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Periodical volume 8. Mai 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

200 Sitzung vom 8. Mai 1912
breiten. W enn der H err Kollege L iepm ann sagt: M eine H erren, m it Rücksicht auf diese wichtigen 
fa lls w ir u n s darauf versteiften, w ürden auch seine Gesichtspunkte müssen w ir darauf bestehen, daß sie 
F reunde dem zustimmen — , so m uß ich ihn schon m it aller K larheit und Schärfe hervortreten, und w ir 
b itten, u n s diese Z ustim m ung in der T a t auch zu ge­ müssen m it dem M agistra t sagen: diesen Schulen fü r 
w ähren. J a ,  w ir versteifen u n s  darauf —  ich spreche die G egenw art keinerlei F örderung , im Gegenteil die 
im  N am en des größten T e ils  m einer F reunde -— , ausdrückliche M itte ilung , daß sie eine F örderung  durch 
w ir müssen es, weil w ir volle K larheit haben wollen. die S ta d t  nicht zu erw arten haben. Aber auch, im  
W ir wollen m it dem M agistra t und m it Ih n e n  allen Gegensatz zum M agistrat, den Lehrerinnen, die an 
u n te r allen Umständen diejenigen Schulen treffen solchen Schulen am tieren, keine städtische V ergünsti­
und von jeder V ergünstigung sowohl fü r die Gegen­ gung fü r die Zukunft. Nehm en S ie  das Am ende­
w art wie fü r die A ltersversorgung ausschließen, ment M eyer an, das wortwörtlich n u r wiederholt, w as 
welche sich des Vergehens schuldig machen, dauernd in N r. I gesagt ist, um keine Unklarheit aufkommen 
Bevölkerungskreise auszuschließen, welche die Ueber- zu lassen, und nicht erst die Möglichkeit der M iß ­
Hebung besitzen, einen T eil der Bevölkerung von sich deutung, die durch den W ortlau t des Ausschuß­
fortzuweisen. W enigstens sollen sie dann durch an trages besteht.
städtische M itte l nicht unterstützt werden. D as  
müssen w ir dann m it aller K larheit und Bestim m t­ (B ra v o !)
heit zum Ausdruck bringen, und weil es bei der 
Fassung, die u n s der Ausschuß vorschlägt, die ganz T tad tv . Dr. B orchardt: M eine H erren! Ich
harm los klingt, möglich ist, daß sie so gedeutet w ird, m uß in  die schöne E inigkeit und H arm onie, die hier 
daß diejenigen Schulen, die eben n u r zum T e i l  zu w alten scheint, einen M ißklang bringen; denn 
jüdische Schülerinnen aufnehmen, diese V ergünstigung der hier von den V orrednern vertretene S tan d p u n k t 
doch erhalten sollen, und weil w ir denen das ebenfalls kann von m einen F reund en  durchaus nicht geteilt 
n i c h t  zuwenden wollen, deswegen bitten  w ir S ie , werden.
dem Am endem ent M eyer zuzustimmen. W ir müssen Zunächst stehen meine F reund e  der ganzen V o r­
bedingungslos dafür eintreten, daß die S ta d t  n u r lage ja m it etw as gemischten Gefühlen gegenüber. 
dann Unterstützung gewähren kann, n u r dann die p r i­ S ie  sind der M einun g : Privatschulen sind überhaupt 
vaten Mädchenschulen w eiter fördern kann, wenn sie vom Uebel. D a s  gesamte Schulwesen wollen meine 
solcher lästigen, solcher unerträglichen, solcher häß­
lichen Beschränkung sich enthalten. F reunde gern in  den H änden der S ta d t  sehen, und sie nehmen die Privatschule n u r a ls  einen nicht guten 
(S e h r gu t!) Notbehelf hin. V on diesem Gesichtspunkte au s  w ird es ihnen überhaupt schwer, fü r Zuw endung von städ­
Nach dem A ntrage des M ag istra ts , meine tischen M itte ln  an Privatschulen zu stimmen. S ie  
H erren, sollen die L e h r e r i n n e n  fü r ihr A lter, verhehlen sich nicht, daß dieses Uebel, das w ir keines­
gleichwohl an welchen Schulen sie wirken, eine V er­ wegs a ls  ein notw endiges Uebel anerkennen, dadurch 
günstigung erhalten, — nach dem W ortlau t des A u s­ noch wieder etw as gekräftigt und genährt w ird, so daß 
schußantrages w ürden es nicht bloß die Lehrerinnen das Absterben der Privatschulen etw as länger h in au s­
sein —  ich mache darauf aufmerksam — , sondern auch gezögert w ird, während meine F reunde gerade ein 
die Leiterinnen selbst. K önnen w ir auch sonst jede Verschwinden der Privatschulen und die Uebernahm e 
Rücksicht auf die von dem H errn S tad tschulrat so des gesamten höheren Schulwesens auf die S ta d t  
w arm herzig dargestellte N otlage mancher Lehrerinnen wünschen.
verstehen, so müssen w ir dennoch sagen: die Lehre­ M a n  kann ja fü r das Bestehen der Privatschulen 
rin nen  müssen eventuell auch m it O pfern  darau f be­
dacht sein (gerade sie, die so in telligent sind und so —  und hat es auch getan —  eine ganze Reihe von 
klar die Ziele unserer gesamten Volksbewegung G ründen  anführen, d a ru n te r auch solche, die sich 
kennen), sich m it solchen Schulen nicht zu iden tifi­ recht wohl hören lassen könnten, z. B . die B egrü n­
zieren, —  auch wenn sie noch etw as länger w arten dung, daß gerade das Privatschulwesen es erm ög­
muffen und im  Kampfe um s D asein Schwierigkeiten licht, daß auf dem Gebiete der Schule eine frische, 
haben. S ie  sönnen sich darauf verlassen: wenn im  fröhliche In i t ia t iv e  ergriffen w ird zu neuen Expe­
einzelnen F a lle  ein A ntrag  an die S tad tv erw a ltu n g  rim enten, die von B eam ten, von behördlichen Schulen 
herantreten sollte, Lehrerinnen, die etwa einm al an nicht so leicht ergriffen werden kann. W enn das auch 
einer solchen Schule gewesen und zu einer anderen ein A rgum ent ist, das m an zuweilen anführen kann, 
übergetreten sind, eine Anrechnung der früheren so w ird doch, glaube ich, niem and, der die V erhält­
D ienstsahre zu gewähren, daß dann keine Schw ierig­ nisse einigerm aßen kennt, gerade auf dem Gebiete 
keit gemacht werden w ird, da w ir niem anden schädigen des höheren Mädchenschulwesens in  C harlo ttenburg  
wollen, der aus solchem engherzigen Schulkreise her­ dieses A rgum ent fü r durchschlagend halten, sondern 
a u s tr it t . D ie  S ta d t  m uß fü r die g a n z e  Bevölke­ hier ist das Privatschulwesen ein sehr übler N o t­
rung, fü r alle einheitlich e in treten; und wenn w ir das behelf dafür, daß die S ta d t  nicht genügend, dem B e­
tu n , so werden w ir auf die Schulen einwirken, daß dü rfn is  entsprechend, höhere Mädchenschulen einge­
solche, m an kann wohl sagen, Schande nicht weiter richtet hat.
besteht, und daß Schulen bekämpft werden, welche im  M eine F reunde w ürden also am liebsten die 
T rüben  fischen wollen und einen engherzigen Gesichts­ V orlage ablehnen und, wenn es ginge, möglichst rasch 
punkt besonders hervorkehren, —  in  der Regel aus eine dem B ed ü rfn is  entsprechende A nzahl von höheren 
tiefstehenden m ateriellen G ründen . W ir wollen auch, Mädchenschulen durch die S ta d t  einrichten. Aber 
ohne Furcht, den konfessionalen H ader stärker zu en t­ w ir wissen, daß das so schnell, von heute auf m orgen, 
fachen, im Gegenteil auf diejenigen Elternkreise er­ nicht geht. W ir erkennen auch an, daß seit J a h re n  
ziehlich wirken, welche glauben, ihre K inder ge­ die städtischen Körperschaften durchaus bem üht ge­
rade in d i e  Schulen schicken zu müssen, welche kon­ wesen sind, auf dem Gebiete des höheren Mädchen­
fessionelle Rücksichten nehmen und an konfessio­ schulwesens schneller voranzuschreiten a ls  früher, daß 
nellen Einschränkungen festhalten. sie aber von heute aus. m orgen das nicht abändern
        
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