, doch steht eine genauere 
In teresse einer sparsamen W irtschaft w ird es liegen, Z ahlenangabe nicht zu r V erfügung.
daß der Klassenlehrer diesen U nterricht übern im m t. A uf S e ite  231 w ird  fortgefahren : „V on  diesen 
letzteren". „V on diesen letzteren" kann also entweder 
D ie  Ansichten der L ehrer festzustellen, hatten  sich beziehen auf die größere Z ah l un ter diesen 1596 
w ir  eine besondere V eranlassung. E s  lag eine P e t i ­ K indern , oder auf die 1596 K inder. B ezieht es sich 
tio n  des R ektorenvereins vor, daß der N achhilfeunter­ auf diese, so sind 631 fast 40 % ; bezieht es sich aber 
richt in  der gegenw ärtigen F o rm  abgeschafft werden au f jene T eilzahl, dann  sind 631 K inder ein noch 
sollte: Diese P e ti t io n  nö tig te  u n s , einm al zu u n te r­ höherer Prozentsatz a ls  40 % , in  keinem F a lle  aber 
suchen. wie m an denn im  allgem einen in  den L ehrer­ n u r  4 % .
kreisen darüber denkt. S o  haben w ir denn an  säm t­ D er H err S ch u lra t h a t u n s  dann  gesagt, die 
liche S chulle iter und an  sämtliche Lehrer, die dabei Kosten für den N achhilfeunterricht seien erheblich. Ich  
beteiligt gewesen sind, eine A nfrage gerichtet. Ich  habe ein K uriosum  festzustellen. I m  vorletzten Absatz 
glaube wohl, bei einer neuen Sache w ird  die V er­ au f S e ite  233 heiß t es:
w altu n g  gu t tun , sich so g u t a ls  möglich zu in fo r­ D ie  G esam tausgabe fü r den N achhilfeunter­
m ieren. A u s den Tausenden von Ansichten, die d a­ richt der evangelischen N orm al- und L-Klassen 
m a ls  zu u n s  gekommen sind, haben w ir so manches V I  und V , sowie in  den N orm al- und D K las­
lernen können, und ich glaube, w ir werden von Z e it sen I V  und I I I  der westlichen Schulen —  irt 
zu Z e it w ieder einm al anfragen müsien —  n u r  nicht welchen d am als allein  N achhilfeunterricht er­
allzu viel. te ilt werden durfte —  betrug 44 739 Jl.
E s  handelt sich um  das E ta ts ja h r  1910/11. N u n  be­
D em  H errn  S tad tv e ro rd n e ten  sind w ir  auch m it träg t der Js tb e trag  in  K ap ite l III des O rd in a r iu m s  
der Fürsorge fü r die K inder zu weit gegangen. fü r  das J a h r  1910 57 679 Jl,, also 12 940 J l  m ehr, 
D ie  S u m m e —  das gebe ich zu — , welche w ir  fü r a ls  hier angegeben ist. D e r Js tb e trag  fü r 1909 be­
den Nachhilfeunterricht eingestellt haben, ist ja  nicht träg t a llerd ings n u r  38 896 J l ; aber selbst noch die 
unerheblich, und  es ist durchaus anzuerkennen, wenn halbe S u m m e der beiden Zahlen , d. H. der D urch­
eine S tad tgem einde so große A ufw endungen fü r  die schnitt der beiden E ta ts ja h re  1909 und 1910, n äm ­
S chü ler macht. Aber, m eine H erren, ich glaube, es lich 48 000 Jl, ist noch um  3261 J l  höher a ls  die 
handelt sich doch um  ein recht großes P ro b lem . W ir hier angegebene S u m m e, trotz der früher geringeren 
haben es alle bedauert —  in  vielen B era tungen  ist G egenleistung. D a s  ist ein K uriosum .
d as  zum  Ausdruck gekommen — , daß früher ein so Ich  kann nicht auf alles eingehen, w as der H err 
geringer T eil unserer Gemeindeschüler das Z ie l der S tad tschu lra t gesagt hat. Ich  möchte ganz kurz zu­
Schule erreichte. I m  allgem einen pflegt m an  doch sammenfassen. E s  sind zwei P unk te , die u n s  vor 
eine Schule danach zu beurteilen, ob die K inder auch allen D ingen  zu beschäftigen haben. D ie eine F rag e  
das erreichen, w as sich die Schule a ls  Z ie l gesteckt h a t; ist die hygienische F rag e . D en n  die Lehrer der 
und  wenn n u r  die H älfte dieses Z iel erreicht, so ist L-Klassen haben gesagt, daß die Schüler derselben, 
d as  ein  sehr bescheidenes R esu lta t —  und w ir w aren die gesund geworden sind, auch in  N-Klafsen m it­
im m er so stolz au f unsere Schule! W enn w ir die kommen. W ir müssen also vor allen D ingen  die 
Gemeindeschule dazu bringen könnten, daß die große K inder gesund zu machen suchen. W ir müssen des­
M ehrheit der S chü ler das Z ie l der Schule erreicht, halb statistisch feststellen: ist durch den Nachhilfe­
bann , glaube ich, w ürden die etwa 100 000 Jl, welche unterricht etw as gegen die G esundheit der K inder 
es kostet —  denen aber au f der andern  S e ite  gewisse geschehen? Diese Feststellung ist nicht gemacht w or­
Ersparnisse gegenüber stehen — , doch gu t aufgewendet den. D ie S icherung der G esundheit der K inder er­
werden. B ei 26 000 Schülern  ist eine S u m m e von scheint m ir  auch pädagogisch a ls  der Hauptgesichts­
100 000 J l wohl doch nicht zu hoch. punkt; denn un te r allen den A rten  der D ifferenzie-
        
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