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Periodical volume 22. Mai 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

230 Sitzung vom !2. Mai 1912
vielseitig, zunächst aus geistig-sittlichem Gebiet: hindern, daß die wenigen Arbeiter, die schließlich 
Schaffung und Erweiterung von Bildungs- Ihrer Partei noch nachlaufen, Ihnen abwendig 
gelegenheit durch Arbeiterbibliotheken, Arbeiter­ werden. Aber, meine Herren, ich kann Ihnen ver­
lesesäle, Borträge über allgemein bildende sichern, gerade in den Kreisen derjenigen Gewerk­
Gegenstände, Fachkurse zur beruflichen Weiter­ schaften, die Ihrer Parteirichtung nahestehen, gerade 
bildung, Ausgleichung der Fehler einer vernach­ in den Kreisen der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine 
lässigten Lehrlingsausbildung: sodann in wirt­ ist die Empörung über Ihre Haltung genau so vor­
schaftlicher Hinsicht: Verbesserung und Siche­ handen wie in den Kreisen der freien Gewerkschaften. 
rung der Lohnverhältnisse durch Abschluß fester Bei unseren Gewerkschaften, die uns nahestehen, denen 
Tarifverträge, Unterstützung bei Arbeislosigkeit, wir angehören, ist das nicht verwunderlich.
wenn sie infolge von .Konjunkturveränderungen 
oder technischen Umwälzungen sowie bei Streiks (Stadtv. Meyer: Ich denke, sie stehen Ihnen nicht 
und Aussverrungen eintritt, unentgeltliche Be­ nahe!)
ratung durch die Arbeilersekretariate, kostenlose 
Vertretung vor dem Reichsversicherungsamt — — Sie stehen mir sehr nahe, ich bin sogar M it­
usw.: ich will das nicht weiter lesen: nur den Schluß­ glied, Vertreter einer Gewerkschaft.
satz will ich Ihnen noch mitteilen:
Der erzieherische Wert und bildende Einfluß f Heiterkeit.)
der Gewerkschaften auf die Arbeiter wurde von 
den Unternehmern vielfach übersehen Davon, glaube ich, sind Sie alle schließlich in­
— ebenso wie von Ihnen, meine Herren — formiert, und der Zwischenruf ist meiner Ansicht 
oder nicht zugestanden, obwohl gerade diese nach, ich will nicht sagen sinnlos, aber zwecklos.
Seite der gewerkschaftlichen Tätigkeit, durch 
welche die Leistungsfähigkeit der deutschen Ar­ (Heiterkeit.)
beiter sehr gehoben und gefördert wird, auch den 
Unternehmern selbst zugute kommt. Wir haben noch nie abgestritten, daß wir den 
Das steht in den Berichten der württembergischen Gewerkschaften nahestehen; wir arbeiten darin mit, und 
Gewerbeaufsichtsbeamten vom Jahre 1907. Und dann wir wünschen, wie auch Herr Kollege Hirsch schon 
sagt ein Mann, der 3hnen jedenfalls auch nicht unbe­ sagte, nichts sehnlicher, als daß alle Gewerkschafts­
kannt ist, in bezug auf die Gewerkschaftsvertreter: mitglieder auch der politischen Bewegung sich widmen 
Ich bin von Leipzig mit der größten Hoch­ resp. der Sozialdemokratie beitreten.
achtung von den Männern geschieden, die sich 
jahraus, jahrein dieser Tätigkeit hingeben, und (Zurufe.)
es ist mir nicht zweifelhaft, daß sie an sich um 
das Vielfache geeigneter sind, Vereinbarungen — Wir haben es leider noch nicht erreichen können, 
über die Arbeitsbedingungen im Holzgewerbe, hoffen aber, mit Ihrer Mithilfe sehr bald dahin zu 
die den tatsächlichen Verhältnissen und der B il­ kommen,
ligkeit entsprechen und für beide Teile vorteil­
hafter sind, herbeizuführen als irgend ein (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten)
Schiedsrichter, weil sie eben die erfahrensten 
Sachverständigen sind. und wir hoffen fernerhin, daß auch die wenigen, die 
Das, meine Herren, hat Seine Erzellenz der unseren Reihen noch fernstehen, die wenigen fSirsch- 
Minister Berlepsch 1908 in der „Sozialen Vraris" Dunckerschen Arbeiter und die wenigen christlichen 
ausgeführt. Also. meine Herren, Sie sehen hier von Arbeiter, die es noch gibt, die noch Ihnen nachlausen, 
zwei Seiten Urteile, die wesentlich von dem Bilde ab­ aus Ihrer Haltung einsehen lernen, daß sie gründlich 
weichen, das hier die Kollegen Stadthagen und Roth­ auf dem Holzwege sind.
holz von den Gewerkschaften entworfen haben, Aber, meine Herren, ich glaube, alles das kann 
;i der Beurteilung dieser Vorlage ausscheiden,
lStadtv. Dr. Rorhholz: Gar nicht!)
(Stadtv. Erdmannsdörffer: Sehr richtig!)
und diese Urteile, meine Herren, sind dadurch zustande 
gekommen, weil die betreffenden Persönlichkeiten sich wenn wir uns darauf beschränken wollen, denen wirk­
eben mit den Gewerkschaften und ihren Einrichtungen lich zu helfen, denen sie zugute kommen soll. W ir 
beschäftigt haben. wollen der Arbeitslosigkeit abhelfen, der unverschul­
Wenn nun Herr Kollege Rothholz dazwischen deten Arbeitslosigkeit — Sie alle sagen es und be­
ruft, er hätte etwas Derartiges nicht gesagt, er hätte mühen sich, trotzdem Sie das Wort stets im Munde 
hier nicht zum Ausdruck gebracht, daß die Gewerk­ führen, nach Kräften, das, was der Magistrat vor­
schaften nicht förderlich seien für all das, was hier schlägt, zunichte zu machen! Ich habe Ihnen schon ge­
auch in der Vorlage gefordert wird. daß sie nicht unter­ sagt: die Vorlage enthält manches, was meine Freunde 
stützungsfähig seien, dann ist es aber. wenn er es auch gewissermaßen vor den Kopf stößt, und dem sie nur 
nicht wörtlich gesagt hat, durch alle seine Ausführun­ mit gewissen Bedenken zustimmen können — genau 
gen wie ein roter Faden hindurchgezogen. Meine so wird es bei Ihnen sein —, und wenn wir trotzdem 
Herren, das können Sie nicht abstreiten: Sie haben unser Bedenken ausschalten, so tun wir es lediglich aus 
sich in der Gesamtheit Ihrer Ausführungen darauf dem Grunde, um das Reformwerk, das hier geschaffen 
beschränkt, das, was hier den Gewerkschaften resp. werden soll, zustande kommen zu lassen, damit wir in 
ihren Einrichtungen zugute kommen soll, zu be­ dieser Richtung endlich etwas vorwärts kommen. Die 
kämpfen und alles das, was den Gewerkschaften feind­ Beratungen über diese Vorlage gehen hier in Char­
lich ist oder feindlich wirken muß, eben zu stärken. Das lottenburg schon viele Jahre hindurch, und wenn Sie 
können Sie nicht bestreiten. Sie mögen es ja be­ heute hier nicht endlich etwas Positives schaffen, dann 
streiten wollen oder es versuchen, um vielleicht zu ver- wird es dahinkommen, daß man sagt, daß Charlotten-
        
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