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Periodical volume 17. April 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung von, 17. April 1612 185
jcnigen Herren, die das Prinzip ivahren ivollen, daß Spielen teilnehmen; wir sehen den Nutzen vielmehr 
auch nichtverheiratete, aber auch einen eigenen Haus­ darin, daß viele Hunderte von Charlottenburger Tur­
halt führende Angestellte die 30 d t beziehen sollen, nern diese Reise nach Stockholm mit Begeisterung 
bei der Abstimmung über den Antrag Nogel Gelegen­ und Interesse verfolgen werden, und daß diese Be­
heit haben, durch ihre Abstimmung für diesen Antrag geisterung ganz außerordentlich wird, wenn, wie in 
das zum Ausdruck zu bringen, der ja für den Fall der Vorlage angedeutet wird, diese beiden jungen 
der Annahme der Magistratsvorlage dieses Prinzip Charlottenburger vielleicht als Sieger aus den olym­
hinzufügen will. Würde die Magistratsvorlage an­ pischen Spielen heimkehren sollten. Dieser Eindruck 
genommen sein, dann würde damit auch das Prinzip, wird außerordentlich sein. Der Herr Vorredner hat 
das Herr Kollege Dr. Landsberger aufrecht erhalten schon betont, daß wir einer guten Sache dienen. Lassen 
will, gewahrt sein, wenn die Mehrheit dem Amen­ Sie uns darum nach dem alten Wahrspruch der Tur­
dement zustimmt. Wer keiu Anhänger der Ma­ nern : Frisch, fromm, fröhlich, frei! diese 300 d t glatt 
gistratsvorlage ist, braucht nachher der Vorlage selbst bewilligen!
nicht zuzustimmen. Das würde der sicherere Weg sein.
Wir kommen nun zur Abstimmung. Stadtv. Dunck: Meine Herren, namens einer 
Minderheit meiner Freunde möchte ich Sie bitten, 
(Die Versammlung lehnt den Zusatzantrag der der Magistratsvorlage zuzustimmen.
Stadtv. Vogel und Genosien und ebenso die Ziffer 1 
des Magistratsantrages ab und beschließt einstimmig (Bravo!)
nach dem Antrage des Berichterstatters Stadtv. 
Meyer und den Ziffern 2 und 3 des Magistrats­ Es kommt nicht allzu oft vor, daß deutscher Sport sich 
antrages, wie folgt: im Auslande betätigt. Es ist im allgemeinen eine 
1. Den in der städtischen Verwaltung von Char- wichtige Sache und für deutsche Sportleute, deren 
lottenburg beschäftigten Personen, die einen Zahl in Chaklottenburg sehr groß ist, eine recht be­
eigenen Haushalt haben, wird eine einmalige deutende Sache, wenn deutscher Sport sich im Aus­
Beihilfe von 30 dl, solchen Personen mit mehr lande hervortut. Bei den olympischen Spielen hat 
als 3 Kindern, die sich in ihrer Unterhaltung deutscher Sport wiederholt schöne Erfolge erzielt. 
befinden, eine einmalige Beihilfe von 40 d l Wir können zu unseren Charlottenburger Turnern 
gewährt. das Vertrauen haben, daß sie mit Lorbeeren von 
2. Die Leistungen zu 1 bleiben beschränkt auf die Stockholm heimkehren werden. Meine Herren, es 
Gehalts- und Lohnempfänger nach dem Stande handelt es sich um wenige 300 d l — streichen Sie sie 
vom 31. März 1912, deren Gehalt oder Lohn nicht, sondern geben Sie der Charlottenburger Turn- 
nicht mehr als 2000 d l jährlich betragen hat. gemeinde die Möglichkeit, nach Stockholm zu gehen 
3. Die erforderlichen Mittel im Gesamtbeträge von und sich dort hervorzutun!
etwa 48 000 d t sind aus den Ueberschüssen des 
Jahres 1911 zu entnehmen.) Stadtv. Zietsch: Nach den feurigen Begrün­
dungsreden für die Magistratsvorlage aus der Mitte 
Wir kommen zu Punkt 20 der Tagesordnung: der Versammlung fällt es mir zu einem Teile schwer, 
dagegen zu reden. Aber doch wieder bin ich in der 
Vorlage betr. Beihilfe zur Entsendung eines Ver­ angenehmen Lage, diesmal mit der Mehrheit der 
treters zu den olympischen Spielen in Stockholm. Liberalen Fraktion gehen zu können. Meine 
— Drucksache 118. Freunde werden der Vorlage des Magistrats ein 
Nein entgegensetzen, und zwar aus denselben 
Stadtv. Meyer: Meine Herren, ich habe na­ Gründen, die Herr Kollege Meyer hier schon zum 
mens eines großeü Teils meiner Freunde Bedenken Teil angeführt hat. Wir halten die innige Ver­
gegen die Vorlage vorzutragen. Wir erkcnnnen zwar bindung zwischen der Gemeinde Charlottenburg und 
die Wichtigkeit und Nützlichkeit des Sports und seiner dem leichten Sport nicht in der Weise für gegeben, 
Ausübung und Förderung bereitwillig an; die Ab­ daß dafür 300 d l aus städtischen Mitteln aufgewendet 
stimmung bei einem anderen Gegenstand der Tages­ werden können. Aber bei der nächsten Vorlage, über 
ordnung, bei dem Sportlaboratorium, wird uns Ge­ die wir ja noch sprechen werden, sind meine Freunde 
legenheit bieten, das auch heute praktisch zu beweisen. derselben Auffassung, die Herr Kollege Meyer für 
Aber es muß doch überlegt werden, ob sportlichen seine Parteigenossen schon angedeutet hat. Wenn 
Vereinigungen für die Teilnahme an Veranstal­ aber Jungcharlottenburg, von dem Herr Kollege 
tungen, die außerhalb Charlottenburgs stattfinden, Riesenberg eben so begeistert gesprochen hat, mit so 
Beihilfen gewährt werden sollen. Ich glaube, daß himmelstürmender Begeisterung dem Siegeszug der 
dann Gesuche dieser Art häufig an uns herantreten zwei leichtbeschwingten Turner nach Stockholm folgen 
würden und ihnen auf die Dauer nicht stattgegeben wird, dann wird es Jungcharlottenburg auch leicht 
werden könnte, will man im Rahmen der Aufgaben fallen, aus den eigenen Taschen heraus die 300 d l 
bleiben, die eine Kommune zu erfüllen hat. Aus aufzubringen.
diesem Grunde werden meine Freunde zumeist gegen 
diese Vorlage stimmen. Bürgermeister Matting: Meine Herren, ich
will zwar für die von Charlottenburg zu entsendenden 
Stadtv. Ricscnbcrg: Ich habe im Namen meiner Turner nicht hier schon Vorschußlorbeeren einheimsen.
Freunde nur eine kurze Erklärung abzugeben. Meine 
Freunde werden einmütig und gern der Magistrats- (Heiterkeit.)
Vorlage zustimmen. Wir sehen den Nutzen der Be­
willigung dieser 300 d t nicht darin, daß nun zwei Nichtsdestoweniger aber, wenn auch diese Lorbeeren 
leichtbeschwingte Jünger Jungcharlottenburgs nach ausbleiben sollten, möchte ich Sie dringend bitten, 
Stockholm fahren und dort an den olympischen der Magistratsvorlage zuzustimmen.
        
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