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Periodical volume 9. März 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 9. März 1910 83
diese Anregung, die Erfahrungen des Som m ers gegen den Beschluß des M agistrates vorgehen, w ür­
abzuwarten, abgelehnt. den auch wir bedenklich sein. Aber, meine Herren, 
Dieser W ortlaut der Resolution hinderte also es ist ja bereits festgestellt, daß die Dam en sich in 
den Magistrat gar nicht — wir sind alle überrascht einem fundamentalen I r r tu m  befunden haben, daß 
gewesen, daß S ie darin eine Verletzung der M it­ sie geglaubt haben, sie sollten in ihrer ehrenamt­
glieder der Etatskommission sehen — , daß wir lichen Tätigkeit durch diese beiden besoldeten Pflege­
schleunigst in der Sache, die wir für sehr wichtig rinnen kontrolliert werden. D as ist ein fundamen­
erachten, in der wir eine große Verantwortung taler I r r t u m ! S ie sollen nicht kontrolliert werden 
übernehmen, das ausgeführt haben, was S ie  in — das ist hier schon ausgeführt — ; die besoldeten 
der Etatskommission wünschen. Aber der Magistrat Pflegerinnen sollen ihnen vielmehr helfen, die 
kann machen, was er will — er hat immer Unrecht! Tätigkeit soll gemeinsam sein, sie sollen sich ge I n ­
Vorher haben S ie uns gesagt: der Magistrat hat seitig unterstützen und ergänzen. M eine Herren, 
die Wünsche der Stadtverordneten nicht genügend es wird uns ganz int S inne des Wunsches des 
rasch ausgeführt: hier wird gesagt: er hat sie zu Herrn Stadtverordneten G uttm ann daran liegen, 
rasch ausgeführt! M an kann zwar über die Zweck­ daß wir versuchen werden, die ehrenamtlichen 
mäßigkeit, ob so oder so hätte verfahren werden Waisenpflegerinnen zu überzeugen, daß sie si h in 
sollen, verschieden denken; aber eine Verletzung der einem I r r tu m  befinden, um dadurch ihre Em pfind­
Etatskommission liegt doch jedenfalls nicht darin, lichkeit zu beseitigen. Denn auch ich teile den 
wenn der Magistrat den Anforderungen der Etats- Wunsch, daß die Damen aus dieser Erörterung der 
kammission so rasch wie möglich entspricht, im Dinge nicht mit einer Empfindlichkeit herausgehen.
Gegenteil, eine Hochachtung vor dem Beschluß der Run, meine Herren, müssen S ie doch sagen, 
Etatskommission! daß diese Sache selbst von ungeheurer Bedeutung 
(Heiterkeit.) ist. Es ist ein recht dunkler Punkt in unserer Armen­
J a ,  in der T a t ! Denn die Etatskommission hatte pflege, daß in der Säuglingssterblichkeit die unehe­
den M agistrat ersucht, die Frage noch einmal zu lichen Säuglinge die doppelte Zahl stellen gegen­
erörtern, d i e  W a i s e n d e p u t a t i o n  z u  über den Säuglingen, die aus ehelicher Gemein­
h ö r e n  und eventuell eine Vorlage zu machen, schaft hervorgegangen sind. D as ist eine Sache, 
wenn er dabei bleibt. Und da wir die Sache für- die wir doch, nachdem sie uns bekannt geworden 
wichtig hielten, haben wir das so rasch wie möglich ist, nachdem der Armendezernent pflichtgemäß dar­
gemacht. Ich möchte also die Herren Mitglieder auf aufmerksam gemacht hat, m it allem nötigen 
der Etatskommission, die Herrn Bollm ann zu­ Ernst verfolgen müssen, bei der wir die Entschei­
stimmten, bitten, in jedem Fall ihm darin nicht zu dung nicht auf die lange Bank schieben dürfen. S ie  
folgen, wenn er meint, daß ein verletzendes Vor­ übernehmen und wir mit Ih n e n  eine große Ver­
gehen des M agistrats vorliege, gegen das sein An­ antwortung, wenn wir das täten. M an könnte 
trag sich als ein scharfer Protest darstelle. Weder uns mit Recht, wenn im nächsten Som m er die 
ist es unsere Absicht gewesen, die Etatskommission eklatanten Fälle vorkommen, zurufen: weshalb 
zu verletzen, noch haben wir es tatsächlich getan. habt ihr nicht vorsichtig früh genug die Augen ge­
Dies bitte ich als einen Grund zu betrachten, um öffnet und M aßregeln getroffen? Also es liegt 
die Sache ruhig zu behandeln. eine so ernste Sache vor, daß es gut ist, wenn wir 
Von einer überstürzten Behandlung der Sache alle persönliche Empfindlichkeit ausscheiden und 
— das möchte ich dem letzten Redner, Herrn unser Augenmerk nur auf die Sache richten.
Wöllmer, sagen — kann nicht die Rede sein. Über­ D a nun nachgewiesen ist, daß in einer sehr- 
stürzt hätte sie sein können, wenn Ih n en  heute eine großen Reihe von S täd ten  diese Einrichtung der 
Vorlage des Magistrats vorläge. Wir haben ja nur besoldeten Waisenpflegerinnen sehr segensreich ge­
den ersten Schritt getan, wir haben erst die Waisen­ wirkt hat, da wir wissen, daß in unserer Nachbar­
deputation gehört, wie S ie  es verlangten, und in stadt Rixdorf diese Einrichtung seit Jah ren  besteht 
der Waisendeputation ist die Frage, wie Herr S tad t­ und m it reichem Segen und großem Erfolge zur 
verordneter G uttm ann heute bestätigt hat, sehr ein­ Ausführung gelangt ist, — bei dieser Sachlage muß 
gehend erörtert worden. Was für andere Erörte­ ich die dringende B itte an S ie richten: streichen 
rungen sollen wir noch in der Waisendeputation S ie die 3060 M nicht ein für allemal, sondern 
anstellen, als daß das ganze vorliegende statistische nehmen S ie den Einigungsantrag des Ausschusses 
M aterial, das der Herr Dezernent in seiner lang­ an und überlassen S ie  es uns, Ih n e n  eine Vorlage 
jährigen reichen Amtstätigkeit bearbeitet und zu­ zu machen, in der wir Ih n e n  die einzelnen Ver­
sammengestellt hat, noch einmal durchgesprochen hältnisse eingehend auseinandersetzen. Und dann 
w ird? Die Erfahrungen des Som m ers wollen wir beraten S ie nachher auf Grund dieser Vorlage voll­
nicht abwarten, damit uns nicht Kinder sterben, die ständig ruhig und ohne Überstürzung! Wir werden 
wir sonst retten könnten. dann den richtigen Weg finden, während wir, wenn 
Und nach dem ersten Schritt, den der Magistrat S ie  heute, meine Herren, dem Antrage Bollm ann 
gemacht hat, wird er den zweiten Schritt tun: wir zustimmen, uns vielleicht nachher doch sagen müssen: 
werden die W a i s e n p f l e g e r i n n e n wir haben etwas in der Erregung beschlossen, und 
h ö r e n ,  auch die, die noch dagegen sind. Und da­ wir haben der Sache damit nicht gedient.
mit, meine Herren, komme ich auf die Sache selbst (B ra v o !)
zu sprechen — nicht bloß auf die Form  der Be­
handlung, wovon ich vorher gesprochen habe. S tad tv . B o llm a n n : M eine Herren, es ist hier 
Meine Herren, vor den ehrenamtlichen Waisen­ von verschiedenen Rednern über den Ton ge­
pflegerinnen haben wir eine große Hochachtung und sprochen worden, den ich angeschlagen habe. Herr 
erkennen ihre Tätigkeit mit aufrichtigem Danke an S tad tra t S am ter hat von dem Ton gesprochen, 
— ich kann mich durchaus den Worten anschließen, der überhaupt hi e r n o c h  n i e m a l s  geführt 
die Herr S tadtverordneter Zietsch vorher ausge­ worden sei. Herr Kollege Zietsch hat von' einem 
sprochen h a t— , und wenn die Danten m it  R ech t begeisterten T on  gesprochen, Herr Oberbürger-
        
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