Path:
Periodical volume 20. März 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung v o m : 0. März 1912 165
durch, daß die Gleise in den Asphalt gebettet sind, sehen. S o l l t e n  di e V e r k e h r s b e ­
Während sie bei einem eigenen Straßenkörper in d ü r f n i s s e  es aber  d r i n g e n d  e r ­
Rasen gebettet werden können. Auch die Geschwindig­ f o r d e r l i c h  machen,  dann ist die Depu­
keit der Straßenbahnen würde größer werden, wenn tation einstimmig der Ansicht, die Promenade 
sie ungehindert von dem übrigen Verkehr fahren v o l l s t ä n d i g  zu kassieren.
können. Meine Herren, nachdem ich die Akten reiflich 
Es sind Ihnen im Laufe der Jahre verschiedene durchgesehen, die verschiedenen Vorschläge mit den 
Vorschläge gemacht worden. Der erste war der, daß Maßen durchstudiert habe, bin auch ich zu der Ansicht 
die beiden Straßenbahngleise nebeneinander nach dem gekommen, daß, wenn man überhaupt dazu schreiten 
nördlichen Fahrdamm verlegt würden; daneben will, die Gleise aus dem Fahrdamm herauszu­
sollten Rasenstreifen von 1,25 m bleiben, so daß für nehmen, entschieden es für das Auge das Günstigste 
die Promenade noch 4,00 m übrig gewesen wären. ist, sie in die Mitte der Promenade zu legen, also zu 
Diesen Vorschlag hat die Straßenbahn abgelehnt, dem Vorschlag von 1909 zurückzukehren, den Sie da­
hauptsächlich weil ihr zu viel Kosten daraus ent­ mals abgelehnt haben. Ich weiß, daß sehr viel ver­
standen wären. schiedene Meinungen in der Versammlung darüber 
Dann haben Sie im Jahre 1909 einen Vorschlag vorhanden sein werden, und schlage Ihnen deshalb 
des Magistrats abgelehnt, wonach die Gleise in die vor, einen Ausschuß von 15 Mitgliedern mit der 
Mitte der Mittelpromenadc gelegt werden sollten. Vorberatung der Frage zu betrauen. Ich möchte 
Es ist damals ein großer Entrüstungssturm ent­ Ihnen aber, da ich die Sache einmal angeschnitten 
standen, daß man die schöne Promenade wegnehmen habe, doch darlegen, weshalb ich dies meiner Ansicht 
wollte, daß man den Kindern ihren Spiel- und nach, für das Beste halte.
Tummelplatz und den alten Herren den Platz, wo sie Wenn Sie die Gleise in die Mitte legen, haben 
des Sonntagnachmittags sitzen könnten, wegnehmen Sie auch Platz für den Rasen und für breite Blumen­
wollte. Soweit ich die Stimmung im allgemeinen rabatten, und Sie können die Bäume wiederher­
kenne, hat sich, glaube ich, diese Entrüstung im Lause stellen, wenn auch nicht so große Bäume, wie man 
-der Jahre etwas gelegt. Es sind setzt drei Jahre her, hätte wünschen können, da sich darunter ja die Beton­
der Verkehr hat sich in der Tauentzien- und Kleist­ decke der Untergrundbahn befindet. Es würde sich 
straße sehr vergrößert; und ich glaube, daß man jetzt dadurch das schönste und gartenbautechnisch beste Bild 
wohl mehr Stimmen für diesen Vorschlag finden von allen den drei Vorschlägen ergeben, die uns bis­
könnte. her vorgelegen haben.
Der jetzige Vorschlag will nun je ein Gleis auf Wenn ich nun auf die Halle komme, die auf dem 
die nördliche und die südliche Seite der Mittelprome­ Plan in etwas harten Strichen gezeichnet ist, die auf 
nade legen und die Breite der Bürgersteige von den Wittenbergplatz kommen soll, so ist es sehr be­
9,6 m  auf 7,5 m verringern. Ic h  glaube, daß diese dauerlich, daß uns dadurch das durchgehende Bild 
Breite vollkommen genügen könnte; denn wir haben dieses Platzes genommen werden soll. Das wird sich 
Unter den Linden 7,2 bis 7,8 m, und der große aber wohl nicht^verhindern lassen. Ich habe auch ge­
Fußgängerverkehr kann dort ebenso gut hin und her hört, daß im Schoße des Magistrats darüber Klage 
fluten. Auch die Läden würden nur Vorteil davon geführt ist, daß die Untergrundbahn nicht so tief ge­
haben. Der Fahrdamm soll statt 9,4 m eine Breite legt ist, daß die Uebcrführung über die Gleise auch 
von 9 m  erhalten. Ic h  glaube, auch das ist zu ver­ unter die Erde gekommen wäre. Ich glaube, das 
treten, wenn man bedenkt, daß die Gleise aus dem wäre nicht möglich gewesen; es wäre auch zu teuer ge­
Fahrdamm herausgenommen werden und infolge­ wesen. Die Halle werden wir uns daher gefallen 
dessen ein größerer Platz für die Fuhrwerke vor­ lassen müssen, wenn vielleicht in schönerer Form, als 
handen ist. sie auf dem Plan gezeichnet ist. wo sie aber wohl nur 
Nun soll aber der Promenadenwcg auf eine schematisch in etwas harten Strichen skizziert ist.
Breite von 5,8 m verschmälert werden. Ich glaube, Schließlich hätte ich den Wunsch, daß der Garten­
daß das eine große Schwäche der Vorlage ist, und baudirektor hinzugezogen wird. Es handelt sich hier 
daß es dann nicht möglich ist, dort, wie man ge­ um eine Sache, wo er seine Kunst zeigen und uns 
wünscht hatte, einen Spielplatz für die Kinder zu einen guten Ratschlag geben kann, welche von den 
schaffen und zu erhalten, und daß ein ruhiges Sitzen verschiedenen Vorlagen wir auch von seinem Stand­
auf den Bänken, wenn dicht hinter einem die elek­ punkt aus annehmen sollen.
trischen Bahnen hin und herfahren, auch eine Un­
möglichkeit ist. Und das Schlimmste ist: ich sehe in Stadtv. Dunck: Meine Herren! Als wir vor drei 
der Vorlage n i c h t e i n e n  e i n z i g e n  B a u m  in Jahren ablehnten, die Mittelpromenade zu kassieren, 
der Mitte eingezeichnet. war das eigentlich ein großer Glücksumstand. Denn 
hätten wir die Vorlage angenommen, so wäre die 
(Stadtv. Stein: Hört! hört!) Mittelpromenadc kaum kassiert, der Umbau kaun, 
fertig gewesen — dann wäre auch schon die Um­
Es sind auch keine Gartenanlagen vorgesehen, sondern wälzung durch die Untergrundbahn gekommen, und 
nur die Rasenstreifen, auf denen die elektrischen die ganze Anlage hätte wieder beseitigt werden 
Bahnen fahren sollen, sind das ganze Grün. müssen. Ich gebe zu, daß es ein Glücksumstand war; 
Ich habe nun in den Akten eine Antwort der denn wir konnten damals noch nicht voraussehen, daß 
Parkdeputation gefunden, die allerdings schon einige die Untergrundbahn so bald kommen würde.
Jahre zurückliegt, die sie der Tiefbaudeputation auf Bei der heutigen Vorlage müssen wir anerkennen, 
ihre Anfrage damals gegeben hat. Sie lautet: daß der Magistrat sich bemüht hat, den Wünschen der 
Sie erachtet nach wie vor eine Promenade in Einwohnerschaft, die die Mittelpromenade erhalten 
diesen Straßen in der bisherigen Breite für haben wollte, nachzukommen, andererseits aber auch 
erforderlich und würde n u r  aus  ganz den Verkchrsbedürfnissen, die ja immer größere D i­
w i c h t i g e n  G r ü n d e n  mit Bedauern von mensionen angenommen haben, gerecht zu werden. 
einer Aenderung des jetzigen Zustandes ab- Wie aber der Herr Vorredner bereits ausgeführt hat,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.