Path:
Periodical volume 6. März 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 6. März 1912 105
orthopädischen Unterrichtes wird zum Teil aufgehoben führten Thesen, daß „eine bedeutende Anzahl der 
durch die große Z ahl unzureichender Bänke m it P lu s ­ Kinder nicht nur geistig, sondern auch körperlich in so 
distanz. Wenn wir auch eine Schule pro J a h r  mi: außergewöhnlichem M aße zurückgeblieben und auch 
neuen Bänken versehen, so genügt das noch lange dauernd leidend erscheint, daß deren Ueberweisung 
nicht. in eine L-Klasie nicht mehr gerechtfertigt war. Die 
I n  Anbetracht dieser und noch vieler an­ Klassen haben dadurch vielfach den Charakter von 
derer wichtiger Fingerzeige, auf die hinzuweisen ich Hilfsschulklasien Verhalten." Dasselbe sprechen die 
m ir für andere Gelegenheit vorbehalte, beantrage ich Schulärzte aus. Und nun wieder ein statistisches K uri­
daher, in Zukunft rechtzeitig für die E tatsberatungen osum: der Prozentsatz der Hilfsschüler im V erhältnis 
eine statistische Zusammenstellung der Schularzt- zu den gesamten Gemeindeschülern und Hilfsschülern 
berichte veranlassen zu wollen, dam it auf derselben Charlottenburgs (für 1910 =  2 ,18% ) hat sich ver­
die Etatsberatungen fußen können. ringert und beträgt trotz des Anwachsens der durch den 
Ich habe noch etwas zu diesem Kapitel zu be Zuzug bedingten Gesamtschülerzahl für 1911 n u r 
merken. Ich  wünsche nämlich für die L-Klassen eine 1 ,7% . M an  sollte erwarten, daß der Prozentsatz stati­
genaue Zusammenstellung über die erteilte Nachhilfe stisch ungefähr derselbe geblieben sein müsse. W enn 
deren Dauer und Häufigkeit bei den einzelnen, mit w ir nun aber für 1911 ebenfalls den Prozentsatz des 
N a m e  n aufzuführenden Kindern unter Hinzu Ja h re s  1910 m it 2 ,18%  annehmen, so müßten 106 
fügung des j e d e s m a l i g e n  ä r z t l i c h e n  B e  Hilfsschulkinder mehr in Charlottenburg vorhanden 
f u n d e s , dam it gründlich geprüft werden kann, ob sein, a ls  tatsächlich in  den Hilfsschulen untergebracht 
sich die Fortsetzung des Nachhilfeunterrichts in den sind. Hierüber muß eine Aufklärung erwartet werden.
L-Klassen empfiehlt, gegen den ich schwere Bedenken Dabei sind aber die Hilfsschulen überfüllt; ich 
hege. sehe für heute von einer zahlenmäßigen Begründung 
N un zum zweiten Punkt, auf den hinzudeuten ab. Außer den obersten Klassen sind die sämtlichen 
ich für nötig halte. D er Charlottenburger Lehrer Klassen über die Norm alzahl besetzt. S o llte  diese 
verein beklagt in seinen Thesen die häufigen „Um- Platznot in den Hilfsschulen, der wohl mangels einer 
und Durchschulungen innerhalb unseres weit ausge S tatistik  nicht rechtzeitig vorgebeugt wurde, schuld 
dehnten S tadtgebietes", durch die „die Schulwege daran sein, daß diese 166 Kinder, vielleicht auch noch 
oft größere, die Schreibarbeit umfangreicher und die mehr, in L-Klassen untergebracht wurden? E s  kommt 
Zusammensetzung des Schülerm aterials eine sich in dazu, daß infolge des Gemeindebeschlusses vom 
jedem H albjahr sogar stark ändernde geworden" ist 30. M ai 1911, für den ich, meinen A usführun­
„ I n  den gesamten Schulbetrieb ist somit eine Unruhe gen zufolge, die statistischen Unterlagen bezüglich 
und Unstetigkeit hineingetragen worden." D ie Schul­ der zu erwartenden Hilfsschülerzahl vermißte U nter­
ärzte schließen sich dieser Klage an. E s  ist verschiede lagen, auf deren Notwendigkeit ich heute erneut hinzu­
nen Schulärzten nicht möglich gewesen, eine S tatistik  weisen nicht unterlaßen kann — , der B au einer H ilfs­
aufzustellen, weil die F luktuation der Kinder inner­ schule in der Bleibtreustraße bewilligt worden ist, an­
halb ihres Schulbezirkes zu groß gewesen sei, läßlich dessen schulärztlicherseits die Befürchtung aus­
um sie in der zur Verfügung stehenden Zeit statistisch gesprochen worden ist, es möchte nunmehr die H ilfs­
erfassen zu können. Gerade bei dieser Gelegenheit schule I I I  in der Bismarckstraße eingehen. Abgesehen 
aber muß ich hier öffentlich aussprechen, welche au s­ von dem dam it zu erwartenden Platzmangel würden 
gezeichneten Leistungen unsere Schulärzte im allge­ sich für die aus der Bismarckstraße in die B leibtreu­
meinen in  dieser Beziehung hervorgebracht haben. straße umzuschulenden, zu mehr als 86%  körperlich 
Geradezu vorbildlich ist der von der Liebe zur Sache schwachen und elenden Kinder, die sich schwer zurecht- 
getragene F leiß , m it dem einzelne die M aterie aus­ änden, die nicht gut sähen, weile Schulwege ergeben, 
schöpfende und allseitig beleuchtende Tabellen ange­ die um so bedenklicher seien, a ls die Kinder, die vom 
legt worden sind, und der Stadtverordnetenversamm­ Norden der S ta d t kämen, auf dem Wege nach der 
lung kann ein grundlegendes, reiches Tatsachenmate­ Bleibtreustraße drei unserer ftequentiertesten Ver- 
r ia l durch amtsstatistisch zusammengefaßte Offen­ ehrsstraßen zu kreuzen hätten und dadurch dauernd 
legung dieser Berichte fü r ihre Entschließungen in in Gefahr seien.
Schulfragen erwachsen. Ich wünsche angesichts dieses statistisch 
N un ist es m it dem M ißverhältn is zwischen dem notorischen Platzmangels, den durch Zahlen zu 
Vorhandensein dieser Umschulungen und der Möglich begründen ich m ir für heute angesichts der reichen 
feit des Nachweises dieses Vorhandenseins eine sehr Tagesordnung verjage, und angesichts der geäußerten 
merkwürdige Sache. Nehmen S ie , meine verehrten Hilfsschulwegsbedenken eine Statistik , welche einer- 
Herren, Heft 23 unserer Statistischen Charlotten 'eits die für die Gesamtheit der Hilfsschulklasien gel­
burger Nachrichten für das J a h r  1911 zur Hand. ende Platznormalzahl vergleicht m it einem konstanten 
D o rt heißt es in  den Erläuterungen zu Kapitel I I  Hilfsschülerprozentsatz von der jeweiligen Gesamt- 
auf Seite  6: „Leider fehlen die Umschulungen von 'umme der Gemeinde- und Hilfsschüler C harlotten­
einer hiesigen Gemeindeschule in eine andere, sofern burgs, andererseits graphisch die Schulweglänge für 
dam it ein Uebergang in  eine Klasse des gleichen )ie Hilfsschüler darstellt, wie dies der Schularzt, 
System s verbunden ist" und: „E in  statistischer E in ­ öesien Zeichnung leider seinem Berichte nicht beilag, 
blick in diese Verhältnisse bleibt uns versagt." diesem zufolge versucht hat. Auch eine solche Hilfs- 
chulstatistik hat a ls Wegweiser für Gemeindebeschlüsie 
(H ört! hört!) besonders bei den E tatsberatungen einen großen W ert.
M eine Herren, ich wünsche, daß auch eine genaue V iertens wünsche ich eine S tatistik  der Schul­
S tatistik  der Umschulungen aufgestellt wird, damit besuchsdauer, des Schulwechsels und der Berufsw ahl 
dem Etatsausschuß auf der Grundlage einer solchen der Kinder in  den L-Klasien. Endlich fünftens und 
für seine Entschließungen in  Schulfragen die richtige etztens eine S tatistik  darüber, in  welche Klassen 
Perspektive gesichert wird. höherer Schulen Charlottenburger Gemeindeschüler 
M ein dritter Wunsch betrifft unsere Hilfsschüler. übergegangen sind, und wie sich diese Schüler auf 
D ie Charlottenburger Lehrerschaft sagt in ihren ange­ höheren Schulen entwickelt haben.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.