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Periodical volume 6. März 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

118 Sitzung 00m1 6. März 1912
in  Einnahme und Ausgabe nach dem Voranschläge im Höchstmaße festgesetzt. D ie Landgesellschaft 
des M agistrats m it den auf Druckseite 78 der V or­- „Eigene Scholle" hat über 3300 ha Land erworben 
lagen angegebenen Aenderungen fest.) und hat darauf bereits zahlreiche Anstellungen vor­
W ir kommen zu genommen. E s zeigt sich also, daß ein B edürfnis für eine solche In s titu tio n  vorhanden ist.
Kapitel X IV . Verschiedene Einnahm en und A us­ T e r Zweck der „Eigenen Scholle" ist der, der 
gaben. Entvölkerung des platten Landes nach Möglichkeit 
Hierzu ist von H errn Kollegen Erdm annsdörfferr  vorzubeugen. Daher wird eine Vermehrung von 
ein A ntrag eingegangen: Bauernstellen, eine Anstedlung von Arbeitern, eine 
Befestigung des bäuerlichen Grundbesitzes durch Re- 
Unter einmalige Ausgaben als Abschnitt 22i  gelung der Schuldverhältnisse und durch Förderung 
der Landgesellschaft „Eigene Scholle" — gemeinwirtschaftlicher Aufgaben angestrebt.
5000 c/Z einzusetzen'. E s könnte der Argwohn geweckt werden, als ob 
es zu den Tendenzen dieser Gesellschaft, an der sich 
Berichterstatter T tad tv . Protze: D er E ta tsa u s­' auch sehr rechtsstehende Elemente beteiligt haben, ge- 
schuß empfiehlt die Annahme m it den auf Druckseiten1  hörte, etwa dem Großgrundbesitz eine billige, in der 
78 und 80 der Vorlagen angegebenen Aenderungen1  Nähe wohnende, seßhafte Arbeiterschaft zu verschaffen. 
und folgende Beschlußfassung: D as ist aber zweifellos nicht die Aufgabe und der 
S in n  dieser Gesellschaft, sondern ihr S in n  ist im 
A u s g a b e . wesentlichen, wirklich selbständige Leute anzusiedeln 
1. Z u  Abschnitt 5 N r. 23 —  Jahresbeitrag  für  ̂ und eine bäuerliche Bevölkerung heranzuholen.
das Lehrlingsheim „Jugendklub" —  wird der M eine Herren, die Argumente, die der M a­
M agistrat ersucht, dahin zu wirken, daß die gistrat geltend gemacht hat, um diese Vorlage der 
Bezeichnung „Klub" geändert wird. Stadtverordnetenversammlung mundgerecht zu 
2. Z u  Abschnitt 5 N r. 27 —  B eitrag für den•  machen, unterschreibe ich nicht in jedem Behufe. D er 
Verein Jugendheim . —  D ie S tadtverordneten­: M agistrat schließt sich eng an einen V ortrag des 
versammlung legt den Stadtverordnetenbeschluß1  H errn Regierungspräsidenten von Frankfurt a. O.,
vom 4. Dezember 1907 dahin aus, daß die:  Grasen v o n S c h  w e r t n ,  an. D er V ortrag ist in 
beiden städtischen Vertreter nicht durch die Ge­ einer Denkschrift, die Ih n e n  ja allen zugänglich ge­
neralversammlung des Vereins, sondern durch wesen ist, niedergelegt. Insbesondere möchte ich nicht 
die städtischen Körperschaften in den Vorstand ohne weiteres auf den Boden treten, der vom M a­
zu entsenden sind. gistrat beschritten worden ist, in der Hinsicht, als ob 
nun die S täd te  an sich etwa eine Q uelle der D e­
Eingegangen sind die Petitionen generation und der Unfruchtbarkeit sein müßten, und 
a ls  ob n u r das Land die Q uelle der K raft und der 
a) von dem H aus- und Grundbesitzerverein von M ilitärpflichtigkeit sein könnte. Ich meine, wenn die 
1895 betr. Ehrenpreis für die Ausstellung S ta d t, wie es ja  im  Zuge der Z eit liegt, sozial aus­
„Haus- und W ohnungsbau", gestaltete und hygienische In stitu tio n en  nach allen 
b) von dem Verein für Körperkultur betr. Zahlung Richtungen hin treffen, so braucht auch die Großstadt 
einer Beihilfe. nicht zur Degeneration der Bevölkerung beizutragen. 
D er Stadtverordnetenversammlung wird folgende Ich  glaube, daß in  dieser Beziehung der M agistrat viel 
Beschlußfassung empfohlen: zu weit gegangen ist. Ich  glaube auch, daß die H aupt­
zu a : Ueberweisung an den M agistrat zur Be­ ursache der Entvölkerung des Platten Landes w irt­
rücksichtigung, schaftspolitischer N a tu r ist, daß u n s e r e  g e s a m t e  
zu b : Uebergang zur Tagesordnung. Z o l l -  u n d  W i r t s c h a f t s p o l i t i k  m it der künst­lichen Verteuerung des G rund und Bodens und der 
S tad tv . E rdm annsdörffer: M eine Herren! dadurch für viele herbeigeführten Unmöglichkeit, sich 
D er Etatsausschuß hat eine Position von 10 000 Jt eine eigene Scholle zu beschaffen, die Hauptursache der 
zugunsten der Landgesellschaft „Eigene Scholle" in Entvölkerung des Platten Landes ist. D as  ist aber 
F rankfurt a. O . gestrichen. Ich habe beantragt, wie naturgem äß aus begreiflichen G ründen in  der Vorlage 
S ie  gehört haben, diese Position m it der M aßgabe des M agistrats nicht erwähnt!
wieder einzusetzen, daß statt 10 000 J t 5000 J t  ge­ Ich  bin der Ueberzeugung, daß eine solche Gesell­
setzt wird. schaft wie die Landgesellschaft „Eigene Scholle" ge­
M eine Herren, diese L a n d g e s e l l s c h a f t  wiß nur Stückwerk Bieten kann, solange w ir nicht zu 
„ E i g e n e  S c h o l l e "  ist im  Ja h re  1910 m it einer anderen Zoll- und Wirtschaftspolitik in Deutsch­
einem S tam m kapital von rund 3 600 000 Jt ge­ land kommen. W enn ich aber davon absehe, so 
gründet worden, wovon der F iskus 1 M illion  ge­ meine ich doch, daß in dieser Vorlage e t w a s  
zahlt hat. S p ä te r erfolgte eine Erhöhung auf 7 M il- 'T ü c h t i g e s  u n d  W e r t v o l l e s  e n t h a l t e n  
lionen, und jetzt besteht die Tendenz, eine weitere ist. W ir sehen in dieser „Eigenen Scholle" und ähn­
Erhöhung auf 10 M illionen vorzunehmen. D er lichen In stitu tio n en  einen Ansatz zur inneren Kolo­
Provinziallandtag von Brandenburg hat die B e­ nisation. E s  ist seit langem eine Forderung des 
deutung der Angelegenheit erkannt und dieser Tage L. iberalism us, die innere Kolonisation zu fördern; 
auf A ntrag 2 M illionen M ark als S tam m kapital u: nd der Entvölkerung des Platten Landes durch A n­
bewilligt. Ich  bemerke hierbei, daß der H err Ober- 
    
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