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Periodical volume 17. April 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

190 Sitzung vom ] 7. April 1Ö12
Das Grundstück ist 83 rn an der Straßenfront nimmt, daß dorthin mehr und mehr Realschulen ge­
breit und wird also ungefähr 120 m in der ganzen hören. Daß die Oberrealschule in der Nähe ist, 
Tiefe haben. Wenn wir nun an der Spielhagen- schließt den Bau einer Realschule an dieser Stelle 
ftraße die Schule errichten, so würden wir demnach, nicht aus; die Oberrealschule hat andere Ziele als die 
selbst wenn wir noch mehr als 5600 qm , wie pro­ Realschule. Gerade für diese Gegend ist aber die 
jektiert ist, hierfür verwenden, noch eine genügende Gattung der Realschulen als wünschenswert in Aus­
Tiefe für gute Grundstücke an der Bismarckstraße sicht genommen.
übrig behalten. Nach der Magistratsvorlage soll Was aber die Platzfrage für die höhere Mädchen­
weiter auf dem verbleibenden Teile des Grundstücks schule betrifft, so höre ich, daß gleichfalls des langen 
die neue Realschule errichtet werden. Meine Herren, und breiten in der Deputation für die höheren Lehr­
ich bin der Ansicht, daß gerade dort für eine neue anstalten für die weibliche Jugend erwogen worden 
Realschule durchaus keine Notwendigkeit vorliegt. ist, welcher andere Platz erworben werden könnte; 
Wir haben ganz in der Nähe im Westen am Sophie- man habe sich darüber den Kopf zerbrochen, aber 
Charlotte-Platz die Oberrealschule und ein wenig öst­ keinen gefunden. Da Sie hören, daß die Wahl ge­
lich in der Schillerstraße das Realgymnasium. Da­ rade dieser Plätze in jeder der beiden Deputationen 
gegen wäre z. B. südlich der Bismarckstraße eine für ihre Zwecke als wünschenswert erklärt worden 
höhere Lehranstalt unbedingt vonnöten. Wie ich aus ist, da wir andere Grundstücke in dieser Gegend nicht 
der .Starte ersehen habe, sind ja auch Grundstücke in haben, so bitte ich, zwar grundsätzlich den Wünschen 
der Sybelstraße, Mommsen- und Niebuhrstraße usw., des Herrn Kollegen Jmberg nicht beizutreten, wohl 
die sich eventuell dafür eignen, in unserm Besitz. aber in seinem Sinne der Überweisung der Ange­
Wollen wir aber nördlich der Bismarckstraße die legenheit an einen Ausschuß von elf Mitgliedern zu­
Schule errichten, so besitzen wir z. B. in der Bismarck- zustimmen.
und Leibnizstraße, in dem Terrain zwischen Krumme 
Straße, Sprecstraße und Berliner Straße Grund­ Stadtbaurat Seeling: Ich möchte nur noch dem 
stücke, die genügend Hinterland haben, um darauf Herrn .Referenten ein paar Worte auf seine Aus­
eine solche Schule bei weitem billiger, als sie hier führungen über die Disposition der einzelnen Räume 
vorgesehen ist, errichten zu können. Meine Herren, antworten, speziell auch wegen der Anordnung der 
ich habe noch nicht lange genug die Ehre, der Ver­ Klaffen und der großen Dachterrasse. Diese Dach­
sammlung anzugehören, um ohne besondere In fo r­ terrasse lat sich doch schon bei einer Reihe von Ge­
mation zu wissen, ob vielleicht einzelne der von mir bäuden, die wir hier ausgeführt haben, als ganz aus­
angeführten Grundstücke bereits für andere Zwecke be­ gezeichnet erwiesen. Sie ermöglicht zunächst, daß 
stimmt sind. Jedenfalls dürfte jedoch der Verkauf auch Freilichtstudien gemacht werden können, und 
ßc: Baustellen an der Bismarckstraße nicht nur ge­ daß die Zeichensälc, die hinter der Dachterrasse liegen, 
nügend Mittel ergeben, ein passendes Terrain zu er­ direktes Licht erhalten. Wenn wir eine schräge Dach­
werben, sondern auch noch einen sehr erheblichen Teil anordnung einführten, müßten wir eine wesentliche 
der Baukosten zu decken. Verschiebung eintreten lassen, d. h. die Zeichensäle 
Der Herr Kämmerer hat uns bei der Etats­ an die Hofsrontmauer vorschieben, und verlören die 
beratung die Finanzen der Stadt keineswegs in einem Terrasse. Wir sind in der Lage, solche Terrassen so 
sehr rosigen Lichte geschildert, und was der Zweck­ witterungssicher zu machen und ohne Schädigung für 
verband noch für uns in 'seinem Schoße birgt, das die Temperatur der darunter liegenden Räume, daß 
liegt heute noch im dichten Nebel. Jedenfalls haben Befürchtungen deswegen nicht obzuwalten brauchen.
wir also alle Veranlassung, mit unseren Mitteln mög­ Es kämen dann noch die Bedenken wegen des 
lichst haushälterisch umzugehen. Aus allen diesen Nordlichts der Klaffen in Frage. Gewiß, darüber 
Gründen würde ich ebenfalls bitten, die Vorlage an sind die Meinungen immer noch geteilt, welches Licht 
einen Ausschuß zu verweisen und in demselben auch nun wirklich das vorteilhafteste für die Klassen ist. 
die von mir gegebenen Anregungen eingehend in Er­ Meine Herren, hier gibt es die Baustelle, die an 
wägung zu ziehen. und für sich ganz ausgezeichnet ist, mit Naturnot­
wendigkeit: es wird gar nichts anderes übrig bleiben, 
Stadtv. Schwarz: Meine Herren! Herr Kollege als die Klassen nach Norden zu legen. Und die Be­
Jmberg hat wohl nur für seine Person gesprochen denken, die man bezüglich des Sonnenlichtes hat, sind 
und nicht im Namen der Fraktion. I n  seinen Aus­ ja nicht so kolossal, daß man deshalb die Baustelle an 
führungen bezüglich der Verwendung des Grundstücks sich verwerfen sollte. Also wollen wir überhaupt auf 
in der Spielhagenstraße kann ich ihm nicht folgen. der Baustelle bauen, so ist es gegeben, daß wir diese 
Gewiß, wir alle wünschen, daß wir unsere Terrains günstigste Seite für die Klassen verwenden.
so billig wie möglich erwerben. Es ist aber nicht Das Weitere könnte wohl noch im Ausschuß 
leicht, solche Terrains zu beschaffen. Aber Herr zur Sprache kommen.
Kollege Jmberg sagte ja selbst, daß er der Versamm­
lung noch nicht lange angehöret sonst würde er viel­ (Die Versammlung beschließt die Einsetzung 
leicht berücksichtigt haben, daß nicht allein der finan­ eines Ausschusses von 11 Mitgliedern und wählt zu 
zielle Gesichtspunkt entscheidend sein kann, sondern Ausschußmitgliedern die Stadtv. Brode, Dr. Byk, 
auch der Gesichtspunkt des lokalen Schulbedürs- Dr. Damm, Jastrow, Klick, Laskau, Lehmann, 
nisies. Und der ist wirklich für das Grundstück in Riesenberg, Schwarz, Wenzke und Wöllmer.)
der Spielhagenstraße, das für den Bau einer Realschule 
in Aussicht genommen ist, des langen und breiten in Vorsteher Kaufmann: Gegen die Vorschläge des 
der Deputation für höhere Lehranstalten geprüft Wahlausschusses sind keine Einwendungen erhoben 
worden. Es ist aber zuzugeben, daß es sehr schwer für mit Ausnahme der Nr. 27 a, worüber wir uns in der 
einen Nichtfachmann ist, sich über die Frage der Orts­ geheimen Sitzung unterhalten werden.
wahl für eine Schule allseitig Klarheit zu schaffen. Ich schließe hiermit die öffentliche Sitzung.
Wir haben damit zu rechnen, daß der Norden der 
Stadt mehr und mehr eine industrielle Entwicklung (Schluß der Sitzung 8 Uhr 40 Minuten.)
        
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