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Periodical volume 6. März 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 6. März 1912 1U«
M eine  H erren , ich möchte I h n e n , weil S ie  a u s  schreiendes Unrecht, w enn w ir u n s  nicht redlich be­
den Angaben des H errn  V orred n ers  sonst falsche m ühen w ollten, diese K inder in  der Schule so w eit 
Schlüsse ziehen könnten, ein iges darüber m itteilen . zu fördern, a ls  es eben möglich ist. E s  ist zw ar 
E s  ist den L ehrern , die N achhilfeunterricht erteilen, schwer, hier den richtigen M aßstab  zu finden ; aber 
zu r P flich t gemacht w orden, au f etw a vorkommende ich habe die H offnung, ja die Ueberzeugung, das; es 
körperliche Schwäche besonders Rücksicht zu nehm en; sich erreichen lassen w ird , daß es sich durch Z usam m en­
sie sollen in solchen F ä llen  die einzelnen K inder en t­ wirken von A rz t, L ehrer, R ektor und V erw altung  er­
weder blosi in  einem  Fache herannehm en oder n u r  reichen lassen w ird , und w ir wollen gern w eiter d a ran  
zu einer S tu n d e  in  der Woche kommen lassen oder arbeiten.
sie gar n u r einm al oder zw eim al eine halbe oder eine Und weil w ir doch auch die K inder der L-K lassen 
V iertelstunde lang vornehm en. E s  ist ihnen gesagt nach M öglichkeit körperlich und geistig fördern w ollen, 
w orden, sie sollen solche K inder, wenn sie sie eine müssen w ir  auch bei diesen den N achhilfeunterricht 
Z e itla n g  herangenom m en haben, h in u n te r  au f den beibehalten. G erade deshalb, weil diese K inder häu­
Schulhof schicken, d am it sie sich Dort ergehen können; figer einm al fehlen, entstehen bei ihnen leichter Lücken, 
und  sie sollen auch prüfen , ob sonst noch etw as fü r und wenn diese Lücken durch ein  p a a r S tu n d e n  Nach­
sie getan w erden kann; sie sollen bei größerer Schwäch­ hilfeunterricht ausgefü llt werden können, dann  w er­
lichkeit sich auch nicht dam it begnügen, daß der Nach­ den die K inder es viel leichter haben, m it ih rer Klasse 
hilfeunterricht a llein  ausgesetzt w ird , sondern ebenso fortzukom m en, und sie werden dadurch erheblich in 
gu t p rüfen , ob nicht auch von dem übrigen  U nterricht der Schule entlastet. S ie  haben es dann  doch viel 
ein m inder wichtiges Fach, wie z. B . H a n d arb e its ­ leichter, a ls  w enn sie nach ih rer Rückkehr wochenlang 
unterricht, Schreibunterricht, kursorisches Lesen, T u r ­ da sitzen müssen m it dem peinigenden B ew uß tse in : 
nen, oder w as n u n  in dem besonderen F a lle  besonders ich verstehe d as Durchgenom m ene nicht. S e lb st 
geeignet erscheint, ganz oder teilweise auf eine be­ wenn sie sich zu Hause an die M u tie r  wenden w ollten  
stim m te A nzahl von Wochen ausfallen  soll. D ie  m it der B itte :  erkläre m ir  das, so w ürde diese oft 
Königliche R eg ierung  ist u n s  dabei auf unsere A n ­ gar nicht in  der Lage sein, solche E rk lärungen  zu 
träge h in  im m er m it großer B ereitw illigkeit entgegen­ geben. Verursacht es aber nicht fü r die K inder eine 
gekommen; sie hat zugestim m t denn ohne die Z u ­ viel größere A nstrengung, w enn sie bei A u sfü llu n g  
stim m ung der Königlichen R eg ierung  können w ir  es entstandener Lücken a u f sich selbst angewiesen sind 
ja  nicht machen — , daß sowohl diejenigen K inder, oder n u r  die H ilfe  derer haben, die beim besten W illen  
die wegen K rankheit die Schule versäum t haben und diese H ilfe nicht ausreichend leisten können? I s t  da 
noch einer gewissen Schonung bedürfen, drei oder nicht der Klassenlehrer der gegebene H elfet, er, der 
vier Wochen lang von gewissen weniger wichtigen es am  besten weiß, w as geübt w erden soll und w ie?  
S tu n d e n  d ispensiert werden dürfen, a ls  auch die E r  weiß auch am  besten, w ann  der geeignete Z e it­
schwächlichen und  kränklichen K inder, die nicht u n ­ punkt gekommen ist, an  dem die K inder a u s  dem 
m itte lb a r vorher an schwerer K rankheit gelitten haben, Nachhilfeunterricht w ieder ausscheiden können. D ie  
eine E n tlastung  erhalten können. L ehrer sind auch angewiesen, sobald die K inder ohne 
W ir haben n u n  eine E rhebung darüber v e ran ­ N achhilfeunterricht m it fortkom m en können, es d am it 
stalte t, inw iew eit von diesen beiden V orsichtsm aß­ zu versuchen. Ic h  glaube nicht, daß eine V eranlassung 
regeln Gebrauch gemacht w orden ist. M eine  H erren , vorlieg t, die B estim m ungen über den Nachhilfe­
das ist nicht oft geschehen. E s  ist in  dem einen F a ll unterricht h ier einer scharfen K ritik  zu un terziehen.
bei den T ausenden von Schulkindern n u r  gegen 20m al E s  ist ferner von den H erren  V orrednern  auf 
von dem D ispensationsrech t Gebrauch gemacht w or­ die N otw endigkeit hingewiesen w orden, orthopädischen 
den, in  dem anderen e tw as m ehr —  ich habeU dineterricht zu geben, w eil bei u n s  so viel Rückgrat­
Z ah l im  Augenblick nicht im  Kopf.N u r  in  einer verkrüm m ungen vorkom men. M eine  H erren , nicht 
ganz verschwindenden A nzahl von F ä lle n  ist also ein bloß in  C h a rlo ttenbu rg  kommen viele R ückgratver­
schwächliches oder ein nach überstandener K rankheit krüm m ungen vor; sie kommen überall vor. U nd nicht 
noch e tw as erho lungsbedürftiges K ind, d a s  der Nach­ die Schule ist die Ursache davon, nicht die Schulbänke 
hilfe bedurfte, von einigen anderen S tu n d e n  d ispen ­ allein  verschulden es. M eine  H erren , ich glaube, den 
siert worden, und d a ra u s  können S ie  entnehm en, daß Satz aufstellen zu können, daß die Schulbänke der 
nach dem U rte il unserer Rektoren und L ehrer doch C harlo ttenbu rger Gemeindeschulen unbedenklich m it 
kein großer B ed arf an  E n tlastung  vorgelegen hat. den Schulbänken aller benachbarten S tä d te  verglichen 
W ir stehen ganz auf demselben S ta n d p u n k t, daß, werden können. Ic h  fordere den H errn  S ta d tv e ro rd ­
wo eine E n tlastung  a u s  körperlichen G ründen  nötig  neten auf, m ir  n u r  eine S ta d t  zu nennen , die in 
ist, sie auch e in treten  m uß . Und w enn hier der Satz dieser B eziehung besser d a ran  ist; er w ird  keine nennen 
ausgesprochen w orden ist: U eberanstrengungen sind können.
zu m ißbilligen , w enn sie a llein  deshalb e in treten , um  E r  h a t n u n  d a s  L eiden d am it in  Z usam m enhang  
d a s  S itzenbleiben zu verh indern  —  m eine H erren, gebracht, daß noch mehrfach Schulbänke m it P l u s ­
dan n  können w ir  alle zustim m en. A ber au f der an ­ distanz vorhanden sind. Ich  halte  es ja  auch fü r  m ög­
deren S e ite  ist doch zu bedenken: nicht bloß die lich, daß durch Schulbänke m it g rößerer P lu sd is ta n z  
E lte rn , sondern auch die G em einde und der S ta a t  eine A nlage zu r Schwäche des R ückgrats noch ge­
wünschen sehr lebhaft, daß jedes K ind nach M aßgabe steigert werden kann. A u s  diesem G ru n d e  sind w ir 
seiner K räfte  in  der Schule kräftig herangezogen w ird. aber seit J a h re n  eifrig  bem üht —  und  ich d a rf sagen: 
E s  s o l l e tw as lernen. D ie  K inder sollen doch später M ag is tra t und S tad tv e ro rd n e te  haben sich m it großer 
einm al ihre S te llu n g  im  Leben ausfü llen , und gerade E nerg ie  darum  bem üht — , die a lten  Schulbänke durch 
die kränklichen K inder der L-K lassen werden später neue, hvgienisch zweckmäßigere zu ersetzen. S ie  
nicht a ls  L asten träger gehen können oder a ls  E rd ­ haben ganz nam hafte  S u m m e n  d afü r in  den E ta t  ein­
arbeiter, gerade sie werden in  hervorragendem  M aße gesetzt, und ich möchte w ieder sagen: suchen S ie  eine 
d a rau f angewiesen sein, bei der E rw erbung  ihres S ta d t ,  in  der m an  m it größerem  O p fe rm u t an  der 
L eb en su n terh a lts  sich auch geistiger K räfte  zu be­ V ervollkom m nung der Schulbänke gearbeitet ha t a ls  
dienen. E s  w äre nach m einer Ueberzeugung ein in C harlo ttenburg !
        
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