Path:
Periodical volume 6. März 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

110 Sitzung vom (S. März 1912
W enn w ir sie fortsetzen, kommen w ir, glaube ich, im zu behaupten, daß dies oftm als m it dazu beiträgt, 
(Stnt überhaupt nicht weiter; denn über diese Fragen daß Fragen, die die Allgemeinheit interessieren, nicht 
können w ir u ns noch sehr lange unterhalten. zum Durchbruch kommen können. D a s  wird ja ge­
Feststellen möchte ich nur noch, daß die O rga­ wissermaßen von der Regierung hintertrieben; die 
nisation von Ih n e n  nach reiflicher E rw ägung ge­ sozialdemokratischen V ertreter will m an in der Schul­
nehmigt worden ist, und daß sie dauernd —  dafür deputation nicht sehen. A us diesem einfachen G runde 
bürgt wohl schon die M itw irkung des H errn S tad tv . ergibt sich ohne weiteres, daß manche gute Anregung 
S ch w arz ,—  sich unter sehr sorgfältiger Beobachtung nicht zur Wirklichkeit w ird.
in allen zuständigen D eputationen befindet und alles, N un  wünscht H err Kollege Schwarz gern eine 
w as irgendwie an M ateria l dagegen lau t wird, auch 
sicherlich in der D eputation  zur Besprechung kommt. S tatistik  über Umschulungen. Auch w ir wünschen 
I n  diesem S in n e  haben w ir ganz neuerdings erst die eine derartige S tatistik . Tatsache ist: die Umschulun­
Bestimm ungen über den Nachhilfeunterricht einer gen hier in C harlottenburg sind ungeheuerlich. Ki n de r ,  di e j ahr e l ang  in e i ne m und 
Nachprüfung unterzogen, und zwar sowohl in der ge­ d e m s e l b e n  S c h u l b e z i r k  w o h n e n ,  
mischten D eputation  für die Hebung der Volksschule müssen fünf- ,  sechsmal umgeschult  
wie in der Schuldeputation. D er H err Referent hat w e r d e n .
auch bereits darauf hingewiesen. D ie Bestimmungen 
sind von neuem Satz für Satz nachgeprüft worden. 
Ich  glaube, der H err S chulrat hat von seinem S ta n d ­ (H ört, hört! bei den Sozialdem okraten.)
punkt au s ein klein wenig subjektiv die Sache dar­ D er erste Schulweg mag vielleicht 10 M inu ten  
gestellt. S ie  sind doch in manchen wichtigen P unkten  dauern: der zweite Schulweg w ird oftm als auf eine 
geändert worden, und zwar nach den Tendenzen, die Viertelstunde ausgedehnt: dann kommt das Kind 
H err S tad tv . Schwarz verfolgt. Ich  glaube, S ie  
können siw m it dieser sorgfältigen Beobachtung der von da wieder zurück und wird in eine Schule h in­
Sache begnügen und werden bei der Vorlegung der eingeschult, die 20 M inu ten  vom Elternhause ent­
statistischen Nachweise Gelegenheit haben, in die Sache fernt sich befindet. J £ a n  derartige Zustände nicht gesund sind, werden S ie  ohne weiteres zugeben.
weiter einzudringen. Aber, meine Herren, w oran liegt es denn? D er 
H err S tadtschulrat sagt: w ir müssen Schulhäuser 
Stellvertr. Altersvorsteher V ogel: H err B ürger­ haben. Und ich weiß mich an D ebatten hier in 
meister, ich glaube, H err S tad tv . Schwarz hat nicht diesem Hause zu erinnern, wo von unserer S eite  ver­
n u r die statistischen Nachweisungen gewünscht, son­ langt wurde, es mögen in erhöhtem und schnellerem 
dern auch die Vorlegung der Jahresberichte der Schul­ M aße Schulhäuser errichtet werden, von anderer 
ärzte. S eite  wieder gesagt wurde: es ist noch nicht so weit. 
T a  haben w ir fa die Ursache, warum  diese gewalti­
S tad tv . Gebert: M eine H erren! W ir begrüßen gen Umschulungen entstehen!
eigentlich m it F reude diese Diskussion. S ie  hat uns W enn S ie  ferner gehört haben, daß noch bei den 
ein B ild  aufgerollt, das w ir Ih n e n  bei allen E ta ts ­ Ausgaben für NachhiIlcfehs tunden gespart werden soll, beratungen, soweit ich in der Lage war, die Berichte jo bedaure ich das. glaube, w ir können an den 
nachzulesen, gezeigt haben. Und speziell freut es Nachhilfestunden der L-Klassen überhaupt nicht 
u n s  außerordentlich, daß alle diese Wünsche, die von sparen; w ir müssen vielmehr versuchen, die körperlich 
jener S e ite  ausgesprochen worden sind, von uns be­ und geistig zurückgebliebenen K inder in jeder Weise 
ton t und dem M agistrat oft gesagt worden ist: H ör' vorw ärts zu bringen, und können bei diesen Kindern 
m al, M agistrat, w ir wünschen diese und jene A uf­ jedenfalls nicht sparen.
stellung. W enn nun  ferner gesagt wird, die übrigen S t a ­
Aber angenehm haben u ns auch die A usführun­ tistiken, die gewünscht worden sind, seien schwer zu 
gen des H errn  S tadtschulrats berührt. E s  ging beschaffen, so kann ich nicht recht einsehen, worin die 
daraus hervor; nicht: wie stiefmütterlich, sondern: Schwierigkeiten liegen sollen. W ir haben ein sta­
wie rabenmütterlich speziell dieser Zweig unserer tistisches B ureau . Ich gebe zu, daß dieses nicht in  der 
S tad tverw altung  im  allgemeinen behandelt wird. Lage ist, alles gleich zu verarbeiten. Aber die D e­
Verehrte Anwesende! pu tation  ist ja da; die mag dann diese statistische 
Arbeit m it übernehmen. Vielleicht ist es doch mög­
(Heiterkeit.) lich, den S tadtverordneten vor den E tatsberatungen 
eine derartige S tatistik  zugehen zu lassen.
—  Verehrte Herren! W enn der H err S tadtschulrat N un komme ich zu unserm Antrage, den w ir 
sagt, seine Bureaukräfte reichen nicht aus, um  alles chon wiederholt gestellt haben. Ich  wage zu be­
zu bewerkstelligen, w as hier gewünscht worden ist, haupten: es ist die vornehmste Aufgabe einer Kom­
so unterstreiche ich dies. Ich  gebe ohne weiteres zu, mune, dafür zu sorgen, daß auch die Lehrm ittel den 
daß es nicht möglich ist. Aber w ir haben ja stets und Schülern frei zu r Verfügung gestellt werden. Diese 
ständig in einem gewissen S parsinn  gearbeitet, und F orderung haben w ir von jeher gestellt, und bei 
ich wage zu behaupten: auf diesem Gebiete dürsten ;eder E ta tsberatung  sind unsere A nträge darauf h in ­
w ir eigentlich nicht sparen. ausgegangen. Ich will Ih n e n  hier n u r  einen F a ll 
Aber es zeigt sich auch noch ein anderer P unkt, au s der P ra x is  anführen, der beweist, w i e u n - 
und das ist der —  das lag auch in den A usführungen z w  eck m ä ß i g  e s  i s t ,  w e n n  d i e  L e h r ­
des H errn  S tadtschulrats — , daß die Kommune in m i t t e l  a u s  p r i v a t e n  H ä n d e n  g e k a u f t  
gewissem S in n e  gebunden ist, gebunden durch K önig­ w e r d e n  m ü s s e n .  Ich habe erst vor 14 Tagen 
liche Bestimmungen, gebunden durch R egierungs­ eststellen müssen, daß eine Schülerin ein Buch, 
bestimmungen, die ein freies Arbeiten nicht zulassen. Rechenkoch, das sie sich beschaffen m ußte, n i r g e n d s  
Und da weise ich darauf hin, daß m an in die Schul­ e r h a l t e n  k o n n t e .  D a s  K i n d  i s t  v o n  
deputation nicht einm al V ertreter aller P arte ien  des e i n e m  L a d e n  i n  C h a r l o t t e n b u r g  i n  
S tad tp arlam en ts  hineinbekommen kann. Ich  wage d e n  a n d e r n  g e l a u f e n ;  a n  d e r  e i n e n
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.