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Periodical volume 7. Dezember 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 7. Dezember 1010 489
schwer fein, die Grundsteuer um  dasjenige, um  was und zw ar sind die Gründe, die es uns  unmöglich 
wir sie im  vorigen J a h r e  hinausgesetzt haben weil machen, die Worte, welche den Schluß desselben 
wir geglaubt haben, unser E ta t  würde sich ohne diese bilden, in denen nämlich ausgesprochen wird, daß 
Hinaufsetzung nicht balanziercn lassen, jetzt im eine Herabsetzung der Gemeindegrundsteuer „vor­
nächsten E ta ts jah re  wieder zu vermindern. Der zusehen sei". T e r  Herr Antragsteller hat ganz mit 
Herr K äm m erer  wird ja sicher heute schon eine Recht auch seinerseits gewiß die Em pfindung gehabt, 
Übersicht haben, wie sich der Abschluß dieses J a h r e s  daß diese F o rm  eine gewisse Schärfe in sich schließt, 
stellt, und wird da raus  vielleicht eine Möglichkeit und in dieser Schärfe, in  diesen W orten, die uns 
en tnehm en  können, den Haus- und Grundbesitzern allzusehr vinkulieren, sehe ich einen Fehler, der es 
e tw as  entgegenzukommen. Ic h  kann S ie  ver­ u n s  unmöglich macht, diesen Antrag anzunehmen.
sichern, daß die Grundbesitzer für das Geringste M eine  Herren, wenn wir einen solchen Antrag 
dankbar sein würden, w enn sie n u r  sehen, daß der annehm en, und wenn der Magistrat, w as  ich ja 
M agistrat diejenige Liebe ihnen gegenüber bezeigt, nicht glaube, diesem Antrage Folge leisten sollte, so 
die er anderen gegenüber bezeigt. T ie  G ru n d ­ würde nämlich nichts mehr und nicht* weniger 
besitzer würden, wie gesagt, sicher dankbar sein, wenn geschehen, als daß wir hier eine und zwar recht 
die S te u e r  aus den alten S ta n d  von 2,4 pro Mille wichtige Position des E ta ts  beraten und festgelegt 
zurückgeführt würde. W ilmersdorf und Schöneberg hätten  zu einer Zeit, wo u n s  das G esamtmaterial ,  
zahlen ja auch weniger Grundsteuer, wir sind ja das den E ta t  zusammensetzt, überhaupt noch nicht 
durch so viele andere Sachen, z. B . durch höhere zugänglich ist. W ir w ürden mit solchem Vorgehen 
Abgaben für die Fahrstühle usw. usw. belastet. Die direkt einen Verstoß begehen gegen die allerersten 
Grundsteuer ist nach dem gemeinen Wert berechnet, Regeln, nach denen m an  einen E ta t  aufstellen soll. 
dabei werden auch die G ä r ten  m it eingerechnet —  S ie  wissen ja alle: in unserm Etat sind absolute 
selbst diese Erholungsstätten müssen heute ver­ Zahlen n u r  sehr wenig enthalten, die meisten Zahlen 
steuert werden. Alles das fällt bei denjenigen, die sind relativ, d. H. Zahlen, die sich aufeinander be­
einzig und allein von ihren Zinsen leben, fort; aber ziehen und voneinander abhängig sind. I n  den 
die Grundbesitzer zahlen nicht n u r  ihre Einkommen­ A usgaben sind feste und sichere Zahlen n u r  die­
steuer aus ihrem  wirklichen Einkommen, sondern jenigen, die auf bestimmten eingegangenen Ver­
sie zahlen eine zweite Einkommensteuer aus dem pflichtungen der S ta d t  beruhen, also die Schulden­
Grundbesitz, auch w enn sie kein Einkommen haben. tilgungen, die Gehälter und endlich alle diejenigen 
Ich  stelle deshalb den A ntrag  und bitte den Ausgaben, die zu machen sind infolge von An­
M agistrat, diesem Antrage Folge zu leisten, in  der o rdnungen der Obrigkeiten, die höher stehen als 
Aufstellung des E ta ts  für 1911 eine Herabsetzung die S ta d t .  Und bei den E innahm en  ist das Ver­
der Gemeindegrundsteuer vorzusehen. hältn is  noch schlechter; da sind es nur eine sehr 
geringe Anzahl von Posten, die bereits vor E in ­
S ta d tv .  Dr. F re n tz e l : M eine Herren, meine bringung des E ta ts  feststehen, nämlich eigentlich 
Freunde  und auch ich sind mit den Antragstellern nur  alles das, w as auf G rund  von Verträgen fest­
der Ansicht, daß der Grundbesitz in Charlottenburg gelegt ist, also Hypothekenzinsen und dergleichen; 
s e h r  r e i c h l i c h  u n d  h o c h  b e l a s t e t  i s t ,  alles andere ist schwankend und fluktuierend und 
s o  h o c h  b e l a s t e t  i s t ,  d a ß  e i n e  w e i t e r e  m uß schwankend und fluktuierend so lange bleiben, 
E r h ö h u n g  d i e s e r  L a s t e n  u n t e r  a l l e n  als bis der ganze Etat fertig ist, und zwar einfach 
U m s t ä n d e n  f ü r  u n s  j e t z t  a u s g e ­ deswegen, weil alles in seiner Wertigkeit gegen­
s c h l o s s e n  e r s c h e i n t .  W ir haben das bei einander abgewogen werden muß, weil jeder 
den verschiedensten Gelegenheiten ausgesprochen, einzelne Posten in seiner Zweckmäßigkeit und Not­
bei der Gelegenheit der E ta tsbera tung  im E ta ts ­ wendigkeit m it  den übrigen Posten verglichen 
ausschuß, es ist auch im  P le n u m  hier zur Geltung werden und  danach abgestimmt und bestimmt 
gekommen, und zuletzt hat es in gleichsam p ro­ werden muß. Die Ausgaben im E ta t sind abhängig 
m inenter Weise mein augenblicklicher Nachbar, Herr von den E innahm en, aber ebenso ist auch wieder 
Kollege M eyer, hier zum Ausdruck gebracht, a 's  wir das M aß , in welchem die Einnahmequellen eröffnet 
vor einigen Wochen Veranlassung hatten , uns  über werden sollen, in welchem die S te u e rn  —  das sind 
die städtische F inanzlage  und über ihre angebliche ja doch die wesentlichsten Einnahmequellen —  heran­
Schlechtigkeit eingehend zu unterhalten . Herr gezogen werden müssen, abhängig von der U num ­
Kollege M eyer  ha t dam als  g l e i c h s a m  p r o ­ gänglichkeit und Unvermeidbarkeit derjenigen A us­
g r a m m a t i s c h  e r k l ä r t ,  d a ß  u n s e r e  gaben, die wir in den Ausgabeteil einzusetzen haben. 
F r a k t i o n  a n  e i n e  E r h ö h u n g  d e r  G e ­ Es ist nichts anderes wie ein Mosaik, gebildet aus- 
m e i n d e g r u n d  st e u e r  a u f  k e i n e n  F a l l  S te iu en ,  die stets verrückbar bleiben müssen, solange 
d e n k t ,  und so, w i e  d i e s  d a m a l s  e r ­ bis der definitive Beschluß hier in der S tad tve ro rd ­
k l ä r t  w o r d e n  i s t ,  d e n k e n  w i r  a u c h  netenversammlung alles dann gleichsam m it einem 
h e u t e .  J a ,  meine Herren, wir gehen m it den Schlage zu einem festen abgerundeten Gebilde macht. 
Antragstellern auch insoweit konform, als auch wir D a  können wir keinen größeren Fehler begehen, 
den Wunsch haben, es möchte, wenn irgend möglich, als  daß wir vorher, ehe wir diese S te ine  und ihre 
eine Herabsetzung dieser, wie ich bereits bemerkt Größe kennen, gewissermaßen mit gewalttätiger 
habe, sehr bedeutenden Lasten sich durchführen lassen. Hand andere Elemente hincinfügen, die nach ihrer 
Es möge sich ermöglichen lassen, daß wir den Weg, Größe nicht passen, und sie an einer Stelle  ein­
den wir allmählich progressiv vorw ärts  gegangen setzen und sagen: dort müssen sie bleiben. D an n  
sind, und durch den wir zu so hohen Pro-M ille-  wird es unmöglich, ein abgerundetes und au s ­
Zahlen gekommen sind, w i e d e r  r ü c k w ä r t s  geglichenes Bild zu geben, und der Fehler, den wir 
g e h e n  und d i e s e  M a ß r e g e l n  w i e d e r  machen würden, kann besonders dann sehr schlimm 
e i n e r  R e v i s i o n  u n t e r z i e h e n  k ö n n  eit. werden, wenn einem derartigen Beschlusse viel­
Aber trotz alledem sind wir ganz und gar nicht leicht ähnlich geartete andere folgen sollten; wenn 
in  der Lage, den vorliegenden Antrag anzunehmen, vielleicht andere G ruppen  von Stadtverordneten ,
        
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