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Periodical volume 9. März 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

62 Sitzung vvm 9. März 1910
die einigermaßen absonderliche Form, die die ich zu; aber ich finde die Masten in der Harden­
Probestücke haben, die sich in der Gegend des bergstraße doch angenehmer und wirkungsvoller 
Schillertheaters seit einer Reihe von Jahren auch für das Auge als diejenigen, welche in der 
befinden. Bismarckstraße aufgestellt sind. Der Ausschuß 
Nun entsteht die Frage, meine Herren, ob wird ja wohl eingesetzt werden, und er wird sich 
w ir diesen Masten, die m it der Straßenbahn auch des Näheren mit der Sache zu beschäftigen 
kombiniert werden, zuliebe die große Ausgabe haben. Ich hoffe, daß w ir jedenfalls auf diese 
machen sollen, auch für die ganze Reihe der übrigen Dinge, die da jetzt aufgestellt sind, nicht zurück­
Kandelaber bis zur Gemarkungsgrenze das gleiche greifen.
Modell zu wählen, und da möchte ich mir er­ Aber ich habe auch noch eine andere Frage. 
lauben, Ihnen hierzu eine kleine Rechnung zu Aus der Vorlage geht hervor, daß diese Holz­
machen. Wie der Magistrat selbst angibt, ist die masten, die jetzt aufgestellt sind, leihweise ent­
Kombination mit der Straßenbahn nur möglich nommen sind. Da hätte ich eine höfliche Anfrage 
vom Knie bis zur Wilmersdorfer Straße; von da an den Magistrat zu richten: was kostet es eigent­
an ändert sich das Planum, und die Straßenbahn lich, diese Holzmasten zu leihen, pro Tag? Das 
ist auf sich selbst angewiesen. Da nun der Preis­ muß eine ganz respektable Summe im Laufe der 
unterschied zwischen den vom Hochbauamt kon­ Jahre geworden sein.
struierten Masten und den gewöhnlichen Masten, 
wie sie etwa in der Hardenbergstraße sind oder Stadtv. Jolenberg: Ich möchte den Herrn 
von einem andern Modell, ungefähr 350 M  pro Berichterstatter bitten, seine Bedenken zurück­
Stück beträgt, so würde dies bei etwa 100 Masten zustellen, und möchte Ihnen empfehlen, die Vor­
schon 35 000 M  Ersparnis ausmachen. Ich möchte lage des Magistrats anzunehmen, und zwar aus 
Ihnen daher nicht die Annahme der Vorlage folgenden Gründen.
empfehlen, ehe Sie geprüft haben, ob die Kan­ Seit vielen Jahren, solange ich Mitglied der 
delaber, die für einen ganz besonderen Zweck Elektrizitätsdeputation bin, und wohl schon vorher 
konstruiert sind, nämlich für den Zweck der Straßen­ hat man sich bemüht, in der Bismarckstraße passende 
bahn, auch jenseits der Wilmersdorfer Straße not­ Masten, und zwar solche, die dem Geschmack des 
wendig sind. Aus ästhetischen Gründen ganz Publikums entsprechen sollen, zu errichten. Auch 
gewiß nicht. Wenn nun auch die technischen Gründe, der Magistrat hat, soviel ich weiß, in vielen Sitzungen 
die für die jetzt vorgeschlagene Konstruktion sprechen, sich mit der Sache beschäftigt. Man ist nun schließ­
anerkannt sind, so muß doch geprüft werden, ob lich dahin gekommen, die Modelle, die jetzt dort 
nicht jenseits der Wilmersdorfer Straße eine leichtere probeweise aufgestellt worden sind, für die ganze 
und billigere Konstruktion — vielleicht m it einem Bismarckstraße und für den ganzen Straßenzug 
geschmackvollen gußeisernen Fuß und einem Mast überhaupt zu wählen. Ich gebe zu, daß die Masten 
aus Röhren — ausreichen wird. Ich bin durchaus vielleicht noch schöner sein könnten, als sie uns 
nicht kleinlich; ich w ill nicht sparen, wo etwas jetzt vorgeführt werden; aber die technischen Schwie­
Schönes geleistet werden kann. Aber, meine rigkeiten — davon hat sich sowohl der Magistrat 
Herren, ich habe begründeten Zweifel, ob das wie auch die Deputation überzeugt — sind so groß, 
Vorgeschlagene richtig ist, und ich möchte Ihnen daß es nicht möglich ist, etwas Besseres zu kon­
empfehlen, die Sache m it dem Magistrat zusammen struieren.
in einem Ausschuß zu prüfen. Nun meine ich, es liegt wirklich im Interesse 
Bemerken w ill ich, daß die Sache m ir nicht der Entwickelung der Straße, daß endlich mal ein 
so sehr zu eilen scheint, wie es der Magistrat hin­ definitiver Zustand herbeigeführt wird. Seit 
stellt. Der Magistrat sagt, w ir möchten heute einen 4 bis 5 Jahren stehen diese Holzmasten, die Herr 
Beschluß fassen, weil einer der Lieferanten er­ Kollege Wilk eben erwähnt hat, in der Straße 
klärt hat, er könne wegen des Steigens der Eisen­ und kosten auch, wie er sehr richtig gesagt hat, 
preise seine Offerte nicht länger einhalten. Zu Leihgeld. Ja, meine Herren, wenn Sie das Leih­
meinem Bedauern muß ich dem Magistrat wider­ geld nicht weiter bezahlen wollen, dann müssen 
sprechen und erklären, daß die Eisenpreise noch Sie doch zu einem Definitivum kommen, und 
gar nicht zu steigen scheinen; jedenfalls werden die wenn Sie das Definitivum versagen, müssen Sie 
35 000 M,  die w ir sparen können, dadurch nicht das Leihgeld bezahlen. Also ich meine, in den 
berührt werden. Ausführungen des Herrn Kollegen Wilk ist nach 
Ich  beantrage also, die Vorlage einem Aus­ dieser Richtung hin ein Widerspruch.
schuß von 9 Mitgliedern zu übergeben. Außerdem möchte ich Sie darauf aufmerksam 
machen, daß das Angebot, welches der Magistrat 
Stadtv. W ilk : Meine Herren, es gibt ein für die zu liefernden Kandelaber hat, am 20. März 
altes Sprichwort: „Was lange währt, wird gut"; abläuft, und daß dieses Angebot sich gegen das 
das tr if f t  aber, glaube ich, in diesem Falle nicht zu. zweite Angebot, welches bis zum 11. April läuft, 
Seit Jahren ist man damit beschäftigt, diese Masten um etwa 20 000 M billiger stellt. Also, die Summe, 
in der Bismarckstraße aufzustellen; man hat immer die man nach Ansicht des Herrn Berichterstatters 
hin und her probiert. Ich habe mir heute Nach­ ersparen könnte, wird durch die schnelle Erledigung 
mittag einmal die neu aufgestellten Probemasten ohne Ausschußberatung ungefähr auch erspart 
angesehen und muß sagen: ich habe nichts be­ werden.
sonders Schönes daran gefunden. Ich befürchte, Darum, meine Herren, empfehle ich Ihnen 
wenn man nur eine einzige Sorte nimmt und im Interesse der Entwicklung dieses Straßenzuges 
sie dort zur Aufstellung gelangen läßt, man würde und ferner in Berücksichtigung des Umstandes, 
die ganze Bismarckstraße verschandeln. daß sowohl die Deputation, wie auch der Magistrat 
(Lachen und Zurufe am Magistratstisch.) sich über diese Angelegenheit lange genug den 
Ich habe die Masten in der Hardenbergstraße Kopf zerbrochen haben, die Annahme der Magistrats­
damit verglichen; das ist Geschmacksache, das gebe vorlage.
        
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