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Periodical volume 22. Mai 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

S itzung vom 22. Mai 19X2 243
haltlich späterer endgültiger Verrechnung zu folgendes Gespräch geführt, dessen Registratur von 
entnehmen. mir aufgenommen und von ihm ausdrücklich auf 
3. Das Anerbieten der Deutschen Opernhaus- seine Richtigkeit bestätigt worden ist. Sie lautet: 
Betriebs-Aktiengesellschaft vom 15. Mai 1912 Herr Direktor Dr. Dubislav erklärt sich zur 
wird unter Vorbehalt des Abschlusses eines Auskunft bereit und äußert sich wie folgt:
Nachtragsvertrages angenommen.) Die Ansprache ist in freier Rede gehalten 
worden; die in dem Zeitungsausschnitt durch­
Vertreter des Vorstehers Stabtu. Cito: Das strichenen Worte sind n ic h t ,  auch nicht ein­
Protokoll vollziehen heule die Stadtverordneten mal dem Sinne nach gesprochen worden;
Dr. Rothholz, Schwarz und Vogel.
W ir kommen zu Punkt 6 unserer Tagesordnung: (Hört! hört!)
Anfrage der Stadtverordneten Ahrens und Gen. betr. — die durchstrichenen Worte, die ich in seiner Gegen­
Ansprache in der Herderschule. —  Drucksache Nr. 151. wart durchgestrichen habe, sind die folgenden: „jene 
vaterlandslosen Gesellen", „Schämen und verachten 
Die Anfrage lautet: müßte ich mich", „Die Luft, die sie atmen, ist ver­
Is t  dem Magistrat bekannt, daß in der pestet". —
Herderschule bei der Entlassung der Abitu­ An Stelle der Worte „an einem Tische sitzen" 
rienten der Direktor Dr. Dubislav an die jun­ sind wahrscheinlich die Worte gebraucht wor­
gen Leute eine gegen die sozialdemokratische den: „Das Tischtuch ist zerschnitten". Er be­
Partei gerichtete Ansprache gehalten hat, und dauere, daß er die Worte „Das Tischtuch ist 
billigt der Magistrat diese Handlung? zerschnitten" oder ähnliche gebraucht habe. Die 
Fragesteller Stadtv. Gebert: Meine Herren! Ansprache sollte die Lebensprobleme noch ein­
W ir haben die Anfrage deswegen gestellt, weil fol­ mal kurz vor die Augen der abgehenden Schüler 
gende Notiz durch die Presse ging. Der Professor bringen. Zu dem sachlichen Inha lt bekenne er 
Dr. Georg Dubislav soll am 14. März bei der Ent­ sich im übrigen durchaus und habe es stets für 
lassung der Abiturienten folgendes ausgeführt haben: seine vornehmste Pflicht erachtet, in diesem 
M e i n e  l i e b e  n S c h ü l e r !  Z u m  Sinne auf seine Schüler zu wirken.
er s t en M a l  w e r d e n  a u s  d i e s e r A n - (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)
s t a l l  am h e u t i g e n  T a g e  A b i t u ­
r i e n t e n  e n t l a s s e n ,  d i e  n u n  i n  Seine sämtlichen Abiturienten haben ihm 
d as  L e b e n  t r e t e n  u n d  n i ch t  me h r  unter Bezugnahme auf die Indiskretion im 
i m S c h u t z e d e r S c h u l e  s t ehen.  D a s  „Vorwärts" eine Sympathieerklärung über­
ist e i n  e r ns t e r  u n d  b e d e u t e n d e r  sandt und die Veröffentlichung gemißbilligt. 
A u g e n b l i c k ,  u n d  da m echte ich Ich möchte nur noch einmal den Wortlaut so, wie er 
I h n e n  noch e i n m a l  an d a s  H e r z  von Herrn Direktor Dubislav anerkannt worden ist, 
l e g e n ,  daß g e r a d e  i n  der  G r o ß -  hier verlesen, damit gar kein Mißverständnis besteht: 
ft a b t  t a u s e n d  g r o ß e  G e f a h r e n  der  Meine lieben Schüler! Zum ersten M al wer­
j u n g e n  Me n s c he n  h a r r e n .  D a den aus dieser Anstalt am heutigen Tag Abi­
s i n d  v o r  a l l e n D i n g e n d i e S o z i a l -  turienten entlassen, die nun in das Leben 
d e m o k r a t e n ,  j e ne  v a t e r l a n d s ­ treten und nicht mehr im Schutze der Schule 
l o s e n  G e s e l l e n ,  d i e  d i e  h e i l i g -  stehen. Das ist ein ernster und bedeutender 
st e n G ü t e r  u n s e r e r  N a t i o n  v e r ­ Augenblick, und da möchte ich Ihnen noch ein­
acht en u n d  d i e  f ü r  d i e  T a t e n  u n d  mal an das Herz legen, daß gerade in der 
d as  Sc ha f f e n  u n s e r e r  V ä t e r  n u r  Großstadt tausend große Gefahren der jungen 
S p o t t  ü b r i g  haben.  Sc h ä me n  Menschen harren. Da sind vor allen Dingen 
u n d  v e r a c h t e n  m ü ß t e  ich mi ch,  die Sozialdemokraten, die die heiligsten Güter 
w e n n  ich m i t  e i n e m  S o z i a l d e m o ­ unserer Nation verachten, und die für die 
k r a t e n  an e i n e m  T i s c h  si t zen Taten und das Schaffen unserer Väter nur 
wü r d e .  D i e  L u f t ,  d i e  si e a t m e n ,  Spott übrig haben.
i ft v e r pes t e t .  . . . Die Worte „Schämen und verachten müßte ich mich" 
(Heiterkeit.) fallen weg:wenn ich mit einem Sozialdemokraten an 
Meine Herren, als w ir diesen Satz lasen, sagten einem Tisch sitzen würde.
w ir uns: ist das möglich, daß ein Professor einen Dafür ist das Wort: „Das Tischtuch ist zerschnitten" 
derartigen Satz sprechen, derartige Aussprüche tun oder etwas Aehnliches gefallen, d/ssen Anwendung 
könnte? Und w ir sahen uns veranlaßt, um solchen Herr Professor Dubislav selbst bedauert.
Berichten auf den Grund zu gehen, eine Anfrage Der Magistrat Hai sich dann am 27. April mit 
an den Magistrat zu richten, ob er es duldet oder dem Gegenstände beschäftigt und hat folgenden Be­
zugibt, daß ein bis dato ehrenwerter Lehrer und schluß gefaßt:
Direktor einer Anstalt einen solchen Ausspruch un­ Der Magistrat nimmt Lenntnis von der E r­
besprochen tun kann. W ir möchten von dem Magistrat klärung des Herrn Direktors 'Dr. Dubislav. 
wissen, in wieweit dies auf Wahrheit beruht, und in Der Magistrat nimmt von einer materiellen 
wiefern der Magistrat derartiges dulden will. Prüfung des Vorganges Abstand, da die An­
Bürgermeister Matting: Meine Herren! Es sprache bei der Abiturientenentlassung sich als 
war selbstverständlich die erste Aufgabe des Magi­ eine Maßnahme des inneren Schulbetriebes er­
strats, die Authentizität dieser im „Vorwärts" wieder­ weist und sie in der ermittelten Fassung zum 
gegebenen Rede festzustellen. Zu diesem Zwecke habe Einschreiten keine Veranlassung bietet.
ich mit Herrn Direktor Dr. Dubislav am 24. April t.Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)
        
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