Path:
Periodical volume 5. Juni 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung born 5. Juni 1912 261
dern M al wegen der absoluten Unsymmetrie der Ich stimme ihm in einem anderen Punkte da­
Bäume. Die Bäume stehen so außerordentlich ver­ gegen sehr zu, nämlich darin, was das Ende seiner 
schieden von einander entfernt, daß es keinen schönen Rede war, die 1500 Ji zu erhöhen. Das hat ja die 
Anblick gewähren würde, wenn sie m it Ranken ver­ Parkdeputation auch gewünscht. W ir wären viel 
sehen würden. lieber mit noch höheren Anträgen an sie herange­
Was den Kies betrifft, so ist die Wegeunter­ gangen. Ta es sich aber um Versuche handelt, haben 
haltung nicht eine Angelegenheit der Parkverwaltung. w ir uns m it den 2500 Ji beschieden. Tie Park- 
Run handelt es sich noch darum, ob w ir die linke deputation wäre auch sehr dankbar, wenn sie be­
Seite bepflanzen sollen. Ja, meine Herren, um die w illigt worden wären. M ir  persönlich — und ich 
linke Seite —  oder die südwestliche Seite —  der glaube, auch im Namen der übrigen Mitglieder der 
Berliner Straße bepflanzen zu können, dazu wäre in Parkdeputation zu sprechen — wäre es viel lieber, 
erster Linie erforderlich, daß die Rasenflächen, die wenn die 1000 Jt von den 2500 Ji nicht gestrichen 
w ir in früheren Jahren auf der nordöstlichen Seite wären. Wenn die Versuche überhaupt zu einem 
bis zur Bordschwelle erweitert haben, zunächst auch Ziele führen, so wäre es sicher richtig, daß nicht nur 
verbreitert würden. Denn auf den ganz schmalen die eine Seite die Kästen erhält, sondern daß auch 
Rasenflächen, die fetzt auf der südwestlichen Seite stnd, die andere Seite bedacht wird. Das ist ein Punkt, 
können w ir schon aus ästhetischen Gründen unmöglich der so klar ist, daß sich Herr Kollege Zander dar­
diese vorgeschlagenen Kunststeinvasen bzw. Schalen über beruhigen kann: man wird nicht auf der einen 
aufstellen. Die Blumen in diesen Vasen oder Schalen Seite es machen und auf der anderen Seite nicht.
würden aber auch sehr wahrscheinlich nicht besonders 
gedeihen; denn gerade die südwestliche Seite liegt fast Oberbürgermeister Schustehrus: Meine Herren! 
den ganzen Tag im Schatten. Nun könnte ja später 
da auch ein Versuch gemacht werden. Ich möchte nicht, daß die stark übertriebene Schilde­
Ob aber überhaupt diese Schalen eine solche gute rung über die Minderwertigkeit der Berliner Straße 
Wirkung erzielen werden, wie w ir es hoffen, meine aus diesem Saale hinausgeht, ohne daß ihr ein nach­
Herren, das ist doch noch sehr die Frage; da muß zu­ drücklicher Widerspruch vom Magistratstisch aus 
nächst doch einmal ein Versuch gemacht werden. Ich entgegengehalten wird. Die Berliner Straße 
erinnere Sie daran, — und gerade diejenigen Herren, stammt aus dem alten Charlottenburg: sie ist seiner­
welche die Berliner Straße genau kennen, wissen es — zeit als Dorfstraße angelegt und als Dorfstraße über 
daß die Berliner Straße eine unzählige Anzahl von ein Jahrhundert hindurch gepflegt worden, und zwar 
Masten hat. Gerade diese elektrischen Masten er­ als eine schöne Dorfstraße, die mit breiten und 
schweren es so überaus, die Schalen symmetrisch oder schönen Alleen angelegt ist. Nun hat sich seit dem 
doch wenigstens in einer gewissen Symmetrie anzu­ Jahre 1870/71 Charlottenburg entwickelt, und zwar 
bringen. ganz anders entwickelt, als die Anlage der alten 
Ich möchte Sie also bitten: lassen Sie es ruhig Stadl Charlottenburg mit der Dorfstraße Berliner 
einmal bei den 1500 JI. W ir wollen ja in diesem Straße gedacht war. Die Entwicklung ist ganz andere 
Jahre nur einen Versuch machen. Gelingt der Ver­ Wege gegangen: sie ist nach dem Grunewald ge­
such, so wird die Parkdeputation und der Magistrat gangen; sie ist von Berlin aus von Osten gekommen 
mit einer erneuten Vorlage kommen. und nach Westen gegangen, und hat den Kurfürsten­
damm geschaffen und die Kantstraße und die B is­
Stadtv. Harnisch: Meine Herren! Ich möchte marckstraße. W ir haben naturgemäß der Entwick­
mich nur gegen die Aeußerungen wenden, die Herr lung des Verkehrs folgen müssen, wie er sich von 
Kollege Zander in vorwurfsvoller Weise gegen die Berlin aus durch Charlottenburg fort bewegte. W ir 
Parkdepuration gerichtet hat. Er begründete sie mit wären töricht gewesen, wenn w ir uns dagegen ge­
den Behauptungen, die ja von dem Herrn Stadtrat, stemmt hätten und wenn w ir versucht hätten, die 
dem Vorsitzenden der Parkdeputation, schon wider­ Berliner Straße zu einem Mittelpunkt des großen 
legt sind. Daraus, daß Herr Kollege Zander nicht trömenden Verkehrs zu machen. W ir wären nicht 
wußte, daß tatsächlich die Versuche schon zwei Jahre stark genug dazu gewesen. W ir mußten erfassen, 
stattgefunden haben, macht er der Parkdeputation was die natürliche Entwicklung verlangte. Die Ber­
den Vorwurf, daß sie nachlässig in der Sache vorgehe. liner Straße hat sich also infolge ihrer Lage nicht 
Im  übrigen sagt Herr Kollege Zander, daß die Park­ o entwickelt, wie w ir es wünschen. Ich bin der An- 
deputation auch gesagt hat, das wäre in der Berliner icht, daß sie sich überhaupt erst entwickeln wird, wenn 
Straße nicht nötig. Im  Anschluß daran gibt er der Stadtteil nördlich der Spree aufgeschlossen wird, 
allerdings bekannt, was die Parkdeputation be­ wenn erst ein Hinterland geschaffen wird, das kauf­
schlossen hat, nämlich daß sie den Magistrat ersucht, kräftige Bewohner hat.
ihr 2500 Ji. für die Berliner Straße zu bewilligen. 
Das ist doch zweifellos ein Widerspruch, den ich mir (Sehr richtig!)
nicht ohne weiteres erklären kann. Wenn jemand 
sagt: das ist nicht nötig, und gleichzeitig 2500 Ji Der Magistrat kann das nur fördern, und daß er 
bewilligt verlangt, dann kann doch eins nicht stimmen. es fördert, ersehen Sie daraus, daß er jenseits der 
Da positiv von der Parkdeputation 2500 JI ver­ Spree für W2 Millionen einen Teil der Jungfern- 
langt stnd, so kann sie eben nicht auf dem Stand­ Heide gekauft hat und Vorsorge getroffen hat, daß 
punkt gestanden haben, den Herr Kollege Zander ich der Stadtteil nördlich der Spree entwickelt. 
charakterisiert. Im  Gegenteil, die Mitglieder der Sehen Sie sich bei der regen Bautätigkeit in Char­
Parkdeputation werden mir bestätigen, daß wir uns lottenburg die Berliner Straße an: sie stockt; in den 
m it dem größten Interesse m it dieser Frage beschäftigt 13 Jahren, die ich hier bin, ist kaum ein neues Haus 
haben, und daß die allerweitgehendsten Vorschläge dort gebaut. Die Wähler der ersten Klasse wohnen 
gemacht worden sind. Also da ist Herr Kollege in den alten Villen. Daß die Leute nicht hierher 
Zander ganz entschieden auf dem Holzwege. ziehen, liegt daran, daß die Wohnungen nicht dem
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.