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Periodical volume 6. März 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

1 20 Sitzung vom 6. März 1912
ist. Unsere Vertreter im Provinziallandtage haben, fiziert hat m it dem Vortrage, den der Regierungs­
soviel m ir bekannt ist, auch für diese zwei Millionen präsident von Schwerin auf dem Städtetage gehalten 
gestimmt. hat. Von der Regenerierung der Bevölkerung in den 
(Zustimmung.) großen Städten steht sehr wenig in unserer Vorlage, 
aber sehr viel in dem Vortrage des Herrn von 
Also damit haben wir auch schon unsere Zustimmung Schwerin. Wir haben, wenn ich die Vorlage richtig 
zu dem ganzen Werke zum Ausdruck gebracht. Nun lese —  sie im wesentlichen mit denselben Gesichts­
schätze ich derartige Bestrebungen, wie S ie  die punkten begründet wie der Herr Antragsteller. Viel­
„Eigene Scholle" in Angriff nehmen will, sicherlich leicht darf ich einige Stellen daraus verlesen. Es 
ebenso hoch wie der Kollege Erdmannsdörffer; das heißt darin:
habe ich ja schon oft genug hier betont. Die i n n e r e  
K o l o n i s a t i o n  h a t  auch f ü r  d i e  S t ä d t e  Abgesehen von den nationalen Folgen (Ab­
e i n e  g a n z  a u ß e r o r d e n t l i c h  h o h e  B e - nahme der Wehrkraft usw.), die in erster Linie 
d e u t u n g ; das ist gar keine Frage. Ich bin der den S t a a t  angehen, interessieren die 
wärmste Freund einer derartigen inneren Koloni­ S t  ä d t e besonders die w i r t s c h a f t l i c h e n  
sation. Ich würde aber sehr gern, trotzdem die S tad t Folgeerscheinungen jenes Vorganges: das Land 
Charlottenburg bereits 170 000 Jk zugesteuert hat, einerseits verliert allmählich seine Bebauer, und 
auch die Etikette auf die Flasche setzen und sagen: es zwar sowohl die deutschen L a n d a r b e i t e r  
empfiehlt sich, daß die S tad t Charlottenburg auch noch wie die deutschen K l e i n b a u e r n ,  die in 
einen besonderen Beitrag gibt, um nach außen hin weiten Teilen des Ostens schon so gut wie ganz 
mehr zu dokumentieren, daß die S ta d t Charlotten­ verschwunden sind; die Städte andererseits 
burg ein derartiges Werk für gut hält. Aber, meine werden überschwemmt mit gelernten und mehr 
Herren, ich möchte ja eben, daß die S tad t Charlotten- noch mit ungelernten Arbeitskräften, die nicht 
burg das wirklich tut, daß sich also eine Mehrheit in mehr, wie früher, in Zeiten des wirtschaftlichen 
der Versammlung dafür findet. Aus diesem Grunde Niederganges oder der vorübergehenden Ar­
wurde im Etatsausschuß angeregt, daß der Magistrat beitslosigkeit auf das Land und in die Land­
uns eine besondere Vorlage über die „Eigene Scholle" städte zurückströmen können, weil ihnen dorr 
machen sollte, vielleicht nach einigen Monaten, wo das Betätigungsfeld verloren gegangen ist; es 
gewisse Verhältnisse sich geklärt haben, die anschei­ m a n g e l t  also an dem früher allgemein üb­
nend augenblicklich noch nicht ganz geklärt sind; ich lichen, ungemein regulierend wirkenden Aus­
will nicht näher auf diese Verhältnisse eingehen. D a­ tausch der Arbeitskräfte zwischen S tad t und 
her möchte ich den Herrn Antragsteller bitten, gerade Land, Großstadt und Landstädten. Die Massen 
in seinem Sinne, um eine Zustimmung zu erhalten, bleiben in den Städten sitzen und erzeugen dort 
im Interesse der „Eigenen Scholle" für heute seinen Arbeitslosigkeit wie Wohnungsmangel in zeit­
Antrag zurückzuziehen. Ich bin überzeugt, daß wir weilig erschreckendem Maße mit all dem daraus 
für eine eigene, besondere Vorlage des Magistrats entspringenden Elend.
in einigen Monaten eine starke M ajorität hier in der Und an einer anderen Stelle heißt es:
Stadtverordnetenversammlung bekommen würden. 
Sollte der Antragsteller diesem meinem Wunsche Die Antwort auf die Frage, w i e hier zu 
nicht folgen, dann würde ich für meine Person —  ich h e l f e n ist, ergibt sich leicht aus der U r s a c h e  
glaube, auch einige meiner Fraktionsfreunde mit der Entvölkerung: es fehlt an L a n d , an der 
m ir — heute seinem Antrage zustimmen. Ich fürchte jedem Gesundempfindenden ersehnten e i g e ­
aber, die M ajorität der Versammlung wird heute n e n  S c h o l l e  sowohl für den L an d  a r - 
vielleicht nicht dafür zu haben sein. b e i t e r  wie für den K l e i n b a u e r n .  
Beiden Kategorien enthält der im Osten herr­
Bürgermeister M atting: Wenn es gewünscht schende Großgrundbesitz das Stück Landes vor, 
werden sollte, würde der Magistrat natürlich gern be­ ohne daß sie auf dem Lande — bie e i n e  nicht 
reit sein, eine besondere Vorlage zu diesem Zwecke leben w i l l ,  die a n d e r e  nicht bestehen 
noch einmal zu machen; er würde allerdings im k a n n .
wesentlich dann wohl Bezug nehmen müsien auf die 
Vorlage, die er bereits am 30. Ja n u a r der Versamm­ Dann ist auch ausdrücklich betont, welche Folge­
lung hat zugehen lassen, die zwar von dem Herrn erscheinungen für das Zericblagen großer Güter ge­
Antragsteller nicht sehr günstig beurteilt worden ist, rade die von der „Eigenen Scholle" in die Wege ge­
nach meiner Meinung aber nicht Veranlassung gibt leitete Parzellierung hat, und daß das Zerschlagen 
zu den Ausstellungen, die er daran geknüpft hat. der großen Güter ja eine allgemein anerkannte Not­
Aber das nur ganz nebenbei. E s steht nun einmal wendigkeit der inneren Kolonisation ist. Meine 
dieser Antrag Erdmannsdörffer zur Debatte, und ich Herren, S ie  finden also drei sehr wichtige Gesichts­
nehme gern dazu Stellung. punkte, die der Herr Antragsteller für seinen Antrag 
Ich möchte dem Herrn Antragsteller dafür ausgeführt hat, auch in unserer Vorlage.
danken, daß er dem Magistrat Gelegenheit gegeben Wie wenig im übrigen die Tätigkeit der „Eigenen 
hat, hier im Plenum  seine Stellung zur „Eigenen Scholle" im Sinne gerade unserer ultraagrarischen 
Scholle" zu begründen und Ihnen  die Beteiligung Kreise ist, werden Sie, glaube ich, daraus entnehmen, 
an diesem Unternehmen warm zu empfehlen, wie er daß nach den Beobachtungen, die wir Vertreter unserer 
es auch in der Vorlage getan hat. Nach meiner S ta d t im Provinziallandtage gemacht haben, gerade 
Meinung hat der Herr Antragsteller —  wie ich schon diese ultraagrarischen Kreise die Tätigkeit der „Eige­
andeutete —  aus einigen nur nebenhergehenden Be­ nen Scholle" unfreundlich betrachten und, ohne es zu­
merkungen der Vorlage mehr abgeleitet, als was im gestehen zu wollen, versuchten, dieser Organisation 
S inne des M agistrats aus ihr abgeleitet werden möglichst kleine Schwierigkeiten zu machen und Steck­
sollte. Ich glaube nämlich, daß der Herr Antrag­ nadelstiche zu versetzen. D as kam in einem Antrage 
steller die Vorlage des M agistrats teilweise identi­ zum Ausdruck, der sich auf die Zusammensetzung des
        
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