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Periodical volume 7. Dezember 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 7. Dezember 1910 475
soll, der in manchen Flugblättern gestanden hat, Frentzel als Mitglied der Versammlung kenne, hat 
(sehr richtig! und Heiterkeit) er sich vom ersten Tage an herausgenommen, seinen 
dann weiß ich nicht, wohin das führen soll. Wir politischen Gegnern Zensuren auszuteilen. Daß 
haben erst kürzlich eine D ebatte darüber gehabt, wir uns das verbitten, ist ganz selbstverständlich.
was für F lugblätter von Ih n e n  nahestehenden P e r­
sonen versandt worden sind. Ich glaube, S ie  haben Vorsteher K aufm ann : Wünscht der Herr
der liberalen Fraktion den denkbar schlechtesten Berichterstatter noch das Schlußw ort?
Dienst erwiesen, daß S ie noch für die Gültigkeit der (Wird verneint.)
Wahl gesprochen haben. Wenn ich mich einmal in Wir kommen zur Abstimmung. Es liegt der 
die Rolle meines väterlichen Freundes Dr Frentzel Antrag des Herrn Kollegen Hirsch vor, den ich vorhin 
versetzen verlesen habe, Erhebungen anstellen zu lassen, und 
(Heiterkeit) dagegen der Ausschußantrag, die Wahl für gültig 
und den Liberalen einen R at geben darf, so ist es zu erklären. Den Antrag des Herrn Kollegen Hirsch 
der: binden S ie Herrn Kollegen Zander an, damit Halte ich für einen V ertagungsantrag; er geht 
er nicht redet, wenn es sich um  einen Antrag von mithin den: Ausschußantrage vor.
Ih n e n  handelt.
(Heiterkeit. — B rav o ! bei den Sozialdemokraten.) (Der Antrag des S tadtv . Hirsch wird abgelehnt.)
Stadtv. Z ander : Ich muß m ir von Herrn Nun kommen wir zur Abstimmung über den 
Kollegen Hirsch ganz ausdrücklich diesen Ton ver­ Ausschußantrag. Ich bemerke, daß ein Antrag auf 
bitten. Herr Hirsch glaubt, wenn er mit seinen Ungültigkeitserklärung der Wahl gar nicht vorliegt. 
Witzen und Männichen — anders kann ich es nicht D as ergibt sich aus der Abstimmung. Wer die 
bezeichnen — kommt, hier in der Versammlung Gültigkeit nicht zu erklären wünscht, stimmt eben 
Wohlgefallen zu erregen; — oder spricht er nur zu gegen den Ausschußantrag. Es ist also nicht nötig, 
seinem eigenen V ergnügen? negativ abstimmen zu lassen, wir können positiv 
(Die B eratung wird geschlossen.) abstimmen. Ich bitte demnach diejenigen Herren, 
die Hand zu erheben, die außer den für gültig er­
Stadtv. Dr. Frentzel (persönliche Bemerkung): klärten und unbeanstandeten Wahlen auch die Wahl 
Der Herr S tadtv . Hirsch hat mir vorgeworfen, daß im 5. Bezirk der I I I .  Abteilung für gültig erklären 
ich mich in überheblicher Weise als Schulmeister ihm wollen.
gegenüber aufspiele. (S tad tv . Hirsch: Ich bitte, getrennt abzustimmen!) 
(S tad tv . Hirsch: S ehr richtig!) — Über diese eine Wahl lasse ich nur abstimmen; 
Der Mensch kennt ja seine Fehler nicht; aber im die anderen betrachte ich, wenn kein Widerspruch 
allgemeinen weiß ich mich von überheblicher Arro­ erfolgt ist, als für gültig erklärt. — Ich bitte also 
ganz ziemlich frei; — doch darin kann ich mich irren. diejenigen, die die Wahl im 5. Bezirk der I I I .  Ab­
Schulmeister — weder in gutem noch in schlechtem teilung für gültig erklären wollen, die Hand zu 
S inne — bin ich Zeit meines Lebens nie gewesen. erheben.
Aber wenn dem so sein sollte, daß ich in diesen (Geschieht.)
Fehler verfallen bin, wie Herr Kollege Hirsch meint, D as ist die Mehrheit. Wenn kein Widerspruch er­
so möchte ich meinem jugendlichen Freunde Hirsch folgt, stelle ich fest, daß die anderen Wahlen ein­
erklären, daß der einzige Anlaß und der einzige Ur­ stimmig als gültig erklärt worden sind. — Ein Wider­
heber dazu der S tadtv . Hirsch gewesen ist, der, spruch erfolgt nicht; es ist so beschlossen.
solange ich in dieser Versammlung bin, niemals er­ D er Einspruch des Herrn Reinsch ist durch diese 
mangelt hat, das, was ich hoch halte und wofür Beschlußfassung zurückgewiesen.
ich stimme und gesprochen habe, stets in ätzender 
und manchmal sehr hämischer und kränkender Wir kommen nun zurück zu Punkt 5 der Tages­
Weise zu zensurieren. Herr Kollege Hirsch, ordnung :
diese Epitheta, die ich eben gebraucht habe 
und von denen S ie wahrscheinlich wieder behaupten Vorlage betr. Bau eines Reiuwafferbehältcrs 
werden, daß es anmaßende und schulmeisterliche auf dem Wasserwerk Jungfernheide. — Druck­
Ausdrücke wären, treffen —  das kann ich Ih n e n  sache 334.
verraten — nur für die Zeit zu, als ich noch jünger 
war und m ir noch nicht das für das öffentliche Berichterstatter Stadtv. W öllm er : M eine
Leben absolut notwendige dicke Fell angeschafft Herren, der M agistrat beantragt die Bewilligung 
hatte. Heute kränken mich Ih re  Zensuren weder von 425 000 M aus Anleihemitteln zur Herstellung 
noch empfinde ich sie irgendwie ätzend oder verletzend. eines Reinwasserbehälters auf dem Wasserwerk 
Aber seien S ie  ganz sicher, Herr Kollege Hirsch: Jungfernheide. I n  der M otivierung der M agistrats­
m it dem M om ent, wo S ie  aufhören werden, den vorlage wird darauf hingewiesen, daß bei einem 
Rahm en der strengen Sachlichkeit m ir und meinen gleichmäßigen und wirtschaftlichen Betriebe der 
Freunden gegenüber zu überschreiten, wird von Wasserwerke der vierte Teil der täglichen Förderung 
m ir genau das gleiche geschehen. während der Nacht in einem Reinwasserbehälter 
aufgespeichert werden muß. Die tägliche Förderung 
Stadtv. Hirsch (persönliche Bemerkung): des Wasserwerks Jungfernheide beträgt 50 000 cbm. 
M eine Herren, ich möchte nu r konstatieren, daß Herr Es würden hiernach also ca. 12 500 cbm R ein­
Kollege Frentzel durch seine Ausführungen bestätigt wasserbehälter zur Verfügung stehen müssen. Wie 
hat, daß das, was ich gesagt habe, vollkommen S ie aber aus der M agistratsvorlage ersehen, ist 
richtig war. Er spricht hier wieder von „ätzender nur ein R aum  für etwa 8500 cbm vorhanden. Es 
und hämischer Weise", in der ich vorgehe, er erlaubt fehlen daher 4000 cbm Raum inhalt des R ein­
sich wieder, Zensuren auszuteilen. D as ist es ja, wasserbehälters, um  das Wasserwerk Jungfernheide 
was ich gesagt habe. S o  lange ich Herrn Kollegen in technischer und wirtschaftlicher Beziehung voll-
        
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