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Periodical volume 13. März 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

132 Sitzung vom 1 i. März 1912
A u f einen P u n k t  möchte ich noch kommen, n äm ­ fliktskommission w ar schließlich das, daß von der Tief- 
lich auf den V e r  k e h r  a u f u n s e r  e n W  a s s e r  - baudcputation das Kanalisanonswesen abgetrennt 
s t r o t z e n .  Auch das ist eine Verkehrsangelegenheit. wurde, daß aber im übrigen die S tad tverordne ten­
E s  gibt hier viele Fabriken, deren Bedürfnisse nicht versammlung von der Entsetzung einer Verkehrs- 
volle Befriedigung finden, die den Wunsch hegen, deputalion Abstand nahm.
daß ihnen noch nach mancher Richtung hin E n t ­ I m  J a h r e  1907 ist dann erneut ein A ntrag  ein­
gegenkommen gezeigt werde. I m  einzelnen will ich gegangen, eine Verkehrsdeputation einzusetzen, und 
auf diese Frage  nicht weiter eingehen. der M agistra t hat dann, nachdem sich die zurzeit m it 
M eine Herren, ich habe heute sehr viele Einzel­ den betreffenden Arbeiten betraute Tiefbaudeputa­
fragen gestreift, ich habe aber, glaube ich, j iuch  tion gutachtlich geäußert hatte, der S tad tverordne ten­
generelle F ragen  berührt, und wenn S ie  die Fülle  versammlung mitgeteilt, daß er sich zur Einsetzung 
von Fragen , die ich vorgebracht habe, betrachten und einer Verkehrsdeputation nicht in  der Lage befinde. 
bedenken, daß von vielen anderen S e iten  au s  dieser Diejenige D eputation , die nach dem bestehenden G e­
Versammlung gewiß den Wünschen noch viele andere meindebeschlusse berufen ist, das  Verkehrswesen zu 
beigesellt werden können, dann werden S i e  m ir  zu­ vertreten, ist zunächst gutachtlich gehört worden, und 
geben, daß es sich um eine Aufgabe handelt, die wirk­ das von ihr abgegebene Gutachten ist nach meinem 
lich die Arbeit einer D epu ta tion  ausfüllen würde. D afürhalten  auch noch heute zutreffend. Ich werde 
M e i n e s  E r a c h t e n s  k ö n n e n  i n  e i n e r  auf das Gutachten nachher eingehen. Ich  will n u r  
G r o ß s t a d t ,  n a m e n t l i c h  a u c h  i n  e i n e m  bemerken, daß ich, a ls  H err S ta d tv .  Dr. S tad thag en  im 
g r o ß e n  V o r o r t e  v o n  B e r l i n ,  d i e  V e r -  letzten Geschäftsjahre die F rage  der Einsetzung einer 
• k e h r s a n g e l e g e n h e i t e n  g a r  n i c h t  e r n s t  Verkehrsdeputation erneut anregte, vom M agis tra ts ­
u n d  e n e r g i s c h  g e n u g  a n g e g r i f f e n  w e r -  tisch au s  erklärte, daß der gegenwärtige Zeitpunkt 
d e n. D aß  der M agistra t und die zuständigen S tellen  zur Einsetzung einer Verkehrsdeputation wenig glück­
das bisher m it Ernst gemacht haben, ist selbstverständ­ lich wäre, da w ir  vor einer ganz neuen Konstruktion 
lich; daß aber m it  einer ganz anderen In i t ia t iv e  der Rechtsverhältnisse stünden;
vorgegangen werden kann, wenn eine besondere D e ­
pu ta t ion  für derartige wichtige D inge eingesetzt ist, (S ta d tv .  O tto :  S e h r  richtig!)
das, glaube ich, wird keiner bestreiten. E s  ist selbst­
verständlich, daß in eine solche Verkehrsdeputation der Zweckverband G roß-B erlin  wäre begründet und 
auch diejenigen M itglieder gehören, die jetzt leitend der wesentlichste Teil der Verkehrsaufgaben hätte auf­
in der T iefbaudeputation bzw. im Verkehrsausschuß gehört, Gemeindeaufgabe zu sein, und wäre auf den 
sind. Trotzdem möchte ich fü r meine Person  ohne Verkehrsverband übergegangen. S o w e i t  w ir  also a ls  
weiteres sagen, daß ich die Aufgaben der Verkehrs­ Teil des großen Zweckverbandsgebiets B erl in  berufen 
deputation für so bedeutsam halte, daß es sehr wohl sind, Verkehrsangelegenheiten wahrzunehmen, sind 
w ü n s c h e n s w e r t  wäre, d a ß  j e m a n d ,  d e r  w ir  gewissermaßen eine Lokalvertretung und haben 
i m  w e s e n t l i c h e n  n i c h t s  w e i t e r  i n  d e r  lediglich im R ahm en dieser Lokalinteressen unsere 
s t ä d t i s c h e n  V e r w a l t u n g  z u  t u n  h a t ,  a n  Wünsche an die Adresse des Zweckverbandes zu rich­
d i e  S p i t z e  e i n e r  s o l c h e n  D e p u t a t i o n  ten. Ob es zweckmäßig sein wird, zu einer wirksamen 
k ä m e  u n d  e s  z u  s e i n e r  L e b e n s a u f g a b e  Vertre tung dieser Interessen gegenüber dem Zweck- 
m a c h t e ,  d e n  V e r k e h r  i n  C h a r l o t t e n ­ verbande irgend eine Organisation innerhalb der 
b u r g  n a c h  a l l e n  R i c h t u n g e n  s o w e i t  z u  S tad tverw a ltung  zu schaffen, diese Frage  kann im ge­
h e b e n ,  w i e  e s  n u r  m ö g l i c h  is t . genwärtigen Zeitpunkt absolut nicht beantwortet wer­den. W ir  wissen gar nicht, wie das Gebilde des Zweck­
verbandes in  der P ra x is  arbeiten wird, wie in s ­
Stadtsyndikus Dr. M a ie r :  M eine Herren! Die besondere die Gesamtinteressen m it  den Ortsinteressen 
Angelegenheit betr. die Einsetzung einer Verkehrs­ in Einklang gebracht oder in Widerspruch gesetzt wer­
deputation hat die städtischen Körperschaften im den. I m  gegenwärtigen Zeitpunkt eine Verkehrs­
Laufe der J a h re  wiederholt beschäftigt. Ich  kann deputation einzusetzen, nachdem im konsequenten V er­
wohl sagen: periodisch kehrt der Antrag auf E in ­ fahren die Gemeindekörperschaften, insbesondere der 
setzung einer Verkehrsdeputation hier wieder. W ir  M agistra t  es fü r unzweckmäßig erachtet haben, eine 
haben heute eine Verkehrsdeputation, die allerdings solche D epu ta tion  zu errichten, das scheint m ir  ab­
nicht f irmiert „Verkehrsdcpulation", sondern „Tief­ solut unzweckmäßig.
baudeputa tion" :  aber zur Zuständigkeit der T iefbau­ Ich  möchte I h n e n  jetzt mitteilen, wie sich die 
deputation gehört das Verkehrswesen. W ir  hatten bis T iefbaudeputation bezüglich der T rennung  des V er­
zum J a h r e  1888 eine besondere D epu ta tion  fü r das kehrswesens von ihrer Zuständigkeit geäußert hat. S ie  
S traßenbahnwesen. I m  J a h r e  1888 ist diese D epu­ hat erklärt:
ta tion aufgehoben und m it  der Tiefbaudeputation D a s  Verkehrswesen, der S t ra ß e n b a u  und der 
verschmolzen worden. I m  J a h re  1896 ist die F rage  B ebauungsplan stehen in untrennbarem  Zusam m en­
der Einrichtung einer besonderen Verkehrsdeputation hange, sie greisen unaufhörlich ineinander. D ie  E in ­
von dem damaligen S tadtverordnetenvorsteher-Stell­ setzung einer Verkehrsdeputation würde eine u n ­
vertreter S trö h le r  wieder aufgenommen worden, der nötige Häufung von In s tan zen  hervorrufen, da in 
M agistra t  hat dem hierauf gefaßten Beschlusse der allen Straßenbahnangelegenheiten, sobald die Bei- 
Stadtverordnetenversamm lung auf Einsetzung einer Nutzung des S traßenkörpers  und das V erhältn is  des 
solchen D eputation  widersprochen. D ie  Sache ist da­ Betriebs zu den einzelnen Bestandteilen und E in ­
m als  m it solcher In te n s i tä t  betrieben worden, daß richtungen des S traßenkörpers  sowie zum Fahr- ,  
sogar eine sogenannte Konfliktskommission eingesetzt Reit- und Fußverkehr in F rag e  kommen, was fast 
werden mußte, die zwischen dem M agis tra t  und der immer der F a l l  ist, auch die T iefbaudeputation ge­
Stadtverordnetenversamm lung die friedliche B e i­ hört werden müßte. Dabei würden M einun gsver­
legung dieser Meinungsverschiedenheit erstreben schiedenheiten aller Art, namentlich über die Z u ­
sollte. D a s  Ergebnis  der Bera tungen dieser Kon- ständigkeit zwischen beiden D eputationen nicht aus-
        
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