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Periodical volume 6. März 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

104 Sitzung vom 6. Mürz 1912
M ateria l ist der S tad tverordnetenversam m lung b is den; diese K om binationen in T u rn en  und S in g en  
jetzt noch nicht zugegangen. T e n  beiden vorhin  ge­ aber verbietet der neue Lehrplan . Dadurch brauchen 
nannten  D epu tationen  ist es bereits vorgelegt w or­ w ir m ehr Lehrkräfte, erwachsen u n s  neue Kosten. 
den, und auf eine A nfrage im E tatsausschuß hat der D ritte n s  sind auch die Rektoren entlastet w orden; die 
D ezernent des M ag istra ts  die E rklärung abgegeben, dadurch nö tig  gewordene V ertre tung  kostet auch Geld. 
daß eS demnächst auch der S tad tverordnetenversam m ­ Endlich verteuern (in  K apitel I I I  A , fortdauernde 
lung zugehen werde. D a  es inzwischen noch nicht ge­ A usgaben, Abschnitt 1 N r. 7 —  Jugendspiele un ter 
schehen ist, so hoffe ich, daß der M ag istra t diese E r ­ E rläu te ru ngen  R —  Gemeindeschulen 2 — ) S p ie l- 
klärung auch heute h ier im P len u m  wiederholen w ird. stunden fü r die 85 untersten Klassen —  die V I I .  Klas­
Sachlich habe ich noch zu bemerken, daß die B e­ sen — , die in die Pflichtstunden hätten einbezogen 
stim m ungen über die E rte ilun g  des N achhilfeunter­ werden können, den Unterricht um 5100 c/Z. Auch 
richts eine Revision und —  wie ich wohl sagen darf —  an die infolge Einrechnung von Nachhilfestunden bei 
eine Verbesserung durch die D epu tationen  erfahren erkrankten, beurlaubten usw. Lehrkräften erhofften 
haben. Ersparnisse kann ich nicht glauben. Gesetzt, eine solche 
I m  Zusam m enhange m it diesen E rörterungen  Lehrkraft gäbe statt 28 n u r  18 Pflichtstunden, und 
ist im  Etatsausschuß darau f hingewiesen worden, Laß in diese w ürden drei Nachhilfestunden (unbezahlte 
im  preußischen Abgeordneienhausc von einer S te lle  natürlich) eingerechnet, dann gäbe diese Lehrkraft von 
ausgesprochen wäre, die S ta d t  C harlo ttenburg  habe den ihr obliegenden 18 n u r 15 Pslichtstunden. D ie 
m it ihren R eform en aus dem Gebiete des G em einde­ an der stundenplanm äßigen Z ah l fehlenden drei 
schulwesens ungünstige E rfahrungen  gemacht und Pflichtstunden m üßten durch eine V ertre tung  gegeben, 
denke daran, die ganzen R eform en aufzuheben. E s  diese V ertre tung aber m üßte bezahlt werden. Ich 
ist der ausdrückliche Wunsch des EtalsausschusseS, glaube also nicht an die 22 %  Abzug und fürchte, 
daß dieser falschen D arstellung hier entgegengetreten w ir müssen u n s  darauf gefaßt machen, daß w ir hier 
w ird, und ich tue daS, indem ich ausspreche, daß die eine Nachforderung bekommen werden.
S ta d t  C harlottenburg keinerlei Ursache hat, die bisher Aber m ehr a ls  der Nachhilfeunterricht im  allge­
beschlossenen R eform en aufzuheben, da die E rfah ru n ­ meinen liegt m ir im  besonderen der N achhilfeunter­
gen, die dam it gemacht w orden find, im  großen und richt in  den R-Klassen am Herzen, und ich wünsche, 
ganzen a ls  durchaus günstig bezeichnet werden über diesen eine recht genaue A uskunft zu erhalten. 
können. I n  den Thesen des C harlo ttenburger Lehrervereins 
heißt es an  der Spitze, den Nachhilfeunterricht be­
S tad tv . Schw arz: M eine H erren, ich schließe treffend: „D er Nachhilfeunterricht ist geeignet, norm al 
mich persönlich dem Wunsche des Kollegen O tto  an, befähigten, gesunden K indern, die auS vorübergehen­
daß w ir recht bald eine Aufstellung über den Nach­ den Ursachen zurückgeblieben sind, eine wesentliche 
hilfeunterricht bekommen. Ic h  gehe aber w eiter. B e­ F ö rd eru n g  zu gewähren." D ie  Schularztberichte —  
re its  im Etatsausschuß des vorigen J a h re s  ist dein die u n s leider sehr spät zugegangen sind, so daß 
H errn  S tad tschulrat der Wunsch ausgedrückt worden, m eines Erachtens die H älfte der M itg lieder der 
eine statistische A ufstellung über diesen Nachhilfe­ Schuldeputation  sie noch nicht zu Gesicht bekommen 
unterricht zu bekommen. Dem E tatsausschuß dieses h a t —  bezeichnen aber die K inder der L-Klassen als 
' J a h re s  ha t dieser Bericht noch nicht vorgelegen. krank, zum T eil a ls  sehr krank. H err S ta d tr a t  G ott- 
stein sagte u n s  in  einer SchuldeputationSsitzung, daß 
(H ört! hö rt!) die überwiegende M ehrzahl der Schulärzte auf dem 
S tan dpun kte  stehe, die K inder in  den BAtlassen dürs­
M eine H erren, ich erkenne gern an, daß m it dem ten einen Nachhilfeunterricht nicht haben. Noch w eiter 
D ezernat fü r das Schulwesen eine große A rbeitslast geht der Bericht eines Schularztes, der sagt: „Ich  
verbunden ist; aber bei den gewaltigen S u m m en , kann n u r wiederholen, daß m ir der Nachhilfeunterricht 
die w ir fü r den Schuletat ausbringen, ist es notw en­ n u r da angängig erscheint, wo ein K ind au s  einem 
dig, daß w ir genau zu kontrollieren vermögen, wie es andern Unlerrichtssystem kommt und Lücken aufweist 
m it den Kosten steht. Nehm en S ie  das K apitel I I I  oder infolge von Krankheit längere Z e it gefehlt hat, 
zu r H and, so finden S ie , daß un te r A , fortdauernde beides aber auch n u r  dann, w enn die K inder körper­
A usgaben, in Abschnitt 3 —  Gemeindeschulen —  un ter lich genügend kräftig sind, um  den M ehranforderun­
N r. 8 eine Rechnung aufgemacht ist, welche die Kosten gen standzuhalten. E ine Ü beran strengun g  gesund­
des Nachhilfeunterrichts insgesam t m it 104 767 J( heitlich schwacher und infolgedessen in  ihren Leistungen 
beziffert. D avon werden 22 %  in  Absatz gebracht, m angelhafter K inder, n u r  zu dem Zwecke, um  ein 
so daß hier a ls  S o llbe trag  fü r das J a h r  1912 ta t ­ Sitzenbleiben zu verhindern, halte ich fü r v e r  w e r  f- 
sächlich 81 718 J( in den E ta t eingestellt sind: es l i ch und befinde mich d a rin  in  völliger Ueberein­
sind also 23 049 Jl abgezogen. Ich  glaube, das ist stim m ung m it s ä m t l i c h e n  Kollegen."
eine rosenfarbige Rechnung, und ich habe gegen die M eine H erren, diese Schularztberichte bieten ein 
Richtigkeit dieser Rechnung die allerernstesten Beden­ überaus w ertvolles M a teria l. E s  sind gravierende 
ken. A u s folgenden G ründen . Zahlen, die da genannt werden. Ich  habe m ir eine 
H ier heißt es: „H iervon werden infolge statistische Uebersicht aller einzelnen Zahlen der ge­
A usfa lls  einzelner S tu n d e n  erspart". D ieser samten Schularztberichte von C harlo ttenburg  zusam ­
A usfa ll w ird bedingt zum Beispiel durch den mengestellt. Danach kommt vor allen D ingen A näm ie 
neuen Lehrplan, der eine S tund enerm äß ig ung  oder B lutlosigkeit in  Betracht. E s  folgt Skrophulose, 
in  etwa drei Klassen vorsieht, wie sie auch in  um  von R hachitis und den Erkrankungen des N asen­
W ilm ersdorf und Schöneberg stattfindet. A ber w ir rachenraum es zu schweigen: vorher geht aber noch 
sparen dadurch nichts. D enn  einm al macht die stärkere W irbelsäulenverkrüm m ung in  erschreckender H äufig ­
Pflichtstundenerm äßigung der Lehrkräfte „fliegende" keit. D ieser W irbelsäulenverkrüm m ung soll unser 
Lehrer und L ehrerinnen nötig , an die zu zahlen ist. orthopädischer U nterricht zu H ilfe kommen, der in 
Z w eitens konnten früher Lehrkräfte durch Klassen­ noch sehr verstärktem M aße gewünscht w ird, weil er 
kom binationen in  T u rn en  und S in g en  erspart wer- sehr segensreich wirkt. D ie  W irkung aber dieses
        
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