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Periodical volume 7. Dezember 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

480 Sitzung vom 7. Dezember 1910
Lehrter Bahn getrennt, dnrch eine Eisenbahnanlage, Bahn zu gehen und dort an den Abhängen von 
die zu den verkehrsreichsten für Fern- und Vorort­ Nord-Westend zu wohnen.
züge gehört, die wir hier um Berlin haben. Beide, (Zuruf.)
sowohl die Spree wie die Eisenbahn, bilden zur — Herüber kommt man ja; man kann den 
Zeit Hindernisse für die Bermittlung des Verkehrs Fürstenbrunner Weg entlang gehen und kommt 
zwischen den beiden Stadtteilen, dem Spandauer dann nachher weiter. Sie sehen schon heute Hun­
Gebiet und dem Gebiet Nord-Westend. Es existiert derte und Tausende da entlang gehen. Die 
zwar an einer Stelle eine Fußgängerbrücke; diese Leute werden auch künftig dort gehen, wenn die 
läuft sich aber auf dem Bahnhof Fürstenbrunn Regulierung des Fürstenbrunner Weges und der 
tot, man kann erst auf großen Umwegen die vor­ angrenzenden Teile weiter vorgeschritten sein wird.
handenen Niveauübergänge erreichen, und zwar Der Hinweis auf manche Schwierigkeiten, 
auf Wegen, die nicht zu allen Jahreszeiten bequem den der Herr Stadtbaurat Bredtschneider betont 
passierbar sind. Es ist auch nicht möglich,einen großen hat, sollte uns doch eigentlich veranlassen, zu sagen: 
Verkehr im Niveau über die Gleise zu leiten. Will dahinter hätte schon längst Dampf gemacht werden 
man die beiden Stadtteile für den Verkehr mit müssen. Was soll denn sonst geschehen? Soll dieser 
einander verbinden, so muß man Brücken bauen, Stadtteil noch Jahrzehnte einfach so liegen bleiben?
und zwar a) über die Gleise der Hamburger und — dieser Stadtteil, der durch seine Lage für eine 
Lehrter Bahn, b) über die daneben gelegene gute Bebauung prädestiniert ist! Ich gebe zu, daß 
Spree. Derartige Brücken wird man mit Rücksicht der Stadtteil etwas durch den Bau der Fabriken, 
auf ihre große Länge und auch auf ihre Höhe — die dort sind, verloren hat. Im m erhin ist von dort 
Westend liegt etwa 15 m höher als das Spandauer oben die schöne Aussicht auf die Jungfernheide, 
Gebiet — unter 2 Millionen M pro Stück nicht auf das Spreetal noch vorhanden, so daß man wohl 
herstellen können — ich schätze nur flüchtig. Außer­ sagen kann, daß sich dort eine ganz schöne Be­
dem braucht man dazu das Einverständnis der bauung ermöglichen lassen wird. Ich möchte be­
Stadtgemeinde Spandau; denn die Brücken führen sonders betonen, daß es meinen Freunden am 
direkt jenseits der Spree in das Stadtgebiet von Herzen liegt, daß d i e s e r  T e i l  d e r  S t a d t  
Spandau hinein. Von einem Zusammenhang m ö g l i ch st e i n e r  f r e i e n ,  w e i t e n  B e ­
zwischen der Entwicklung der Stadtteile von S pan­ b a u u n g s w e i s e  v o r b e h a l t e n  b l e i b t ,  
dau und Nord-Westend kann also nicht früher die daß dort, s o w e i t  i r g e n d  a n g ä n g i g , 
Rede sein, als bis die Brücken hergestellt sein V i l l e n b a u  vorgesehen wird — nicht in dem 
werden, und darüber werden zu meinem großen ganzen Terrain, aber zu einem großen Teile, 
Bedauern noch mehrere Jahre vergehen müssen. soweit es sich irgend ermöglichen läßt —, vor allen 
Wenn ich nicht irre, ist in einer Petition oder Dingen a u c h ,  m i t  R ü c k s ic h t  a u f  d e n  
in den Zeitungen darauf hingewiesen worden, daß a n d e r e n  V i l l e n t e i l ,  a u f  S ü d - W e s t -  
die Siemens-Schuckertwerke neuerdings Garten­ e n d. Denn ich glaube nicht, daß es den Villen­
felde gekauft hätten und hier nun große Etablisse­ besitzern in Süd-Weftend angenehm sein würde, 
ments errichten würden. Die Errichtung dieser wenn sie von einem großen Haufen Mietskasernen 
Etablissements ist mit dem Stadtteile Nord-Westend eingeschlossen würden. Das haben sie früher nicht 
gleichfalls in Verbindung gebracht worden. Auch erwartet, als sie dorthin zogen. Es würde auch 
diese Annahme ist nicht zutreffend. Gartenfelde nicht richtig sein, in dieser Weise dort zu verfahren, 
liegt, soweit mir erinnerlich, unmittelbar neben der wenn auch nicht zu verkennen ist, daß 
Havel, sehr weit ab von dem Stadtteile Nord- einzelne Teile mit Hochbau versehen werden können 
Westend, und Berkehrsbeziehungen von Garten­ und müssen. Ferner wird bei der Aufstellung 
felde und Nord-Westend würden kaum in Frage des Bebauungsplanes w e i t g e h e n d e  R ü c k ­
kommen können, weil die Entfernungen zu groß st  ch t a u f d i e B i s m a r ck-W a r t  e zu nehmen 
sind. sein, mit deren Bau ja hoffentlich in nicht allzu ferner 
(Bravo!) Zeit begonnen werden wird. Auch mit Rücksicht 
auf den Bau der Bismarck-Warte wird eine Regu­
(Stabtb. Dr. Stadthagen : Meine Herren, lierung des Terrains notwendig werden.
auch auf dieser Seite des Hauses herrscht für den Meine Herren, sollte es nicht möglich sein, 
Antrag eine große Sympathie. Ich glaube das in dem vollen Umfange, der an sich vielleicht 
kaum besonders betonen zu müssen, da wir ja auch erwünscht wäre, jenes Terrain zu erschließen, so 
früher immer auf dem Standpunkte gestanden würde es — das ist früher schon in den Ausschuß­
haben, baß die E r s c h l i e ß u n g  v o n  N o r d -  beratungen eingehend erwogen worden — durchaus 
W e s t e n d  b e s c h l e u n i g t  w e r d e n  m u ß .  nicht unmöglich sein, f ü r  e i n e n  T e i l  d e s  
Der Herr Stadtbaurat hat uns nun alle möglichen T e r r a i n s  d i e  B a u f l u c h t l i n i e n  f e s t ­
Schwierigkeiten, die dort bestehen, vor Augen ge­ z u s t e l l e n ,  nämlich für den Teil, der nach der 
führt. Das ändert doch nichts an der Tatsache, Spandauer Chaussee zu liegt. Gewiß schweben 
daß hier ein Stadtteil, auf dessen Erschließung man manche Projekte, die weiterhin nach dem Spreetale 
schon seit Jahrzehnten — kann man beinahe sagen gerichtet sind und auf deren weitere Ausgestaltung 
— gerechnet hat, vollkommen brach liegt. Wenn Rücksicht genommen werden muß, ehe man den 
der Herr Stadtbaurat zuletzt den Z u s a m m e n ­ ganzen Bauplan festsetzt. Das trifft aber nicht zu 
h a n g  z w i s c h e n  d e r  E n t w i c k l u n g  d e r  auf den vorderen Teil des Geländes. M a n 
S i e m e n s - F a b r i k  u n d  d e r  E n t w i c k ­ w ü r d e  s e h r  b a l d  w o h l  i n  d e r  L a g e  
l u n g  d e r  S t a d t t e i l e  N o r d - W e s t e n d  s e i n ,  e i n e  g r o ß e  Q u e r s t r a ß e ,  d i e  
abgelehnt und gemeint hat, dieser Zusammenhang d e r  S p a n d a u e r C h a u s s e e  u n g e f ä h r  
würde doch nicht geschaffen werden, dann kann p a r a l l e l  l ä u f t ,  f e s t z u l e g e n  u n d  
ich ihm darin nicht'folgen. Meine Herren, über­ z w i s c h e n  d i e s e r  u n d  d e r  S p a n d a u e r  
lassen Sie es doch zunächst dem Publikum, warten C h a u s s e e  d i e  R e g u l i e r u n g  v o r z u ­
Sie ab, ob das Publikum es nicht vorzieht, über die n e h m e n .  Das ist meines Erachtens das Wich-
        
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