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Periodical volume 6. März 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

112 Sitzung vom 6. März 1912
schulen — in Einnahme und Ausgabe nach dem Vor­ die Aerzte hier für die Stadtgemeinde etwas leisten, 
schlage des Magistrats mit den auf Druckseiten 76 was sie überhaupt nicht bezahlt bekommen. Das 
und 78 angegebenen Aenderungen fest.) entspricht ja durchaus dem sozialen Empfinden und 
dem Humanitätsgefühl, das unsere Aerzte haben. 
Borsteher Kaufmann: Aber ich meine, von diesem Gesichtspunkt aus könnte 
man doch ohne weiteres verlangen, daß die Zahl der 
Capitel V. Armenwescn. Stadtärzte vermehrt wird, um den Einzelnen 
zu entlasten. Ganz besonders ist der Augenarzt 
Zu diesem Kapitel liegt eine von dem Stadtv. dauernd überlastet. Ter Magistrat hat schon dem 
Klick und seinen Freunden gestellte Resolution vor, Ausschüsse mitgeteilt, daß er die Frage der Bezirks­
die folgendermaßen lautet: ärzte fortgesetzt prüft und schließlich auch dazu 
W ir beantragen zu Abschnitt 3, Ausgabe kommen wird, eine entsprechende Vorlage zu machen. W ir möchten aber bei dieser Gelegenheit doch darauf 
Nr. 1, dem Magistrat zu empfehlen, den Be­ hinweisen, daß schon jetzt das Bedürfnis vorliegt, 
zirk für den Augenarzt zu teilen und min­ einen zweiten Augenarzt anzustellen. Der jetzige 
destens zwei Augenärzte anzustellen. Arzt wohnt im Osten. Er hat allerdings in der 
(Die Beratung wird eröffnet.) Fraunhoferstraße auf Wunsch des Magistrats, wie 
ich gehört habe, eine Sprechstunde einrichten müssen, 
Berichterstatter Stadtv. Klick: Meine Herren! so daß der Raum, wo er die Sprechstunde abhält, 
Der Etalsausschuß empfiehlt Ihnen die Annahme annähernd im Zentrum der Stadt liegt. W ir 
des Kapitels Y  mit den auf Druckseite 73 vorge­ glauben aber, diese 2503 Konsultationen, die er im 
sehenen Aenderungen. Einzelne Positionen sind, wie Jahre 1910 abgehalten hat — 1911 werden es gewiß 
alljährlich, auch in diesem Jahre wieder erhöht noch mehr sein — , beweisen, daß unsere Forderung 
worden, und zwar infolge der gesteigerten Bedürf­ vollständig gerechtfertigt ist. Ich möchte Ihnen also 
nisse, die die ärmere Bevölkerung an die Armen­ die Annahme der Resolution, die w ir gestellt haben, 
direktion stellt. empfehlen.
Aus den Verhandlungen des Ausschusses möchte Im  übrigen bitte ich Tie, den Anträgen des 
ich noch speziell erwähnen, daß dort eine Resolution Etatsausschusses zu Kapitel V  zuzustimmen.
eingegangen war, dahin lautend:
(Die Beratung wird geschlossen. Die Versamm­
Der Magistrat möge erwägen, ob die I n ­ lung stimmt der Resolution des Stadtv. Klick zu und 
stitution der städtischen Aerzte in Zukunft nicht stellt Kapitel V  —  Armenwesen —  in Einnahme und 
derart einzurichten ist, daß die Stadtärzte als Ausgabe nach dem Voranschläge des Magistrats 
vollbeamtete Personen allein im Dienst der mit den auf Druckseite 73 angegebenen Aenderungen 
Stadt tätig sind. Gehälter und Umfang der des Etatsausschusses fest.)
Tätigkeit der Stadtärztc wären dementsprechend 
neu zu ordnen. Vorsteher Kaufmann:
Der Ausschuß hat diese Resolution abgelehnt. Zu Kapitel V I. Krankenanstalten.
ihrer Begründung wurde angeführt, daß die Stadl­
ärzte nicht genügend besoldet seien. Der Augenarzt, (Die Beratung wird eröffnet.)
den wir haben, hatte im Jahre 1910 2553 Konsul­
tationen bei 749 behandelten Personen; außerdem 'Berichterstatter Stadtv. Zander: Meine Herren, 
hat er 276 Besuche gemacht und 56 Gutachten abge­ auch hier kann ich mich kurz fassen. Ter Etatsausschuß 
geben. Wenn man das auf die Entschädigung von schlägt Ihnen vor, die Magistratsvorlage mit den auf 
1500 c/Z umrechnet, so kommt für die Konsultation Seite 74 und 79 der Vorlagen angegebenen Aende­
die Summe von 60 -F heraus. Daß diese Bezahlung rungen anzunehmen.
nicht dem sonstigen ärztlichen Honorar entspricht, ' Bei dieser Gelegenheit möchte ich nicht verfehlen, 
dürfte wohl ohne weiteres klar sein. Aber auch die auch über den Zustand unseres Krankenhauses zu Be­
anderen Aerzte, die als Stadtärzte angestellt sind, richten. Ich hatte kürzlich Gelegenheit, m ir dasselbe 
bekommen lange nicht die Entlohnung, die ihnen ge­ anzusehen, und glaube, daß ich es von oben bis unten 
bührt. Die 19 Stadtärzte hatten im Jahre 1910 gesehen habe. Ich kann nur sagen, daß es auf mich 
9453 Personen zu behandeln; sie haben 30 454 Kon­ einen ganz vorzüglichen Eindruck gemacht hat, und 
sultationen gehabt, 5053 Besuche gemacht und noch das möchte ich auch hier in der Öffentlichkeit aus­
1028 Gutachten abgegeben. Hier kommt auf die Kon­ sprechen. Ich glaube, daß w ir mit unserem Kranken­
sultation eine Summe von 95 F , also schon etwas hause so auf der Höhe sind, wie die anderen Vororte 
mehr, als der Augenarzt erhält. Aus diesen Gründen Berlins es wohl kaum von sich sagen können, und 
hatten meine Freunde diese Resolution beantragt. wenn wir einmal irgendwie Beschwerden darüber 
Prinzipiell stehen w ir ja auf dem Standpunkte, haben sollten, so wird man. wenn man den Sachen 
daß die Aerzte überhaupt fest angestellt werden näher auf den Grund geht, wohl meistens finden, daß 
sollen, daß die Stadt in einzelne Bezirke eingeteilt sie auf Verdrehung beruhen. Das ganze Krankenhaus 
und die Besoldung dementsprechend geändert wird. ist vorzüglich eingerichtet und nach jeder Richtung hin 
Außerdem fordern w ir ja grundsätzlich, daß auch eine auf der Höhe. Ich bin vom Keller bis auf den Boden 
sogenannte freie Arztwahl stattfindet; man kann dem gestiegen und habe nur gefunden — und ich traue 
Kranken nicht zumuten, daß er sich ausschließlich in mir ein Auge dafür zu —, daß alles, was man ver­
die Behandlung e i n e s  bestimmten Arztes begibt langen kann. von diesem Krankenhause in vollstem 
oder, wenn er aus einem Bezirk in einen anderen Maße erfüllt wird.
verzieht, alsdann den neuen Arzt aufsuchen muß, 
der dem Bezirk zugewiesen ist. Aus der bisherigen (Die Beratung wird geschlossen. Die Versamm­
Bezahlung der Aerzte geht ohne weiteres hervor, daß lung stellt Kapitel V I  —  Krankenanstalten — in
        
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