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Periodical volume 22. Mai 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

2 1 6 Sitzung vom 22. Mai 1912
daß  ebensogut den M itg l iede rn  aller anderen  V ere in i ­ A n nah m e  b e i d e r  V orlagen  eine Verwirklichung zu 
gungen diese Unterstützung zugänglich ist, und  daß erw arten  ist, und  daß, wenn  m a n  ihnen die F o r m  des 
die Selbsthilfe, die diese V ere in igungen  darstellen, doch sogenannten © en te r  S y s te m s  ausbricht, d ann  ein 
im allgemeinen eine sehr unterstü tzungsw ürdige M a ß ­ Torso übrig  bleibt, der nicht ohne Bedenken ist.
regel ist, und  daß bei den Gem einden  ein großes J n -  I c h  habe I h n e n  also n a m e n s  des Ausschusses zu 
terefse bestehe, diese A r t  der Selbsthilfe durchaus zu empfehlen, der M ag is tra tsvo r la ge  m it  den geringen 
fördern . Und überhaup t könne d as  Zusam m enw irken  V eränderungen , die der Ausschuß schließlich annahm , 
der S t ä d t e  m i t  allen diesen V ere in igungen, auch m it  beizutreten. S i e  finden in den P ro toko llen  eine vom 
den freien Gewerkschaften, n u r  günstige Fo lgen  ent­ M ag is tra t  offiziell abgegebene E rk lärung , wonach er 
wickeln. A ußerdem  könne d i e K o n t r o l l e  über  die von der Vorlage Abstand nehme, wenn die Z a h lu n g  
Notwendigkeit  der Unterstützung an  Arbeitslose n i r ­ von Zuschüssen an  B eru fsve re insm itg l iede r  abgelehnt 
gends besser aufgehoben sein, a ls  im  Kreise ihrer Fach- w ird . S i e  dürfen  glauben, daß  es selbstverständlich 
kollegen, welche das  meiste In te resse  und  V ers tändnis  nicht diese E rk lä rung  w ar,  die den Ausschuß zu einer 
d a fü r  haben, und  welche einen M ißbrauch  am  ehesten veränderten  S te l lu n g n a h m e  ve ran laß t  hat, sondern 
borbeugen werden. V o n  den G egnern  Ivurde gesagt, daß er die E rk lä rung  entgegengenommen hat ,  wie 
die B erufsve re in igungen  und  die Gewerkschaften M agis tra tse rk lä rungen  eben in  jedem S t a d i u m  der 
könnten ja den Weg der Gesamtversicherung be­ B era tu ng en  abgegeben werden können.
schreiten, der ihnen bei unserer städtischen A rb e i ts ­
losenkasse freigelassen ist, so gut wie den Arbeitgebern; 
wenn sie ihn n  i ch t b e f r e i t e n ,  so w ürden  andere r­ S ta d tv .  Dr. R o th ho lz :  M i t  den Em pfehlungen , 
seits wahrscheinlich die Arbeitgeber kein In teresse  die der H e r r  Referen t der V orlage  m i t  auf  den Weg 
haben, fü r  ihre Arbeiter  in  größerem Um fange die gegeben hat ,  kann m eine F ra k t io n  sich im  großen 
Gesamtversicherung zu veranlassen, da die U n te r ­ ganzen einverstanden erklären, n u r  ist sie in  ihrer 
stützungen der B eru fsve re in igungen  in der b isherigen M a jo r i t ä t  bei Schaffung  einer selbständigen C h a r ­
Weise fortbestehen. T i e  F re u n d e  der V orlage be­ lo t tenbu rger  Arbeitslosenkasse nicht fü r  die gleich­
ton ten  ferner, daß die S t a d t  auch vom S ta n d p u n k te  zeitige E in fü h ru n g  des G en te r  S y s te m s  zu haben.
der sozialen F ü rso rge  ein In te resse  an  einer wirk­ M e in e  H erren , zu dieser S te l lu n g n a h m e  sind 
samen Arbeitslosenunterstützung habe: es gelte, die w ir  nicht e twa durch V ore ingenom m enheit  gegen die 
besserbesoldeten Arbeiter  im  F a l le  der Arbeitslosigkeit Gewerkschaften gekommen, welchen, wie der H e r r  R e ­
wirtschaftlich nicht allzusehr sinken zu lassen. W enn  ferent schon ausfüh r te ,  der  g rößte  T e i l  der A rb e i t s ­
gelernte A rbei te r  verarm en, w ird  die Z a h l  der unge­ losenunterstützung nach dem G en te r  S ys te m  zufließen 
lern ten  vermehrt. würde. W i r  lassen es auch ganz dahingestellt sein, ob 
S o v ie l  über die allgemeinen G rundsäüe. Ich  es zweckmäßig ist, a u s  dem allgemeinen Steuersäckel 
d arf  auch annehmen, daß  S i e  sich die V erhandlungen  M i t t e l  aufzuw enden  fü r  M itg l iede r  von V ere inen , 
der ersten Lesung noch e inm al rekapitu lie rt  haben. die neben ihren wirtschaftlichen auch politischen B e ­
Ic h  m u ß  n u n  noch ganz kurz zu e in igen D e ­ strebungen nachgehen. W a s  u n s  zu unserm S t a n d ­
ta i l s  der V orlage  d a s  W o r t  nehm en. D e r  Ausschuß punkt geführt hat, ist n u r  der I n h a l t  der M ag is tra ts -  
hatte  in seiner vierten S itzung, wie S i e  au f  S e i te  184 Vorlage.
sehen, beschlossen, M eine  H erren , h ier in  E ha r lo t te n b u rg  sind nach 
den M ag is tra t  zu ersuchen, zu erwägen, ob es der S ta t is t ik  in  der Allgemeinen Ortskrankenkasse 
möglich ist, die Verstchcrungskasse m i t  einer B e ­ über  50 000  A rbe i te r .  Rechnen w ir  noch zu diesen 
stimm ung über Rückvergütung eines T e i les  der die D ienstboten  und  die Hausgewerbetre ibenden, 
eingezahlten B e iträge  im F a l le  der I n v a l i d i t ä t  d ann  u m faß t  C h ar lo t tenb u rg  ungefähr  60  000  A r ­
auszustat ten . beiter. A u s  der Aufstellung in  der Denkschrift, die 
B e i  den späteren V erh an d lun ge n  hat  sich der A u s ­ ich in  I h r e n  H än de n  befindet, und  die S i e  gewiß 
schuß nicht d am it  begnügt, d ies bloß a ls  Wunsch dem tud ie r t  haben, können S i e  ersehen, daß  bei den G e ­
M a g is t ra t  gegenüber auszusprechen, sondern ha t  es a ls  werkschaften in  C h ar lo t tenb u rg  ru n d  3000  A rbei ter  
Artikel 27 der zweiten V orlage ausdrücklich beschlossen. organisiert  sind, und  von  diesen 3000  A rb e i te rn  ist 
I c h  m u ß  ferner d a rau f  hinweisen, daß wiederholt n u r  ein  T e i l  gegen Arbeitslosigkeit versichert; z. B .  
ein A n t ra g  abgelehnt w orden ist, B a u a rb e i te r  während der V erband  der M a u r e r  und  der V erband  der b a u ­
der durch die winterliche W it te ru n g  bedingten A rb e i t s ­ gewerblichen H i l f sa rb e i te r  h a t  überhaup t  keine A r ­
losigkeit von der Unterstützung durch die S t a d t  a u s z u ­ beitslosenunterstützung e ingeführt.  Schon  dieses B ei-  
schließen. M a n  nahm  bei der A b lehnung  an , daß  ge­ piel zeigt I h n e n  —  w a s  ja ganz natürlich  ist — , 
nügende Vorsicht dadurch getroffen ist, daß von jedem daß  die Gewerkschaften die Arbeitslosenunterstützung 
Arbeits losen  der Nachweis von 48 B e i tragsm arken  in bei denjenigen B eru fen  einzuführen  angefangen 
jedem der beiden letzten J a h r e  verlangt w ird ;  wer haben, wo sie d a s  geringste Risiko voraussehen und  
48  M arken  nachweise, könne a l s  „regelmäßig  beschäf­ von denen sie voraussetzen konnten, daß  die A rbeite r  
t ig t"  angenom m en werden und ein A usfa l l  durch auch die B e i trags las ten  zu t ragen  imstande w aren.
S a iso n a rb e i t  nicht in  Betracht kommen. A llerd ings  Ich  verkenne gar  nicht, daß  die Gewerkschaften 
ist von diesem Nachweis in  V orlage  T nicht die Rede. au f  dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung G u te s  
M e in e  H erren , wenn  m a n  bei dem A ufw and  geleistet haben. A ber umgekehrt frage ich mich: I s t  
von langer  Arbeit , die in dieser Angelegenheit ge­ es denn richtig, daß gerade die bessergestellten A r ­
schaffen ist, wenigstens ein gewisses E rgeb n is  zustande beiter, diejenigen Arbeiter , die schon von  den G e ­
bringen will, m u ß  m an  sich au f  den S ta n d p u n k t  der werkschaften eine Unterstützung beziehen, im  F a l le  
M agis tra tsvo r la ge  und  des Beschlusses der zweiten des E i n t r i t t s  der Arbeitslosigkeit von städtischer S e i t e  
Lesung des Ausschusses stellen. Unsere ganzen Bestre­ noch weiter unterstützt w erden?  M e in e  H erren , nicht 
bungen im Laufe der J a h r e  gingen doch in der T a t  bloß u n te r  den Nichtorganisierten A rb e i te rn  w ürde 
d a rau f  h in au s ,  in  dieser Angelegenheit e tw as P o s i ­ ein solcher Beschluß U nzufriedenheit erregen, sondern 
t ives  zu leisten. Und es m u ß  anerkannt werden, daß auch bei den gewerkschaftlich organisierten. D e n n  
nach dem G ange der V erhandlungen  n u r  bei der nehmen w ir  bloß die B a u a rb e i te r  lseraus, die even-
        
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